«Sie sagen, den Brauch muss man abschaffen» – wir waren am ‹Pschuuri› in Graubünden
Jeweils am Aschermittwoch verwandelt sich das bündnerische Splügen für ein paar Stunden in ein Dorfspektakel mit Versteckspiel.
Beim Fasnachtsbrauch «Pschuuri» ziehen die ledigen Burschen – die «Pschuurirolli» – mit Masken und Glocken durch die Gassen und suchen Schulkinder sowie unverheiratete Mädchen und Frauen.
Aus dem Versteckspiel wird aber spätestens dann eine Jagd, wenn die Männer die Kinder oder Frauen erblicken und versuchen, ihnen das Gesicht mit einer Mischung aus Kohle und Fett und anderen «Geheimzutaten» zu schwärzen.
Bei diesem Ritual, das der Fruchtbarkeit dienen soll, kann es teilweise roh zu und hergehen. «Für Aussenstehende sieht das nach Gewalt und Sexismus aus», sagt eine Splügnerin zu watson.
Wie Bräuche mit Frauen umgehen
Wie Traditionen und Bräuche mit Gewaltbildern und Frauenrollen umgehen, sorgt vermehrt für Diskussionen – besonders seit dem Fall «Klaasohm». Beim Nikolausbrauch auf der deutschen Nordseeinsel Borkum gehen Männer auf die «Jagd» und verprügeln Frauen mit Kuhhörnern. Nach einem öffentlichen Aufschrei änderten die Verantwortlichen die Praxis.
Auch beim «Pschuuri» stellt sich die Frage: Wie zeitgemäss ist ein Brauch, der die Jagd auf Frauen und Kinder zum Ritual macht?
Was die Splügnerinnen und Splügner dazu sagen, siehst du im Video.
