«Widerlich und böse»: Trump verliert Teile von MAGA wegen Iran-Krieg
Die Reaktion liess nicht lange auf sich warten. Führende Demokraten reagierten am Samstag mit heftiger Kritik auf die Entscheidung von Präsident Donald Trump, den Iran anzugreifen. «Das ist ein Krieg, der nicht zwingend und dessen strategisches Ziel nicht bekannt ist», sagte der hochrangige Abgeordnete Jim Hines. Seine Parteifreunde beschwerten sich derweil, dass Trump den Kongress übergangen habe, obwohl dieser doch anderen Ländern den Krieg erklären müsse.
Diese Kritik war zu erwarten. Viele Demokraten hatten sich in den letzten Wochen darüber beklagt, dass der Präsident nicht öffentlich begründe, warum er derart viel amerikanisches Kriegsmaterial in den Mittleren Osten verlege. Auch ist der Sturz ausländischer Regierungen, so brutal diese auch vorgehen mögen, seit dem traumatischen Irak-Abenteuer von Präsident George W. Bush verpönt.
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Interessanter ist deshalb die Reaktion im rechten Lager, in dem führende Sprachrohre Trumps der Intervention ebenfalls skeptisch gegenüberstehen. Damit droht eine Schwächung der Volksbewegung MAGA («Make America Great Again»), auf die sich der Präsident bisher selbst in Krisenfällen abstützen konnte. Und Trump droht vom Tribun zum ganz normalen Politiker zu schrumpfen.
Auch Charlie Kirk hatte vor Iran-Intervention gewarnt
Der inoffizielle Anführer der Anti-Interventionisten ist dabei Tucker Carlson. Noch am Samstag, als im Mittleren Osten die Raketen flogen, kritisierte er den Angriff auf Iran in einem Journalistengespräch als «absolut widerlich und böse».
Das passt zu den Aussagen von Carlson, die dieser in den vergangenen Tagen getätigt hatte. «Aus amerikanischer Sicht wäre ein Krieg mit dem Iran potenziell katastrophal», warnte der Kommentator in einem Video, das er am Donnerstag veröffentlicht hatte. Auch stellte er darin die rhetorische Frage: «Wollen wir wirklich unsere Wirtschaft ruinieren und amerikanische Leben riskieren», weil der israelische Ministerpräsident Netanyahu glaube, ein Krieg sei gut für seine politische Karriere? Mit «America First», Amerika zuerst, dem Wahlspruch Trumps, habe dies jedenfalls wenig gemein.
Den Präsidenten allerdings konnte Carlson, trotz wiederholten Besuchen im Weissen Haus, nicht von diesem Positionsbezug überzeugen. Dabei steht er in einer Tradition von rechten Kommentatoren, die Trump vor aussenpolitischen Kraftakten im Mittleren Osten warnen. So hatte sich Charlie Kirk im vorigen Jahr, wenige Monate vor seiner Ermordung, gegen den gewaltsamen Sturz des Regimes in Teheran ausgesprochen und von den «chaotischen» Folgen eines solchen Schrittes gewarnt.
Trump selbst präsentiert sich in der amerikanischen Öffentlichkeit immer wieder als «Friedenspräsident». So behauptet er zum Beispiel, er habe in seinem ersten Amtsjahr bereits acht bewaffnete Konflikte beendet. Einer dieser Kriege: Der Schlagabtausch zwischen Israel und Iran, unter den er ganz offensichtlich keinen Schlussstrich ziehen konnte.
Seinen Stammwählern scheint dieser Widerspruch weitgehend egal zu sein. Sie verzeihen ihm anscheinend, dass er sein Versprechen vergessen hat, in seiner Amtszeit keine neuen Kriege zu beginnen. Oder sie glauben Trump, wenn er sagt, der Angriff auf Iran sei wichtig, um den Mittleren Osten für immer zu befrieden.
Israel hat in den USA an Sympathie verloren
Aber im Hintergrund hat das Ringen um Trumps Nachfolge längst begonnen – und es ist augenfällig, dass Figuren wie Carlson der Meinung sind, dass es in der «Make America Great Again»-Bewegung des Präsidenten (viel) Platz für anti-israelische Töne hat.
Denn die Kritik am engen Band zwischen den USA und Israel ist letztlich der Leim, der die rechten Trump-Kritiker verbindet. Dabei greifen sie nötigenfalls tief in die Kiste antisemitischer Vorurteile. Sie argumentieren, dass es dem langjährigen israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu gelungen sei, Trump zu manipulieren. Carlson behauptete vorige Woche in einem Gespräch mit dem US-Botschafter in Jerusalem ziemlich unverfroren auch, der jüdische Staat sei ein Schmarotzer.
Ob sich mit solchen Parolen in den USA nationale Wahlen gewinnen lässt, ist nicht mehr komplett ausgeschlossen. Während des Gaza-Krieges kippten die traditionellen Sympathien, die in der amerikanischen Bevölkerung für Israel gehegt werden, ins Negative. Neuerdings sagt eine (relative) Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung auch, dass sie den Palästinensern mehr Anteilnahme entgegenbrächten als der Bevölkerung von Israel. Dies ermittelte das Forschungsinstitut Gallup kürzlich.
Nun sind solche Momentaufnahmen mit Vorsicht zu geniessen. Auch hat Trump immer noch eine Reihe von einflussreichen Kommentatoren, die ihn verteidigen oder gar anspornen. Stimmen wie Sean Hannity oder Mark Levin, die vielleicht in der Schweiz nicht bekannt sind, in den USA aber täglich ein Millionenpublikum unterhalten.
Hannity sagte noch am Freitagabend auf «Fox News», wenige Stunden vor Beginn des Angriffs auf den Iran, dass die Zeit für Diplomatie nun abgelaufen sei. Und Levin verglich in der gleichen Sendung das Regime in Teheran mit Adolf Hitler. «Wie können einige Leute nur so ignorant sein», sagte der Kommentator über Leute wie Tucker Carlson. (aargauerzeitung.ch)
