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275 Polizisten sind bei «Thee Rant» angemeldet, wo es immer wieder menschenverachtend wird. 
275 Polizisten sind bei «Thee Rant» angemeldet, wo es immer wieder menschenverachtend wird. 
Bild: PETER FOLEY/EPA/KEYSTONE

«Sollte diesem Drittweltler den Kopf aufspalten» – New Yorker Cops lassen ihrem Rassismus im Internet freien Lauf

21.04.2015, 10:4921.04.2015, 17:04

«Ghetto-Affe schlägt weisse Lehrerin» lautet der Titel eines Eintrags auf dem Forum Thee Rant. Wer den Beitrag und die vielen rassistischen Reaktionen zu der News-Story verfasst hat, weiss man nicht. Die User verstecken sich hinter Pseudonymen. Eines haben sie gemeinsam: Sie sind alle aktive oder ehemalige Mitglieder des New York Police Department (NYPD).

«Thee Rant» wurde 1999 vom zurückgetretenen Cop Ed Polstein ins Leben gerufen, damals als persönliches Tagebuch, um «Dampf abzulassen». «Das ist mein Grundrecht», sagte er 2005 der New York Daily News. Heute hat das Forum 275 aktive User. Jedes neue Mitglied muss mit einer Ausweiskopie seine Zugehörigkeit zum NYPD beweisen.

Obwohl es auch gemässigte Stimmen gibt, ist der Ton rau, oftmals fremdenfeindlich und unter der Gürtellinie. Dunkelhäutige werden als «Affen» bezeichnet, auch «Wilde» ist ein Ausdruck, der immer wieder fällt. Ein User schreibt über einen Taxifahrer aus dem Nahen Osten: «Man sollte diesem Drittweltler den Kopf aufspalten.»

Ein Video zeigt, wie ein Polizist dem unbewaffneten Walter Scott in den Rücken schiesst.
Ein Video zeigt, wie ein Polizist dem unbewaffneten Walter Scott in den Rücken schiesst.
Bild: Reuters

Auch, was zum Fall des 50-jährigen Schwarzen Walter Scott, der von einem Polizisten kaltblütig in den Rücken geschossen wurde, geschrieben wurde, ist nicht schön zu lesen. Einer schrieb: «Ein Polizist darf doch einen flüchtigen Verbrecher erschiessen. Acht Kugeln in den Rücken. Gut geschossen, wenn ihr mich fragt.»

Zum Asthmatiker Eric Garner, der im Juli 2014 in New York nach einem illegalen Würgegriff eines Polizisten starb, schrieb ein User: «Eine bessere Schlagzeile wäre gewesen ‹widerspenstiger Fettsack bekommt, was er verdient, nachdem er sich Polizisten widersetzte›.»

«I can't breathe»: Die letzten Worte von Eric Garner wurden zum Protest-Slogan gegen Polizeigewalt.
«I can't breathe»: Die letzten Worte von Eric Garner wurden zum Protest-Slogan gegen Polizeigewalt.

Die Chefetage kann nichts machen

Konsequenzen müssen die Cops und Ex-Cops wohl keine befürchten. Der Chefetage des New York Police Department (NYPD) sind die Hände gebunden: «Wir können die User nicht einfach so identifizieren», sagt der NYPD-Sprecher Stephen Davis zu Pro Publica

Er gibt zu, dass diese Äusserungen ein Problem sind und bezeichnet sie als «verstörend». Und fügt hinzu: «Es ist unglücklich, das all diese Aussagen unter dem Banner der freien Meinungsäusserung getan werden.»

Gemäss einer internen Regelung dürften sich NYPD-Beamte nicht in Blogs und Sozialen Medien äussern – ausser, es handelt sich um offizielle Online-Auftritte. Im Jahr 2012 wurden 17 Polizisten gemassregelt, weil sie sich auf Facebook rassistisch über eine Parade von amerikanischen Ureinwohnern geäussert hatten.

Wegen rassistischen Aussagen gefeuert

Auch in anderen Bundesstaaten wird zunehmend härter durchgegriffen. In St.Louis wurde ein Polizist entlassen, nachdem er rassistische Bemerkungen über die Ereignisse in Ferguson gepostet hatte. In San Francisco wurden acht Polizisten wegen rassistischen und homophoben SMS gefeuert.

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New York gedenkt erschossenem Polizisten (4.1.2015)
quelle: ap/fr170537 ap / john minchillo
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Das NYPD steckt in einer Krise: Das zeigt sich auch in der Verachtung, die viele User von «Thee Rant» gegenüber dem New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio entgegenbringen. De Blasio gilt als Verräter, nachdem er öffentlich Demos unterstütz hat, die Polizeigewalt gegen Schwarze anprangerten. 

Polizisten gaben ihm daraufhin die eine Mitschuld an der Erschiessung zweier Polizisten. Ein Mann hatte im Dezember 2014 die Beamten Wenjian Liu und Rafael Ramos getötet – und seine Tat als Vergeltung für die Tötung unbewaffneter Schwarzer durch weisse Polizisten bezeichnet. (rey)

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