Den Schweizer Bauern reichts: Trotz Überschuss importiert Toblerone weiterhin Milch
Die Schweizer Bauern produzieren so viel Milch, dass selbst die Molkereien nicht alles abnehmen können. Laut dem Milchbauernverband war die Futterqualität im vergangenen Jahr besonders gut, was zu einem Überschuss führte.
Diesen Überschuss müssen die Bauern irgendwie verwerten. Schokoladenhersteller könnten die Milch beispielsweise nutzen. Der Hersteller der Toblerone-Schokolade plant jedoch stattdessen, 1000 Tonnen Butter zu importieren.
Dies sorgt für grosses Unverständnis unter den Schweizer Bauern. Milchproduzent Heini Siegenthaler protestiert dagegen, indem er literweise Milch in einen Schacht vor der Toblerone-Fabrik in Bern kippt, wie in einem SRF-Beitrag zu sehen ist.
Toblerone ist zwar seit Jahren nicht mehr in Schweizer Besitz – die Marke gehört dem US-Konzern Mondelez –, hergestellt wird die Schokolade jedoch weiterhin in der Schweiz.
Auch der Ökonom Mathias Binswanger zeigt sich über den Import von Milchprodukten erstaunt. Es sei «relativ absurd», trotz Überschuss zu importieren. Recherchen des «Schweizer Bauer» zufolge hat der Bund im zweiten Halbjahr 2025 den Import von 7'000'000 Kilogramm Milch und 1'856'450 Kilogramm Milchpulver bewilligt.
Binswanger fordert eine Überprüfung der Bewilligungsverfahren: Importgenehmigungen sollten nur erteilt werden, wenn in der Schweiz tatsächlich zu wenig Rohstoffe verfügbar sind.
Der Milchpreis als Problem
Anders beurteilt die liberale Denkfabrik Avenir Suisse die Situation. Schweizer Milch sei für Schokoladenhersteller wegen ihres Preises ein Wettbewerbsnachteil, erklärt Christoph Eisenring, Leiter Programme und Forschung. Gegenüber SRF sagte er:
Der US-Konzern Mondelez äussert sich zu den geplanten Importen von Milchprodukten nicht direkt. Stattdessen betont das Unternehmen hinter Toblerone, dass die Beschaffung der verschiedenen Rohstoffe komplex und langfristig geplant sei.
In der Stellungnahme heisst es weiter, dass der Konzern seine Lieferanten kontinuierlich sowohl in der Schweiz als auch im Ausland evaluiere. Dabei würden Faktoren wie Nachhaltigkeit, Qualität, Innovation und Kosten berücksichtigt. (fak)
