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Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete verteidigt illegale Einfahrt vor Richter

02.07.2019, 11:0002.07.2019, 11:35

Die Kapitänin der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch, Carola Rackete, hat nach Angaben ihres Anwalts in ihrer Vernehmung die unerlaubte Einfahrt in einen italienischen Hafen verteidigt. Die Situation mit den Flüchtlingen an Bord sei «sehr angespannt» gewesen.

Das sagte der Rechtsanwalt Leonardo Marino am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Rom. Rackete habe darüber hinaus angegeben, das Boot der Guardia di Finanza, das sie mit ihrem Rettungsschiff «Sea-Watch 3» beim Einlaufen in den Hafen touchiert hatte, nicht gesehen zu haben.

Bild: AP

Am Dienstag muss ein Haftrichter im italienischen Agrigent entscheiden, ob er einen bestehenden Hausarrest für Rackete aufhebt. Die Entscheidung darüber müsse spätestens am Abend getroffen werden, könnte aber auch schon früher fallen, sagte Marino.

Mögliches Aufenthaltsverbot

Möglich sei, dass die freiheitsentziehenden Massnahmen gegen Rackete komplett aufgehoben werden. Alternativ könnte gegen Rackete ein Aufenthaltsverbot für die Provinz Agrigent verhängt werden, zu der auch die Insel Lampedusa gehört. Letzteres hatte die Staatsanwaltschaft gefordert.

Gegen Rackete werden in Italien schwere Vorwürfe erhoben. Ihr drohen zwei Prozesse, die in langen Haftstrafen enden könnten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem vor, Widerstand gegen ein Kriegsschiff geleistet zu haben, was mit bis zu 13 Jahren Haft bestraft werden kann.

Die Guardia di Finanza ist in Italien militärisch organisiert und zählt dort zu den Streitkräften. Zudem wird wegen Begünstigung illegaler Migration ermittelt.

Die 31-jährige Deutsche war mit dem Rettungsschiff «Sea-Watch 3» und 40 Migranten an Bord am Wochenende unerlaubt in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa gefahren und wurde festgenommen. Die italienische Gesetzgebung sieht für das unerlaubte Einfahren schon in die Gewässer des Landes hohe Geldstrafen vor. Die «Sea-Watch 3» wurde beschlagnahmt.

Über 1,3 Millionen Spenden

In zwei Spendenaktionen sind inzwischen mehr als 1,3 Millionen Euro zusammengekommen. Der Aufruf der Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf brachte bis Dienstagmorgen mehr als 893'000 Euro ein. Auf einer italienischen Facebook-Seite wurden mehr als 430'000 Euro gesammelt. Eine Petition auf der Plattform change.org für die Freilassung von Rackete unterzeichneten mehr als 283'000 Menschen.

Die Spenden sind nach Angaben von Sea-Watch einerseits für die Gerichtskosten und andererseits für ein neues Schiff, wenn das derzeitige beschlagnahmt bleibt. Die Staatsanwaltschaft wirft Rackete unter anderem Widerstand gegen Vollzugsbeamte und Begünstigung der illegalen Einwanderung vor. Heute Dienstag soll über einen möglichen Haftbefehl für Rackete entschieden werden. (aeg/sda/dpa)

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quelle: ruben neugebauer / jib collectiv / sea watch
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30 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Max Dick
02.07.2019 11:34registriert Januar 2017
Hoffe die Justiz entscheidet unabhängig von jeglichem politischem Druck. Egal ob dieser Druck aus dem Salvini-Lager oder aus Deutschland kommt.
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lina910
02.07.2019 11:25registriert März 2017
Die einen ertrinken im Überfluss, die anderen im Meer..
- Faber
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Wine Spectator
02.07.2019 12:09registriert Oktober 2018
Seewatch greift schon lange die "Notrufe" der Schlepper in libyschen Küsten ab, das war keine Seenotrettung, keiner dieser Schlepper hatte jemals vor bis Lampedusa durchzufahren.
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