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bild: marin valentin wolf

Ein Konzert mit Lebensweisheiten

Lionel Loueke (E-Gitarre) und Ziv Ravitz (Schlagzeug) – das dynamische Duo trat am vergangenen Sonntagabend erneut in «Musig im Pflegidach» in Muri auf. Mit ihren musikalischen Darbietungen zogen sie das Publikum in ihren Bann.
20.12.2021, 16:15
Mahela Waldmann

Die Musiker haben sich letzten Sommer durch «Musig im Pflegidach» kennengelernt. Diese Bekanntschaft wurde zum Erfolgskonzept und nächste Woche gehen sie gemeinsam nach Deutschland, um ein Album aufzunehmen. Die Zuschauer des Murianer Kulturprogramms sind die ersten, die den geplanten Inhalt des Albums hören. Diese Aufführung ist nicht nur ein Konzert für die Musiker, sondern auch eine gute Gelegenheit, delikate Elemente herauszuarbeiten, bevor es ins Studio geht.

Hinweis
Die Autorin ist Schülerin an der Kanti Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Versunken in der Musik

Die zwei Musiker sitzen einander gegenüber. Hinter ihnen sind in einem Halbkreis vier Lampen platziert, die eine stimmungsvolles Ambiente schaffen. Die Atmosphäre ist ruhig im Saal, fast schon meditativ. Einige Zuschauer scheinen in eine Art Trance verfallen zu sein und bewegen sich kaum. Sie hören nur gespannt den beiden Männern und ihren Musikinstrumenten zu.

Der Oberkörper und Kopf von Ziv Ravitz bewegen sich konstant zur Musik. Er beugt sich nach vorne, dann nach hinten, seine Schultern wippen im Takt mit und sein Kopf dreht sich zum Publikum. Obwohl Ravitz sich ständig bewegt, strahlt er absolute Ruhe aus. Er scheint ganz von der Musik eingenommen zu sein und hat die Augen bei dem Spielen geschlossen, ungeachtet wie schnell seine Stöcke über das Schlagzeug fliegen. An einer Stelle des Konzerts bewegen sich seine Stöcke so schnell, dass sie einem vor den Augen verschwimmen. Sein Kopf ist oft vom Schlagzeug abgerichtet, als könnte er es nicht ertragen hinzusehen. Mitten im Spielen entfernt er ein Becken seines Schlagzeugs und spielt sogleich weiter, als wäre nichts gewesen.

Lionel Loueke & Ziv Ravitz – «Trancegression» @ «Musig im Pflegidach», Muri

Lionel Loueke hingegen sitzt eher statisch auf seinem Stuhl. Doch auch sein Körper wird manchmal durch die Musik mitgezogen nach hinten und nach vorne. Sein Kopf bleibt, solange er spielt, immer auf das Mikrofon gerichtet. Er wirkt gelassen. Die Harmonien seiner Gitarre sowie sein Gesang wirken beruhigend. Gleichzeitig sind da die schnellen Rhythmen des Schlagzeugs und so bildet sich eine gute Dynamik zwischen den zwei Jazzkünstlern.

Lob und Leben

Beide Musiker loben sich in den Pausen zwischen den Liedern ausführlich. «Das nächste Lied: Ich wünschte wirklich, ich hätte es geschrieben», sagt Lionel Loueke zu der Komposition «Shadows On The Wall» von Ziv Ravitz. Die Zuschauer lachen. «Keiner spielt wie Ziv», meint er, und: «Wenn einer wie Ziv spielt, muss er ein Imitator sein». Dieses Lied hat der Schlagzeuger geschrieben, da er seine Kinder, die in Israel sind, aufgrund der Pandemie schon lange nicht mehr sehen konnte und diese sehr vermisst. Der Musiker lebt zurzeit in Frankreich und nennt sein Aufenthalt dort: «confinement time» (auf Deutsch: Haftzeit). Auch über das Dorf in Frankreich, indem er lebt, hat er ein Lied geschrieben, das auf dem neuen Album erscheinen wird.

Ziv Ravitz schwärmt von Lionel Loueke. Er bringe viel auf den Tisch, nicht nur musikalisch, sondern auch spirituell. Während des Konzertes gibt es immer wieder Teile eines Stückes, wo nur der Schlagzeuger oder nur der Gitarrist spielt. Als kurz nur Loueke spielt, sitzt Ravitz einfach dort, schaut zum Gitarristen hinüber und strahlt ihn an.

Lebensweisheiten der Jazz-Musiker

Wenn man keine Risiken eingeht, ist man vielleicht sehr glücklich, weil man genau weiss, was man tut, aber man kann nichts Eigenes herstellen, und das ist, was Loueke liebt; «The real…I love the real». Man soll es einfach tun, es einfach finden gehen, sagt er zur Kreativität. Und wenn man es nicht findet, dann ist das okay, es ist wirklich okay, versichert der Gitarrist.

Lionel Loueke & Ziv Ravitz – «Chant» @ «Musig im Pflegidach», Muri

Ziv Ravitz teilt ein Ratschlag, der ihm sein Vater gab, der ebenfalls Musiker war: Man sollte in jeder Situation so spielen, als ob es das letzte Mal wäre. «Vielleicht gehe ich heute raus und sterbe», sagt er und lächelt, «Es ist sehr extrem, aber wenn man sein Leben so lebt, dann ist jede Erfahrung viel bedeutungsvoller». Bei diesem Auftritt hätte er sehr stark in diesem Gefühl geschwebt, dass es nicht wichtig wäre, was morgen kommt oder ob er mehr Auftritte haben wird.

Beide Musiker sind sich einig, dass es beim Musik spielen nicht um sie selbst geht. Es gäbe kein Ego, wenn es um Musik gehe, so Loueke. Sie entscheiden nicht selbst, was sie spielen, sie hören beide auf das, was die andere Person spielt und folgen einfach dieser Richtung. Es geht darum, das zu tun, was die Musik braucht. Auch wenn sie zusammen Musik komponieren, gibt es laut dem Gitarristen des Duos keine Konflikte. Sie diskutieren einfach und versuchen die beste Lösung für das Musikstück zu finden.

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Lionel Loueke & Ziv Ravitz @ «Musig im Pflegidach» Muri

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Lionel Loueke & Ziv Ravitz @ «Musig im Pflegidach» Muri
quelle: marin valentin wolf
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Wie das Leben durch Musik zu einem selbstfahrenden Schiff wird
Trotz einer langen und ermüdenden Reise (mit über zwölf Stunden Verspätungen schon zu Beginn der Tour) sang Sara Gazarek mit Julian Shore am Klavier, Matt Aronoff am Bass und Jonathatn Pinson am Schlagzeug ein wundervolles Konzert am letzten Sonntag im «Musig im Pflegidach» in Muri.

Obwohl Sara Gazarek auf den langen Flug- und Zugstunden kaum Lieder schreibt oder arrangiert, wird die Zeit auf Tour doch sehr effizient genutzt. So übt sie neue Tunes mit der Band direkt bei den Soundchecks, um sie nach ein paar Tagen in die Setlist aufzunehmen. Zum Teil singt und spielt die Formation fünf Tage hintereinander am Stück, was von den Musikern verlangt zu funktionieren, wobei nicht viel Raum für Kreativität übrig bleibt.

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