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epa08623798 A man is silhouetted against a burning business during a second night of unrest in the wake of the shooting of Jacob Blake by police officers, in Kenosha, Wisconsin, USA, 25 August 2020. According to media reports Jacob Blake, a black man, was shot by a Kenosha police officer or officers responding to a domestic distubance call on 23 August, setting off protests and unrest. Blake was taken by air ambulance to a Milwaukee, Wisconsin hospital and protests started after a video of the incident was posted on social media.  EPA/TANNEN MAURY

Die Proteste in Kenosha arteten in der Nacht des 25. August aus, hier etwa wurden Autos vor einem Geschäft angezündet. Bild: keystone

Zwei Tote bei Protesten nach Polizeieinsatz gegen Schwarzen in Kenosha – Unruhen dauern an

Bei erneuten Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus in der US-Stadt Kenosha (Wisconsin) sind zwei Menschen nach Schüssen ums Leben gekommen.



Am Rande von Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt haben sich in der US-Stadt Kenosha (Wisconsin) chaotische Szenen abgespielt. Zwei Menschen kamen in der Nacht zum Mittwoch durch Schussverletzungen ums Leben, wie die Polizei am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) mitteilte.

Eine weitere Person habe ernste, aber nicht lebensgefährliche Verletzungen erlitten und sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Ermittlungen liefen, die Identität der Opfer müsse noch festgestellt werden. Weitere Informationen gab es zunächst nicht.

Seit einem Polizeieinsatz am Sonntag kommt es in der Stadt zu Unruhen. Bei dem Einsatz wurde dem 29-jährigen Afroamerikaner Jacob Blake in Kenosha in den Rücken geschossen. Der Familienvater liegt im Krankenhaus, nach Angaben seiner Familie ist er von der Hüfte abwärts gelähmt.

Auf einem Video ist zu sehen, wie der Familienvater zur Fahrertür eines Autos geht, gefolgt von zwei Polizisten mit gezückten Waffen. Eine der Waffen ist auf seinen Rücken gerichtet. Als Blake die Tür öffnet und sich ins Auto beugt, fallen Schüsse. Nach Angaben des Anwalts der Familie, Ben Crump, sassen in dem Auto Blakes Kinder im Alter von drei, fünf und acht Jahren.

In den USA sehen viele den Einsatz gegen Blake als das jüngste Beispiel für Rassismus und Polizeigewalt im Land. In Kenosha brannten nach dem Vorfall zwei Nächte in Folge Gebäude und Autos. Der Gouverneur von Wisconsin, der Demokrat Tony Evers, hatte am Dienstag nach den Ausschreitungen den Notstand ausgerufen und eine verstärkte Präsenz der Nationalgarde in der Stadt angeordnet. Trotz einer nächtlichen Ausgangssperre kam es aber auch in der Nacht zu Mittwoch zu chaotischen Szenen.

Demonstranten warfen in der Nähe eines Gerichtsgebäudes Feuerwerkskörper, Flaschen und andere Gegenstände auf Polizisten, die Tränengas und Gummigeschosse einsetzten. Viele Protestteilnehmer hätten die Gegend anschliessend verlassen, andere bewegten sich zu einer Tankstelle wenige Strassen entfernt, berichtete die «New York Times». Dort habe sich eine Gruppe bewaffneter Männer befunden, die vorgegeben habe, das Grundstück zu bewachen. Auf Twitter wurden Videos verbreitet, die Szenen des Streits zwischen Bewaffneten und Demonstranten zeigten. Kurz vor Mitternacht seien Schüsse gefallen, erklärte die Polizei.

Gouverneur Evers steht unter verstärktem Druck aus Washington, die Situation unter Kontrolle zu bringen. «Vergangene Nacht war es nicht genug», sagte der amtierende Vize-Heimatschutzminister Ken Cuccinelli dem TV-Sender Fox News am Mittwoch. «Ich stelle infrage, ob er genug unternimmt – und ausreichend schnell.»

Ungeachtet der Tatsache, dass die Nationalgarde bereits im Einsatz ist, verlangte Präsident Donald Trump, sie auf die Strassen zu bringen. «Beenden Sie das Problem schnell!», forderte er Evers in einem Tweet auf. Der Gouverneur warnte die Demonstranten, dass es eine Grenze zwischen friedlichem Protest und Ausschreitungen gebe, die Familien und Geschäfte gefährdeten.

epa08613751 Wisconsin Governor Tony Evers prepares to speak during the third day of the Democratic National Convention in the Wisconsin Center in Milwaukee, Wisconsin, USA, 19 August 2020. The Democratic National Convention is being held virtually for the first time this year, due to coronavirus concerns.  EPA/Melina Mara / POOL

Eine herausfordernde Zeit für Tony Evers, den Gouverneur von Wisconsin. Bild: keystone

Das Entsetzen über den Polizeieinsatz ist gross – mehrere prominente Politiker, darunter der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden, verurteilten die Gewalt gegen Blake. Bereits der Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis (Minnesota) Ende Mai hatte landesweite Proteste ausgelöst. Die Debatte spielt auch im US-Wahlkampf eine zentrale Rolle. Die Republikanische Partei nahm Blake in das Gebet zum Auftakt des zweiten Tags ihres Parteitags auf.

«Ich bin wütend und erschöpft»

Einige Kugeln sollen seine Wirbelsäule getroffen haben. «Es wird ein Wunder brauchen, damit er wieder laufen kann», sagte Anwalt Crump. Blake haben auch Verletzungen in der Bauch-, Nieren und Leber-Region und ihm seien grosse Teile des Dickdarms und des Dünndarms entfernt worden, sagte der Anwalt Patrick Salvi.

epaselect epa08626029 A protestor shows off a wound during a third night of unrest in the wake of the shooting of Jacob Blake by police officers, in Kenosha, Wisconsin, USA, 25 August 2020. According to media reports Jacob Blake, a black man, was shot by a Kenosha police officer or officers responding to a domestic distubance call on 23 August, setting off protests and unrest. Blake was taken by air ambulance to a Milwaukee, Wisconsin hospital and protests started after a video of the incident was posted on social media.  EPA/TANNEN MAURY

Die Wut ist gross: Eine Protestierende zeigt ihre Wunde. Bild: keystone

«Er schoss sieben Mal auf meinen Sohn. Sieben Mal!», sagte Jacob Blake Senior. «Als wäre er nichts wert. Aber er ist ein Menschen und er ist etwas wert.» Mutter Julia Jackson sagte unter Tränen, ihr Sohn wäre gegen die Gewalt, wenn er davon wüsste. «Wir brauchen Heilung.»

Harte Worte kamen von Blakes Schwester Letetra Widman: «Ich bin nicht traurig. Ich bin wütend und erschöpft. Ich habe nicht geweint. Ich habe vor Jahren aufgehört, zu weinen. Ich sehe seit Jahren, wie die Polizei Menschen, die wie ich aussehen, ermordet.» Sie wolle kein Mitleid: «Ich will Wandel.»

Blakes Mutter forderte mit ergreifenden Worten das Ende von Rassismus in den USA. «Ich wende mich an alle, egal ob weiss, schwarz, japanisch, rot, braun. Niemand ist dem anderen überlegen», sagte Julia Jackson am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Kenosha. Sie sprach sich gegen gewaltsame Proteste aus. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Popo Catepetl 27.08.2020 00:27
    Highlight Highlight Ich bin ja mal gespannt auf die Wahlen: Trumpsche Soldatenbanden, die das Gefühl haben, die Verfassung mit Waffengewalt zu schützen, damit das Prekariat nicht wählen gehen kann...
  • Pana 26.08.2020 17:54
    Highlight Highlight "Dort habe sich eine Gruppe bewaffneter Männer befunden, die vorgegeben habe, das Grundstück zu bewachen."

    Hoffe auf ein follow-up zu dieser Meldung. Bewaffnete Militia schossen auf Demonstranten. Das kann ganz übel eskalieren.
    • Varanasi 26.08.2020 18:47
      Highlight Highlight Trumps Amerika.
      War wohl ein 17 Jähriger, der extra 21 Meilen angereist kam um dann Menschen zu erschiessen.
      Benutzer Bild
    • Popo Catepetl 27.08.2020 00:23
      Highlight Highlight Warte nur auf die Wahlen...😬
  • Campino 26.08.2020 14:59
    Highlight Highlight Die USA muss das ganze doch an den Wurzeln anpacken und endlich diese Waffenlobby und das Recht auf Waffen verbieten. (Vermutlich dachten doch die Cops das er eine Waffe im Auto hat...)
    Aber solange es Präsidenten wie DT gibt, wird das bestimmt nicht passieren.
    Das ganze ist doch eine Spirale die sich immer weiter und schneller dreht.
    So wird der Rassismus, Gewalt gegen anders denkende niemals ENDEN.
    Und vielleicht sollten die Amis mal auch ihr Ausbildungskonzept zum Polizisten gründlich überdenken...
    • rodolofo 26.08.2020 16:29
      Highlight Highlight Nicht vielleicht, GANZ SICHER sollten sie das Ausbildungssystem für Polizisten überdenken!
      Und sie sollten noch viel mehr überdenken, falls sie überhaupt noch in der Lage sind, selbständig zu denken...
    • Andreas Erismann 26.08.2020 17:49
      Highlight Highlight @just saying
      Mit einem guten Anreiz (Geld oder Ausbildung) gibts einige die das nutzen würden.. Eine Waffe wäre dann Ilegal. Es gibt einige Staaten, die das bereits so umgesetzt haben.
    • du_bist_du 26.08.2020 18:25
      Highlight Highlight Naja, Waffen sind nicht schuld am Rassismus und die Vorschläge zum Reformieren der Polizei sind ja auch super. Siehe die ehemalige autonome Zone in Seattle. Hat wunderbar geklappt. Ebenso weiss keiner woher das Geld nehmen für nichtmilitärisches Material.

      Wieso sollte jemand der Am Piep der Welt, in Alaska wohnt, seine Waffe abgeben nur weil ein Teil der Amerikaner nicht zum Diskurs fähig ist? Des Weiteren haben nicht alle Staaten ein lockeres Waffengesetz.

      Vergessen Sie auch nicht, dass in Teilen der USA, Rettungskräfte Ewigkeiten brauchen bis sie am Einsatzort sind, geographisch bedingt.
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