DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Nicola Spirig setzt sich im Schlussspurt hauchdünn durch.
Nicola Spirig setzt sich im Schlussspurt hauchdünn durch.Bild: EPA
Der legendäre Fotofinish

04.08.2012: Das knappste Finale in der Olympia-Geschichte im Triathlon gewinnt Nicola Spirig dank einer unglaublichen Willensleistung

4. August 2012: Nach knapp zwei Stunden gewinnt Nicola Spirig mit einem Wimpernschlag Vorsprung Olympiagold. Der verdiente Lohn für harte Arbeit. Doch die Triathletin realisiert den grössten Erfolg ihrer Karriere erst gar nicht. 
03.08.2014, 23:5204.08.2014, 13:25

Auf der Website von Nicola Spirig ist einige Monate vor ihrem grössten Triumph im Sportlerleben das Ziel klar und deutlich zu lesen: «Olympische Spiele 2012 in London». 

Triathlon
Bei der Olympischen Distanz sind es 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren sowie am Schluss noch ein 10 Kilometer-Lauf, welches es zu absolvieren gilt.

Die seit Kindesbeinen äusserst ehrgeizige Spirig, die als Tochter eines Turnlehrer-Ehepaars in der Stadt Bülach in einer sportbegeisterten Familie aufwächst, beweist spätestens mit dem Olympia-Triumph, dass sie ihre Ziele so hartnäckig verfolgt wie wohl nur wenige Menschen. 

Die Nummer 43 sollte ihr Glück bringen.
Die Nummer 43 sollte ihr Glück bringen.Bild: KEYSTONE

Das Multi-Talent

Eben dieser Ehrgeiz hat sie bis dahin auch schon weit gebracht: Vizeweltmeisterin 2010, Europameisterin 2009, 2010 und 2012 und ein 6. Rang bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking stehen bereits auf ihrer sportlichen Visitenkarte.

Nicola Spirig erhält viele Pokale: Hier wird sie bei den Sports Awards zur Newcomerin des Jahres 2001 ausgezeichnet. 
Nicola Spirig erhält viele Pokale: Hier wird sie bei den Sports Awards zur Newcomerin des Jahres 2001 ausgezeichnet. Bild: KEYSTONE

Ausserdem hat die im zürcherischen Winkel wohnhafte Frohnatur trotz grossem Trainingsaufwand nebenbei ein Jura-Studium absolviert – und mit magna cum laude abgeschlossen. Bemerkenswert ist, dass die bescheidene Spirig von Natur aus eine Zweiflerin ist, wie sie in einem Porträt der NZZ bekennt. «Wenn es zwei Grundeinstellungen gegenüber dem Leben gibt, eine positive, eine negative – dann ist meine negativ.» In ihrem Sportleralltag denkt Spirig beispielsweise häufig, dass andere Athletinnen eigentlich besser als sie sind.

«Handwerklich bin ich nicht gerade begabt.»
Nicola Spirig hat auch Schwächen.Schweizer Familie

Akribische Planung im perfekten Umfeld

Deshalb macht Spirig in der Vorbereitung umso mehr. So ist sie schon 2009 nach London gereist, um sich mit der Strecke vertraut zu machen. «Ich habe mich zu 100 Prozent vorbereitet. Meine Tage bestanden aus trainieren, essen, schlafen», wie sie in einem Interview mit der «Schweizer Familie» erklärt. Dabei konnte sie auf ein «unglaubliches Team zurückgreifen». 

Ihr Trainer Brett Sutton, der früher Profiboxer und Tiertrainer war und als harter Hund in der Triathlonszene gilt, gestaltet die Vorbereitung perfekt. Ausserdem zieht die ganze Familie, darunter auch ihr heutiger Ehemann Reto Hug, der als aktiver Profi-Triathlet selber Erfahrungen mitbringt, vorbildlich mit.

Ein sportliches Paar. Reto Hug und Nicola Spirig.
Ein sportliches Paar. Reto Hug und Nicola Spirig.Bild: KEYSTONE

Das Rennen selbst verläuft wie am Schnürchen. Im Schwimmen bleibt sie in Tuchfühlung mit den Mitfavoriten. Beim Velofahren verspürt sie zwar leichte Krampferscheinungen, hält aber die Pace unbeirrt weiter hoch. Im Laufen, ihrer Lieblingsdisziplin, bleibt die 1,66 Meter grosse Spirig stets in der Spitzengruppe präsent.

Mehr Leichtathletik

Bild: AP Pool AFP

«Ich will Gold»

Kurz vor Schluss sieht es dennoch so aus, als ob die damals 30-jährige Zürcherin mit dem zweiten Platz vorlieb nehmen müsste, als Lisa Norden 50 Meter vor dem Ziel die Führung übernimmt. Doch Spirig hat auch diese Situation einkalkuliert: «Wir haben vieles, vor allem den Sprint, tausendmal im Training geübt», meint Spirig im Siegerinterview auf SRF.

Die Gewissheit, die Schwedin Norden in den letzten drei Sprints bezwungen zu haben, verleiht ihr zusätzlich Selbstvertrauen. Spirig gibt später zu Protokoll, welches Ziel sie in der Schlussphase verfolgt hat: «Ich will Gold».

«Mit Willen kann man unglaublich viel erreichen.»
Nicola Spirigzeit.de

In einer Zentimeterentscheidung behält Spirig schliesslich gegen Norden die Oberhand, auch wenn sie ihren Oberkörper auf der Ziellinie nicht nach vorne streckt und die Schwedin so nur hauchdünn besiegt.

Das Fotofinish entscheidet zugunsten der Schweizerin.
Das Fotofinish entscheidet zugunsten der Schweizerin.Bild: OMEGA

Spirig weiss in den ersten Minuten nach dem spannenden Rennen nicht einmal, ob sie nun Siegerin ist oder nicht. Sie glaubt es zwar, ist sich aber nicht sicher. Erst als ihr ein Offizieller das erfreuliche Resultat bestätigt, steht der Olympia-Triumph fest. Im Siegerinterview auf SRF gesteht Spirig: «Das Warten war extrem hart. Ich hätte mich so oder so auf eine Medaille gefreut, aber Gold ist natürlich die Krönung.»

Der dramatische Schlusspurt zur Goldmedaille.Video: YouTube/Olympics

Und weiter: «Ich habe es noch nicht realisiert, es ist unglaublich, ich bin sprachlos», so Nicola Spirig. 

Zwei Jahre danach beschreitet die inzwischen Mutter gewordene Spirig neue Wege: Bei der Heim-EM in Zürich im Marathon (Lauf über 42,195 Kilometer) an den Start. Danach ist das nächste Ziel bereits ausgemacht. Die 32-Jährige will 2016 ihren Titel an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro verteidigen. 

No Components found for watson.srf.

Mehr Leichtathletik-Geschichten

Unvergessen
In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote - alles ist dabei. 
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Hakan Yakin nimmt den FCSG mit sechs Skorerpunkten im Alleingang auseinander
1. Dezember 2007: Nach der dreiwöchigen Nati-Pause und einem kurzfristig einberufenen Trainingscamp in Zypern steigt der Tabellenletzte FC St.Gallen guten Mutes wieder in die Meisterschaft. Doch YB und der entfesselte Hakan Yakin erweisen sich schnell als Albtraumgegner.

In der 76. Minute ereignet sich beim Spiel zwischen dem FC St.Gallen und den Berner Young Boys im altehrwürdigen Stadion Espenmoos ein Kuriosum. Als Hakan Yakin von seinem Trainer Martin Andermatt ausgewechselt wird, verabschiedet nicht nur der dichtgedrängte Gästesektor den YB-Spielmacher mit tosendem Applaus. Sondern auch das sonst so fanatische St.Galler Heimpublikum, das nicht den Ruf hat, besonders fair zu sein.

Zur Story