Schweiz
Wirtschaft

Toblerone importiert weiterhin obwohl wir einen Milchüberschuss haben

Den Schweizer Bauern reichts: Trotz Überschuss importiert Toblerone weiterhin Milch

Trotz Milchüberschusses in der Schweiz importiert Toblerone weiterhin Milch aus dem Ausland. Ein Schweizer Milchbauer protestiert dagegen und setzt ein deutliches Zeichen.
20.02.2026, 10:5620.02.2026, 10:56

Die Schweizer Bauern produzieren so viel Milch, dass selbst die Molkereien nicht alles abnehmen können. Laut dem Milchbauernverband war die Futterqualität im vergangenen Jahr besonders gut, was zu einem Überschuss führte.

Diesen Überschuss müssen die Bauern irgendwie verwerten. Schokoladenhersteller könnten die Milch beispielsweise nutzen. Der Hersteller der Toblerone-Schokolade plant jedoch stattdessen, 1000 Tonnen Butter zu importieren.

Dies sorgt für grosses Unverständnis unter den Schweizer Bauern. Milchproduzent Heini Siegenthaler protestiert dagegen, indem er literweise Milch in einen Schacht vor der Toblerone-Fabrik in Bern kippt, wie in einem SRF-Beitrag zu sehen ist.

Heini Siegenthaler setzt ein Zeichen und kippt am 19. Februar vor der Toblerone-Fabrik Milch in einen Schacht.
Heini Siegenthaler setzt ein Zeichen und kippt am 19. Februar vor der Toblerone-Fabrik Milch in einen Schacht. bild: screenshot srf news

Toblerone ist zwar seit Jahren nicht mehr in Schweizer Besitz – die Marke gehört dem US-Konzern Mondelez –, hergestellt wird die Schokolade jedoch weiterhin in der Schweiz.

Die Toblerone Schokoladefabrik der Firma Mondelez International, fotografiert am Dienstag, 28. Februar 2023 in Bern Bruennen. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Die Toblerone Schokoladefabrik in Bern Brünnen.Bild: KEYSTONE

Auch der Ökonom Mathias Binswanger zeigt sich über den Import von Milchprodukten erstaunt. Es sei «relativ absurd», trotz Überschuss zu importieren. Recherchen des «Schweizer Bauer» zufolge hat der Bund im zweiten Halbjahr 2025 den Import von 7'000'000 Kilogramm Milch und 1'856'450 Kilogramm Milchpulver bewilligt.

Binswanger fordert eine Überprüfung der Bewilligungsverfahren: Importgenehmigungen sollten nur erteilt werden, wenn in der Schweiz tatsächlich zu wenig Rohstoffe verfügbar sind.

Der Milchpreis als Problem

Anders beurteilt die liberale Denkfabrik Avenir Suisse die Situation. Schweizer Milch sei für Schokoladenhersteller wegen ihres Preises ein Wettbewerbsnachteil, erklärt Christoph Eisenring, Leiter Programme und Forschung. Gegenüber SRF sagte er:

«Normalerweise geht auf einem Markt, der einen Überschuss hat, der Preis herunter, und die Konsumenten kaufen mehr Milchprodukte. Das wäre eigentlich die normale Reaktion. Wenn man das nicht will oder mit dem Preis zu wenig heruntergeht, dann muss man bei der Menge ansetzen.»

Der US-Konzern Mondelez äussert sich zu den geplanten Importen von Milchprodukten nicht direkt. Stattdessen betont das Unternehmen hinter Toblerone, dass die Beschaffung der verschiedenen Rohstoffe komplex und langfristig geplant sei.

In der Stellungnahme heisst es weiter, dass der Konzern seine Lieferanten kontinuierlich sowohl in der Schweiz als auch im Ausland evaluiere. Dabei würden Faktoren wie Nachhaltigkeit, Qualität, Innovation und Kosten berücksichtigt. (fak)

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Die beliebtesten Kommentare
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Hänsel Thunberg
20.02.2026 11:11registriert August 2021
In Italien haben die Bauern Milch an Passanten verschenkt, um auf die zu tiefen Preise hinzuweisen. Das war sympathisch. Aber Lebensmittel aus Protest wegzuwerfen?
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ABWESEND
20.02.2026 11:07registriert September 2024
ok, also die Bauern haben einen Überschuss, der Markt ist somit gesättigt, die Preise müssten ganz nach dem Prinzip Angebot / Nachfrage sich anpassen.

statt sich der freien Markwirtschaft anzupassen, betreibt man lieber Food Waste und giesst die gute Milch in den Gully. schade für die harte Arbeit der Kühe.

lieber nichts verdienen statt weniger verdienen.
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mstuedel
20.02.2026 11:21registriert Februar 2019
Das Matterhorn auf der Toblerone Packung ist ja bereits einem generischen Bergmotiv gewichen, weil der Inhalt zum Teil in der Slowakei produziert wird. Was kümmert es nun Mondelez, dass die Milch nicht mehr aus der Schweiz stammt? Frei nach dem Motto: "Ist der Ruf mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert."
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