Schweiz
Leben

Warum du Glühwein-Tassen am Weihnachtsmarkt nicht mitnehmen solltest

Beim Zürcher Weihnachtsdorf sind Zehntausende Tassen verschwunden

Die Glühwein-Tassen an Schweizer Weihnachtsmärkten werden immer mehr zu beliebten Souvenirs. Dies widerspricht dem Nachhaltigkeitsgedanken – und strafbar macht man sich damit theoretisch auch.
22.12.2025, 09:1722.12.2025, 12:37

Trotz fehlendem Schnee boomen auch in diesem Dezember die Weihnachtsmärkte in der Schweiz – und damit der Verkauf von Glühwein. Oft bleibt es aber nicht beim Konsum des Getränks: So lassen an verschiedenen Weihnachtsmärkten zahlreiche Besucherinnen und Besucher gerne mal die Tasse mitgehen, in welcher die verschiedenen Getränke verkauft werden.

Besucher am Weihnachtsmarkt Wienachtsdorf auf dem Zuercher Sechselaeutenplatz, am Sonntag, 10. Dezember 2023 in Zuerich. (KEYSTONE/Michael Buholzer)
Das Weihnachtsdorf lockt jedes Jahr zahlreiche Menschen nach Zürich.Bild: keystone

Denn statt Einweg-Bechern aus Plastik oder Karton verwenden die Betreiberinnen und Betreiber seit drei Jahren neue Tassen aus Porzellan. Wer ein Getränk bestellt, zahlt neben dem Kaufpreis ein Depot für diese Tasse. Diesen Betrag erhält man bei der Rückgabe wieder. Dahinter steckt ein Nachhaltigkeitskonzept: Wie die Stadt Zürich vorgibt, sollen Weihnachtsmärkte auf Einweg-Material verzichten. Stattdessen sollen die Getränke in Steintassen ausgeschenkt werden, die nach der Rückgabe gereinigt und später wieder gebraucht werden können.

So ist es zumindest angedacht. In der Praxis gestaltet sich dies für die Betreiberinnen und Betreiber der Weihnachtsmärkte weniger reibungslos. Wie Katja Weber, Co-Initiantin des Weihnachtsdorfs in Zürich, gegenüber watson sagt, verschwinden beim rund vierwöchigen Betrieb Tausende Tassen. Sie führt aus:

«In den letzten 3 Jahren haben wir insgesamt rund 70'000 Tassen bestellt. Davon sind mittlerweile rund 55'000 weg.»

Tassli-Sammeln liegt im Trend

Wie genau sich diese Zahl zusammensetzt, weiss Weber nicht. Einige Tassen würden beim Konsum kaputtgehen, was ebenfalls zur grossen Anzahl an Verlusten beitrage. Dass viele Personen die Tassen als Souvenir mitgehen lassen, sei aber eine Tatsache. «Wir wissen aus unseren Betrieben, dass es Sammlerinnen und Sammler gibt, welche gerne solche Weihnachtsmarkt-Tassen zuhause haben wollen», erklärt sie. In Deutschland gebe es ebenfalls solche Trends.

Auch dieses Jahr werden am Zürcher Weihnachtsdorf die Getränke in schlichten Tassen mit zwei verschiedenen Tiermotiven ausgeschenkt. Schriftzüge oder sonstige Hinweise auf das Weihnachtsdorf fehlen gänzlich. Dies sei absichtlich so gemacht, erklärt Weber. «Dadurch erhoffen wir uns, dass die Tassen nicht als Sammlerstück wahrgenommen und weniger mitgenommen werden.» Auch aus diesem Grund habe man jedes Jahr Tassen mit dem gleichen Design verwendet.

Glühwein-Tasse Weihnachtsdorf Zürich
So sehen die Tassen des Zürcher Weihnachtsdorfs aus.Bild: watson

Sammeln widerspricht dem Nachhaltigkeitskonzept

Problematisch ist das Verschwinden der Tassen für die Betreiberinnen und Betreiber grundsätzlich nicht. Die Verlustkosten sind durch die fünf Franken Depot pro Tasse mehr als gedeckt. Allerdings widerspricht dieser Verlust von zahlreichen Tassen dem Nachhaltigkeitskonzept. «Es freut mich zwar, dass den Leuten unsere Tassen als Souvenir gefallen», sagt Weber. Gebe es aber zu viele Verluste, müsste man neue Tassen nachbestellen.

«Wenn Leute also eine Tasse mitnehmen und diese dann ein Jahr lang nur im Schrank steht, macht das ökologisch keinen Sinn», sagt Weber. Denn die Produktion solcher Tassen sei deutlich aufwändiger als diejenige von Einweg-Bechern aus Karton. Werden auch die Steintassen nur einmal am Weihnachtsmarkt verwendet, geht die Rechnung nicht mehr auf.

Mitnehmen ist trotz Depot illegal

Auch aus rechtlicher Sicht sollte man die Tasse eigentlich zurückgeben, wenn man den Glühwein am Weihnachtsmarkt fertiggetrunken hat. Ein Blick ins Strafgesetzbuch zeigt: Diebstahl ist es zwar nicht, wenn man die Tasse mitgehen lässt, schliesslich bekommt man diese am Stand offiziell übergeben. Allerdings gibt es hierfür den Tatbestand der unrechtmässigen Aneignung.

Wie im Strafgesetzbuch festgehalten wird, kann eine solche zu einer Busse oder gar einer Haftstrafe führen. Wer eine Tasse mitnimmt, muss eine solche Strafe zwar nicht befürchten. Denn Konsequenzen drohen nur im Falle von Strafanträgen. Solche seien im Falle der Weihnachtsdorf-Tassen natürlich kein Thema, stellt Weber klar. Illegal bleibt das Mitnehmen der Tasse zumindest auf dem Papier dennoch.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die schönsten Weihnachtsmärkte der Schweiz und rund um den Globus
1 / 12
Die schönsten Weihnachtsmärkte der Schweiz und rund um den Globus
quelle: shutterstock
Auf Facebook teilenAuf X teilen
KI-generierter Weihnachtsmarkt täuscht Touristen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Rapper Macklemore: «Free Palestine Tour» ist ausverkauft
Seine nach dem Ausschluss aus der Tour des britischen Popstars Ed Sheeran angekündigte «Free Palestine Tour» ist nach Angaben von US-Rapper Macklemore bereits ausverkauft.
«Wenn die Mächtigen versuchen, unsere Rufe nach Befreiung zum Schweigen zu bringen, wird Kunst immer eine Form des Widerstands sein», schrieb der 43-Jährige bei Instagram. Er sei überwältigt, hiess es dort weiter.
Zur Story