International
Iran

Trump findet jetzt Venezuela-Szenario für Iran «perfekt»

President Donald Trump waves after arriving on Marine One on the South Lawn of White House, Sunday, March 1, 2026, in Washington. (AP Photo/JMark Schiefelbein)
Donald Trump
Donald Trump sorgt mit widersprüchlichen Aussagen zu den Zielen im Iran für Irritation. Bild: keystone

Doch kein Regime-Sturz? Trump findet jetzt Venezuela-Szenario für Iran «perfekt»

Donald Trump sorgt mit widersprüchlichen Aussagen zu den Zielen der USA im Iran für Verwirrung. Ein Interview, das er nun der «New York Times» gab, unterstreicht die zumindest vordergründige Planlosigkeit der US-Regierung.
02.03.2026, 04:5502.03.2026, 05:09

Zunächst rechtfertige er die Angriffe auf den Iran mit Verweis auf das Atom- und Raketenprogramm des Landes, dann sollte vor allem das Mullah-Regime gestürzt werden – und nun spricht Donald Trump in einem Interview mit der New York Times von einem «Venezuela-Szenario» als optimaler Lösung für die Zukunft des Iran aus US-Sicht:

«Was wir in Venezuela getan haben, ist meiner Meinung nach das perfekte, das perfekte Szenario.»
Donald Trump

Das würde mutmasslich heissen: Die Köpfe des heutigen Regimes müssen weg – viele sind tatsächlich schon tot – damit solche aus der zweiten Reihe, die bereit sind, mit den USA zusammenzuarbeiten, übernehmen können. Ob sich die Lage des iranischen Volkes dadurch spürbar verbessern würde, ist zumindest fraglich. Der Wechsel zu einem demokratischen System wäre wohl so gut wie ausgeschlossen.

Gegen so einen Wechsel sprechen weitere Aussagen Trumps im Interview. Auf die Frage, wie ein Machtwechsel im Land vonstattengehen könnte, sagte der US-Präsident, er hoffe, dass die iranischen Revolutionsgarden ihre Waffen an die iranische Bevölkerung übergeben würden.

«Sie würden sich wirklich der Bevölkerung ergeben, wenn man darüber nachdenkt.»

Für wie realistisch Trump ein solches Szenario wirklich hält, wird aus den veröffentlichten Aussagen nicht klar. Die Revolutionsgarde hatte noch um die Jahreswende mit der von ihr geschaffenen Basidsch-Miliz, eine Art Freiwilligenmiliz für Regime-Unterstützer, Tausende Menschen getötet, die auf den Strassen protestierten. Auch jetzt wurde die Miliz bereits wieder in Alarmbereitschaft versetzt, wie die NYT zuvor berichtete.

Zu seiner nun scheinbaren Wunschvorstellung eines Venezuela-Szenarios für den Iran, sagte Trump im Hinblick auf einen möglichen, US-freundlichen Führer für das Land:

«Ich habe drei sehr gute Kandidaten. Ich werde sie jetzt noch nicht nennen. Lasst uns erst einmal die Arbeit erledigen.»

Der US-Präsident erklärte aber, dass er bereit sei, Sanktionen gegen den Iran aufzuheben, wenn sich eine neue Führung als pragmatischer Partner der USA erweisen sollte.

Dann wurde Trump auch nochmals zur Möglichkeit eines Sturzes des Regimes durch die iranische Bevölkerung befragt. Er antwortete: «Das ist ihnen überlassen.» Sie (die iranische Bevölkerung, d. Red.) hätte nun für Jahre darüber gesprochen, nun habe sie offensichtlich eine Möglichkeit dazu.

Experten halten die von Trump angesprochene «Möglichkeit» für die Bevölkerung derzeit nicht für besonders vielversprechend. Einerseits hat die Bevölkerung kaum Zugang zu Waffen, andererseits wurde die Protestbewegung, die um den Jahreswechsel auf die Strassen zog, brutal von den Revolutionsgarden niedergemetzelt und damit ausgebremst.

Dass die Menschen ohne konkrete Zusicherung von Unterstützung erneut und unbewaffnet auf die Strassen gehen, scheint angesichts der Brutalität des Regimes wenig wahrscheinlich – und die jüngsten Aussagen von Trump und führenden Republikanern lassen keine Bereitschaft zu solchen Zusagen erkennen.

Festlegen wollte sich Trump in dem Kurzinterview dann aber weiterhin nicht:

«Ich möchte mich weder in die eine noch in die andere Richtung festlegen; es ist noch zu früh.»

Man habe sehr gut angefangen, aber «noch Arbeit zu erledigen». Dem Zeitplan sei man dabei weit voraus, so Trump. (con)

Die watson-Analyse zu den US-Zielen im Iran:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
25 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
SamsonP
02.03.2026 05:50registriert April 2024
Mit grosser Wahrscheinlichkeit weiss Trump selber noch nicht was er genau will. Schaut auf die Börsen-Indices und die Rohstoffpreise, da werden wohl die Antworten betreffend der Zukunft des Irans zu finden sein, denn Trump lässt sich von den Märkten und deren Reaktion stark leiten. Trump weiss, dass kein US-Präsident einem Absturz der Börsen vor den Midterms überlebt. Aktuell nehmen die Börsen die Eskalation noch relativ entspannt auf.
500
Melden
Zum Kommentar
avatar
Auster N
02.03.2026 05:59registriert Januar 2022
Das Venezuela Szenario, also das Oel nehmen und den Rest verrotten lassen. Die Midterms überlebt er nicht in gutem Zustand, das ist sicher.
4310
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gina3
02.03.2026 06:17registriert September 2023
Lügner, Habgieriger, ohne Respekt vor dem Leben anderer, zutiefst ignorant und jähzornig. Was habt ihr von Trump anderes erwartet als Chaos in allen Bereichen und Krieg, wo er sich bereichern kann?

Jetzt bezahlt der Rest von uns die Zeche, nicht Trump persönlich!

Ach ja: inkompetent habe ich noch vergessen.
Der inkompetenteste aller Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.
4211
Melden
Zum Kommentar
25
Das Grönland-Paradox: Ausgerechnet Trump hilft einer der mächtigsten Frauen Europas
Wie die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen bei den ausgerufenen Neuwahlen mit einem Spagat an der Spitze ihres Landes bleiben will.
Dänemark hat bloss 6 Millionen Einwohner, aber seine Regierungschefin wird zu den einflussreichsten Frauen überhaupt gerechnet. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» zählt Mette Frederiksen zu den 15 mächtigsten Politikerinnen der Welt und das Politikmedium «Politico» kürte sie Ende 2025 gar zur Person mit der zweitgrössten Macht in Europa.
Zur Story