Justiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

«Kotz-Brotz»-Urteil wird weitergezogen

16.12.17, 12:48 16.12.17, 14:32

Der Generalstabsoffizier der Schweizer Armee, der wegen der heimlichen Aufnahme einer Brandrede des damaligen Armeechefs André Blattmann verurteilt wurde, zieht das Urteil weiter. Doch auch der Militärstaatsanwalt hat gegen den Entscheid appelliert.

Mario Camelin, Sprecher der Militärjustiz, bestätigte am Samstag Informationen der Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Der Bund».

Die Militärjustiz hatte Anfang Dezember einen Generalstabsoffizier der Schweizer Armee der mehrfachen Nichtbefolgung von Dienstvorschriften schuldig gesprochen. Der Mann hatte heimlich mit dem Handy eine umstrittene Rede des damaligen Armeechefs André Blattmann aufgenommen. Darin nannte Blattmann den SRF-Moderator «Sandro Kotz» statt Brotz.

«Sandro Kotz, äh Brotz»

Die fragliche Aufnahme stammt vom 29. April 2016. In einer Rede vor über 150 Generalstabsoffizieren hatte Blattmann seinem Ärger über einen Whistleblower Luft gemacht: Jemand hatte der SRF-Sendung «Rundschau» vertrauliche Dokumente zur mittlerweile sistierten Beschaffung des Luftabwehrprojekts Bodluv zugespielt. Den Moderator Sandro Brotz nannte er «Sandro Kotz, äh Brotz».

Ex-Armeechef Blattmann. archivBild: KEYSTONE

Via WhatsApp verbreitet

Der nun verurteilte Generalstabsoffizier nahm das Referat ohne die Einwilligung Blattmanns mit seinem iPhone auf. Dann lud er eine Audiodatei in einen WhatsApp-Chat der Gruppe Giardino, deren Mitglied er ist und die sich zu dieser Zeit gegen die Weiterentwicklung der Armee wehrte.

Sämtliche Empfänger der Datei hatten nicht am Seminar teilgenommen, und wenig später gelangte die Aufnahme auch an die Medien. Der Offizier gestand die Aufnahme und das Verbreiten über die WhatsApp-Gruppe. Er sagte aber aus, er habe die Datei nicht an die Medien weitergegeben.

Für den Ankläger bestand jedoch kein Zweifel daran, dass der Bestrafte die Audiodatei auch den Medien zugespielt hat, wie es in der Anklageschrift heisst. Dies sei mit der Absicht geschehen, Blattmann «in der Öffentlichkeit zu verunglimpfen» und die «gewollte breite mediale Empörung» für den Widerstand gegen unliebsame Entwicklungen in der Armee zu nutzen.

(sda)

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
9
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 16.12.2017 21:37
    Highlight Tja, dieses Whatsapp...

    Da lässt man wirklich besser die Finger davon.
    0 5 Melden
  • silver*star 16.12.2017 21:28
    Highlight Also Sandro Kotz finde ich jetzt echt witzig.
    Ist doch toll, wenn unsere Armeeführung etwas Humor hat.
    7 13 Melden
    • Fabio74 16.12.2017 23:08
      Highlight Findest auch noch humorvoll, wenn man deinen Namen verunglimpft in aller Öffentlichkeit?
      Oder reicht das Denken doch nicht so weit?
      5 5 Melden
  • _kokolorix 16.12.2017 17:16
    Highlight Bezeichnend, dass statt der absolut unangebrachten Wortwahl Blattmans, der Überbringer der schlechten Nachricht gerichtet wird. So wird das Vertrauen in die Armee und ihre Führung weiter untergraben, nachdem es schon durch verschiedene, nie untersuchte, Korruptionsvorwürfe schwer
    Schaden genommen hat. Von der absoluten Konzeptlosigkeit der Armeeführung will gar nicht erst reden...
    60 31 Melden
    • Kimbolone 16.12.2017 17:34
      Highlight Wenn Brotz nicht aktiv wird, wird das nie verfolgt. Wenn Dienstvorschriften verletzt werden, wird die Militärjustiz (manchmal) aktiv.

      Hauptsache, ein bisschen den Max gemacht und eine staatliche Institution verunglimpft, obwohl man die Rechtsstruktur genau dieses Staates nicht kennt. Bravo!
      8 13 Melden
    • pamayer 16.12.2017 19:14
      Highlight Dafür muss Wehrpflichtersatz zahlen, wer nicht aufgeboten würde.

      Quasi als Stärkung in das Vertrauen in die Führung der Armee.
      6 10 Melden
    • Bünzli1 16.12.2017 20:58
      Highlight Die Wortwahl Blattmann's mag wohl unpassend sein, allerdings ist sie auch nicht militärstrafrechtlich relevant. Das Aufnehmen von Reden oder Äusserungen ohne wissen des Verursachers und das anschliessende veröffentlichen dieser Datei allerdings sehr wohl. Ich rate Ihnen vor dem nächsten Kommentar sich zu informieren.
      20 5 Melden
    • _kokolorix 16.12.2017 21:58
      Highlight Ich weiss sehr wohl, dass die beleidigenden Worte Blattmanns kein Offizialdelikt darstellen. Aber auch das veröffentlichen von Blattmanns Rede ist kein solches. Dieser Prozess wird nur geführt, weil Blattmann es beantragt hat. Genau so gut hätte er die Korruptionsvorwürfe beim BODLUV Projekt untersuchen lassen können. Aber nein, er stürzt sich absolut gehässig auf den Nestbeschmutzer, der auf die fragwürdigen Praktiken im Beschaffungswesen hinweist.
      Das deutet nicht auf einen guten Charakter, und noch viel weniger auf gute Führungseigenschaften. Und das war jahrelang der Chef der Armee!
      9 6 Melden
    • roger_dodger 18.12.2017 18:14
      Highlight Toll gemacht Herr Blattmann, mit einer so bedachten Wortwahl kann man die Öffentlichkeit sicher davon überzeugen dass die Armee professionell arbeitet.
      Und ja, wenn man nicht zu seinen Äusserungen stehen kann dann sollte man so etwas nicht von sich geben.
      Sie hätten sich lieber mal daran gemacht herauszufinden was bei dieser Evaluierung schief gelaufen ist als Jene zu verunglimpfen die es ans Tageslicht gebracht haben.
      1 0 Melden

Härtere Gangart: Mindeststrafe für Sexualstraftäter wird verdoppelt

Der Bundesrat will Gewalt- und Sexualstraftäter härter anpacken. Vor allem Vergewaltigern und Pädosexuellen drohen höhere Mindeststrafen. Darin steckt auch eine Botschaft an die Gerichte.

Der Bundesrat könne den Gerichten keine Vorschriften machen, stellte Justizministerin Simonetta Sommaruga am Mittwoch vor den Bundeshausmedien klar. Sie verhehlte aber nicht, dass die Regierung gerade bei Gewalt gegen Frauen und Kinder in Zukunft härtere Strafen erwartet.

Der Bundesrat schlägt daher vor, bei …

Artikel lesen