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Der Iran sperrt die Strasse von Hormus – warum die Meerenge wichtig ist

FILE - Fishermen work in front of oil tankers south of the Strait of Hormuz Jan. 19, 2012, offshore the town of Ras Al Khaimah in United Arab Emirates. (AP Photo/Kamran Jebreili, File)
Oil Prices
Die Strasse von Hormus ist einer der wichtigsten maritimen Verbindungswege der Welt.Bild: keystone

Der Iran sperrt die Strasse von Hormus – warum diese Meerenge so wichtig ist

02.03.2026, 18:5402.03.2026, 18:54

Am Persischen Golf herrscht Krieg: Israel und die USA haben den Iran angegriffen und in einem beispiellosen Enthauptungsschlag den Machthaber der Islamischen Republik, Ali Chamenei, sowie zahlreiche weitere hohe Funktionäre des Mullahregimes getötet. Die iranischen Streitkräfte haben mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel und die mit den USA verbündeten arabischen Staaten reagiert.

Zudem gaben die iranischen Revolutionsgarden am Samstag bekannt, dass die Strasse von Hormus wegen der israelisch-amerikanischen Angriffe auf iranisches Territorium bis auf Weiteres für die internationale Schifffahrt gesperrt sei. Wenige Tage vor Beginn der Kampfhandlungen hatten Marineeinheiten der Revolutionsgarden die Blockade dieser strategisch und weltwirtschaftlich wichtigen Meeresstrasse noch im Manöver geprobt.

epa12750834 A handout photo made available by Iran's Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC)'s official website Sepahnews on 17 February 2026 shows IRGC conducting a military drill in the S ...
Iranische Marinemanöver im Februar 2026 in der Meerenge. Bild: keystone

Laut Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim erhielten Schiffe am Samstag wiederholt Funksprüche, in denen ihnen die Durchfahrt untersagt wurde. Die Besatzungen wurden demnach aufgefordert, die Maschinen zu stoppen und sich auf ein mögliches Entern vorzubereiten. Auch die US-Behörden riefen Handelsschiffe auf, den Golf wegen intensiver Militäraktivitäten zu meiden.

Am späten Samstagabend waren es nur noch wenige Tanker, die diesen maritimen Flaschenhals durchquerten, der normalerweise von Hunderten Schiffen täglich genutzt wird. Grund dafür war auch, dass die Versicherungen ihre Prämien für die Reedereien deutlich erhöhten oder gleich ganz kündigten, wie die Financial Times berichtete. Vollständig zum Erliegen kam der Schiffsverkehr jedoch nicht.

Bereits im vergangenen Sommer waren während des zwölftägigen israelisch-iranischen Kriegs die Charterpreise für Öltanker in der Strasse von Hormus deutlich angestiegen. Damals gab es jedoch keine nennenswerten iranischen Aktionen gegen den Schiffsverkehr in der Wasserstrasse.

Dieser Artikel ist ursprünglich am 21. Februar publiziert worden. Dies ist eine stark überarbeitete und aktualisierte Version.

Warum ist die Strasse von Hormus so wichtig, kann Teheran sie wirklich blockieren und welche Folgen hätte eine längerfristige Sperrung?

Wo liegt die Strasse von Hormus?

Die Strasse von Hormus ist eine wichtige Wasserstrasse zwischen dem Iran im Norden und Oman sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten im Süden, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet.

Strasse von Hormus
Die Strasse von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean. Bild: watson

Zwischen den Inseln Larak (Iran) und Quoin (Oman) beträgt die engste Stelle nur etwa 38 Kilometer. Durch die schmalste Stelle der Meerenge führen zwei Schifffahrtswege, die jeweils nur gerade knapp vier Kilometer breit sind.

Strasse von Hormus
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80596449
Die Strasse von Hormus liegt zwischen einer Einbuchtung der iranischen Küste im Norden und der als Exklave zu Oman gehörenden Halbinsel Musandam im Süden. Karte: Wikimedia/NordNordWest

Warum ist sie so wichtig?

Die Strasse von Hormus ist der einzige maritime Zugang zum Persischen Golf – durch diesen Flaschenhals verläuft der gesamte Schiffsverkehr von und zu den Ölhäfen des Irak, Bahrains, Kuwaits, Katars und der Vereinigten Arabischen Emirate. Auch die wichtigsten Ölhäfen Saudi-Arabiens befinden sich am Golf; das Königreich verfügt lediglich über ein paar Ausweichhäfen am Roten Meer. Sie alle und auch der Iran exportieren den Grossteil ihres Rohöls über die Meerenge – und zwar vornehmlich nach Asien.

Im vergangenen Jahr wurden laut Daten des Marktforschungsunternehmens Kpler täglich durchschnittlich rund 13 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Rohöl durch diese Hauptader der weltweiten Ölversorgung transportiert – das entspricht etwa 31 Prozent des weltweiten Seetransports von Rohöl.

Im Jahr 2023 war das Volumen noch höher, wobei in der untenstehenden Grafik nebst dem Rohöl noch weitere Erdölflüssigkeiten enthalten sind. Nur in der Strasse von Malakka lag das Volumen höher:

Auch rund ein Fünftel des weltweiten Flüssiggas-Handels wird über diese Route abgewickelt – Katar etwa exportiert nahezu sein komplettes Flüssiggas über diese Route. In umgekehrter Richtung werden Lebensmittel zur Versorgung der Golfstaaten über die Strasse importiert. Ihr kommt daher eine enorme strategische Bedeutung zu.

Kann der Iran die Strasse von Hormus überhaupt sperren?

Die Strasse von Hormus ist – in den eigentlichen Fahrrinnen – so schmal, dass sie einfach vermint werden kann. Die Räumung nach einer Verminung wäre aufwendig und langwierig. Auch eine nur partielle Unterbrechung hätte globale Auswirkungen. Der Iran verfügt über ein genügend grosses Arsenal von Seeminen, um die Strasse zumindest kurzfristig unpassierbar zu machen. Hinzu kommen kleine U-Boote und Schnellboote, sowie in Küstennähe stationierte Anti-Schiff-Raketen und Drohnen, die Tanker bedrohen könnten.

Allerdings verfügen die westlichen Flotten, vor allem die US-Marine, und zum Teil auch die Seestreitkräfte der arabischen Golfstaaten über Minenräumkapazitäten. Iranische Überwassereinheiten dürften angesichts der erdrückenden Überlegenheit der amerikanischen See- und Luftstreitkräfte in kurzer Zeit eliminiert werden. US-Präsident Donald Trump sprach bereits von der Versenkung von neun iranischen Schiffen.

Trump auf Truth Social über Versenkung von iranischen Schiffen
Bild: TruthSocial

Sollte der Iran tatsächlich versuchen, die Strasse langfristig zu blockieren, wären massive westliche Angriffe auf iranische Marineanlagen, Minenleger und Raketenstellungen zu erwarten. Die iranische Marinebasis Konarak ist bereits bombardiert worden.

Welche Folgen hätte eine Blockade?

Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent, der vor Beginn der Kampfhandlungen bei rund 72 Dollar pro Barrel lag, stieg am 2. März im frühen asiatischen Handel kurzzeitig auf 82 Dollar und pendelte sich dann bei 78 Dollar ein. Mit welchem Szenario weiterhin zu rechnen ist, liegt weitgehend im Dunklen – es kann bei einem begrenzten Schock mit einem Ölpreis um 80 Dollar bleiben oder sich zu einer anhaltenden Störung entwickeln, die den Ölpreis auf 100 Dollar steigen lässt. Bei einer anhaltenden Blockade müsste man gar von Ölpreisen von 110 bis 120 Dollar pro Barrel ausgehen.

Ölpreis der Sorte Brent vom 23. Februar bis 2. März 2026.
https://tradingeconomics.com/commodity/brent-crude-oil
Entwicklung des Ölpreises der Sorte Brent vom 23. Februar bis 2. März 2026. Grafik: Trading Economics

Höhere Ölpreise treffen vornehmlich den Transportsektor, wobei die Unternehmen die Mehrkosten früher oder später auf die Produkte umlegen. Die daraus resultierende Teuerung ist daher nicht nur beim Tanken spürbar, sondern auch beim Einkauf im Supermarkt.

Auch der Grosshandelspreis für Erdgas stieg am Montag kräftig an. Die Notierung für den richtungweisenden Terminkontrakt TTF zur Auslieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam sprang bis auf 36.2 Franken je Megawattstunde – rund 25 Prozent mehr als am Freitag. Es ist der stärkste Preissprung seit August 2023. Bis der Anstieg sich jedoch bei den Privatkunden bemerkbar macht, dauert es in der Regel noch eine Weile, da die Energieversorger an langfristige Verträge gebunden sind. Sollte der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus aber für einen Monat blockiert bleiben, könnte sich der europäische Gaspreis nach Einschätzung von Goldman Sachs mehr als verdoppeln.

Erst ein längerfristiger Ausfall der ölexportierenden Länder am Golf – falls der Krieg länger andauert und weiter eskaliert – könnte jedoch nach Einschätzung von Experten eine internationale Wirtschaftskrise auslösen. Dies ist jedoch nicht ein zwingendes Szenario, da andere Staaten wie Kanada, die USA oder Norwegen ihre Ölfördermengen erhöhen könnten. Am Sonntag beschloss etwa die OPEC+, eine Steigerung der Ölproduktion um 206'000 Barrel pro Tag anzustreben. Davon würde allerdings auch Russland, das Mitglied der Gruppe ist, profitieren.

epa12192584 A container ship sails on the Strait of Hormuz, as seen from Ras Al Khaimah, United Arab Emirates, 23 June 2025. The Strait lies between Oman and Iran and links the Gulf to the Arabian Sea ...
Nicht nur Öl wird hier transportiert: Containerschiff in der Strasse von Hormus. Bild: keystone

Schwer getroffen würden aber sicher die Öl- und Erdgasproduzenten am Golf, darunter besonders Kuwait, Bahrain und Katar, die nicht über brauchbare alternative Routen verfügen. Auch der Iran selbst, der täglich rund anderthalb Millionen Barrel Öl durch die Strasse von Hormus verschifft und die Einkünfte aus diesen Exporten unbedingt braucht, wäre betroffen. Getroffen würden aber auch die grossen Energieimporteure Asiens, vornehmlich China, Indien, Japan und Südkorea. Deutlich mehr als vier Fünftel des Öls und auch des Flüssigerdgases, die durch die Strasse von Hormus verschifft wurden, gingen 2024 dorthin.

Eine längerfristige Sperrung der Strasse von Hormus durch den Iran würde daher die Beziehungen des Mullah-Regimes mit China, das der einzige Ölabnehmer des Irans ist, schwer belasten.

Gibt es alternative Routen?

Die arabischen Golfstaaten, vor allem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, haben in den letzten Jahren nach alternativen Routen gesucht, um die Strasse von Hormus zu umgehen. So betreibt Saudi-Arabien die Ost-West-Rohölpipeline, die eine Kapazität von 5 Millionen Barrel pro Tag aufweist. Die Emirate verfügen über eine Pipeline, die ihre Ölfelder mit dem Exportterminal Fujairah am Golf von Oman verbindet.

Strait of Hormuz
https://www.eia.gov/todayinenergy/detail.php?id=65504
Karte: EIA

Die Kapazitäten dieser alternativen Routen sind allerdings nach wie vor deutlich beschränkt: Nach Schätzungen der amerikanischen Energy Information Administration (EIA) könnten im Falle einer Unterbrechung des Seewegs rund 2,6 Millionen Barrel Rohöl pro Tag zur Verfügung stehen, um die Strasse von Hormus zu umgehen.

Gab es bereits Blockaden der Strasse?

Die Drohung mit der Blockade des Schiffsverkehrs durch die Strasse von Hormus ist ein Druckmittel der iranischen Aussenpolitik. Schon während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er Jahren (dem Ersten Golfkrieg) drohte die Islamische Republik damit, den wichtigen Seeweg zu schliessen – auch wenn dies ihre eigenen Exporte getroffen hätte. Beide Seiten versuchten damals im sogenannten Tankerkrieg, die Exporte des Feindes durch Angriffe auf Tanker und Handelsschiffe zu stören. Die USA registrierten während des Krieges kuwaitische Öltanker unter ihrer Flagge. Zudem schützten sie Energietransporte durch Marineeskorten im Golf.

The Saudi Arabian supertanker ?Al-Ahood? moored in the Gulf on Sunday, May 27, 1984 its mangled super-structure burnt out after an Iraqi aircraft hit it earlier this month. (AP Photo/Fisk)
Schäden an einem saudischen Tanker nach einem irakischen Luftangriff, 1984. Bild: AP NY

Auch während des Streits um das iranische Atomprogramm im Jahr 2011 setzte Teheran die Blockade-Drohung als Druckmittel ein, und erneut im Jahr danach als Antwort auf amerikanische und europäische Sanktionen. Im Mai 2019 wurden vier Schiffe, darunter zwei saudische Tanker, vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate angegriffen – allerdings ausserhalb der Strasse von Hormus. Grossbritannien, Saudi-Arabien und Bahrain schlossen sich darauf einer US-geführten Koalition für maritime Sicherheit zum Schutz der Schifffahrtswege an.

2023 und 2024 beschlagnahmte der Iran insgesamt drei Schiffe in der Strasse von Hormus oder in der Nähe. Es handelte sich um eine Vergeltungsaktion für die Beschlagnahmung von Tankern mit iranischem Bezug durch die USA.

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