Eismeister Zaugg
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Langnaus' Tobias Bucher, Raphael Kuonen und Torschuetze Chris DiDomenico von links nach rechts, jubeln, waehrend dem 1. Playoff - Viertelfinal Eishockeyspiel der NLB zwischen den SCL Tigers und dem HC Thurgau, am Freitag, 21. Februar 2014, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Christopher DiDomenico befindet sich bei den Langnauern auf einem Höhenflug.  Bild: Keystone

Der Operetten-Gretzky aus Langnau

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Ein «Wundertier» kann die Hockey-Landkarte neu zeichnen

Kann dieses Langnau am Ende gar aufsteigen? Seit «Operetten-Gretzky» Christopher DiDomenico (25) das Spiel orchestriert, ist der NLA-Himmel die Limite für die Langnauer. Die Lakers sind gefährdet.



Ob die Hockey-Landkarte neu gezeichnet wird, entscheidet sich in der NLB. Nur wenn die SCL Tigers die NLB gewinnen ist der Verlierer der NLA-Playouts in Gefahr. Denn nur Langnau kann und will aufsteigen. Scheitert Langnau, dann sind die Lakers und Biel gerettet und in der Liga-Qualifikation wird nur noch Operetten-Hockey gespielt.

Die Tigers-Spieler Kevin Hecquefeuille, Raphael Kuonen, Tobias Bucher, von links nach rechts, jubeln, im ersten Playoff Halbfinal Spiel der NLB zwischen den SCL Tigers und dem HC La Chaux-de-Fonds, am Sonntag 9. Maerz 2014 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Die erste Linie von Langnau schoss beim 3:1 gegen Chaux-de-Fonds alle Tore unter der Regie von DiDomenico. Bild: Keystone

Der Weg zurück in die NLA ist für die Langnauer wie die Besteigung des Mount Everest ohne Sauerstoff. Mit dem 3:1 gegen La Chaux-de-Fonds zum NLB-Halbfinalauftakt haben sie am Sonntagabend den langen Aufstieg begonnen. Ein Sieg in der ersten Halbfinalpartie will noch nichts heissen. Olten hatte die Viertelfinals gegen die Neuenburger mit einem 7:1 eröffnet und blieb dann auf der Strecke.

Selbstsicher und gelassen

Aber in Langnau ist etwas passiert, das die Bieler und die Lakers beunruhigen sollte. Die Mannschaft hat sich verändert. Die Hektik, die in den letzten zwei Jahren so oft das Spiel prägte, ist verschwunden. Die Emmentaler spielen jetzt an einem guten Abend wie am letzten Sonntag schwedisches Hockeyschach. Sie tragen Sorge zum Puck, machen wenige Fehler und nützen gegnerische Schwächen blitzschnell aus – wie etwa beim 3:0 gegen La Chaux-de-Fonds.

Tigers Head-Coach Bengt-Ake Gustafsson, im ersten Playoff Halbfinal Spiel der NLB zwischen den SCL Tigers und dem HC La Chaux-de-Fonds, am Sonntag 9. Maerz 2014 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Gustafsson hat den Tigers gut getan. Bild: Keystone

Ein Treffer, herausgespielt mit drei Direktpässen und abgeschlossen mit einem Direktschuss von Christopher DiDomenico. Torhüter Damiano Ciaccio zappelte hilflos wie ein aufs Trockene geworfener Fisch. Eine «Standing Ovation», die höchste und vornehmste Form das Applaus, rauschte minutenlang durch den hölzernen Hockeytempel.

So selbstsicher, ruhig und gelassen waren die Langnauer Anfang März in diesem Jahrhundert noch nie. Es ist taktische Handschrift des schwedischen Trainers Bengt-Ake Gustafsson.

DiDomenico – der «Operetten-Gretzky»

Aber das ist noch nicht alles. Manchmal ändern zehn Transfers nichts. Aber hin und wieder genügt ein Transfer, um ein Team zu verändern. Genau das ist in Langnau durch den Zuzug von Christopher DiDomenico am 13. Februar passiert. Eine Verletzung hatte ihn vor vier Jahren den Einstieg in die NHL gekostet. In der italienischen Operettenliga hat er sein Selbstvertrauen wieder gefunden. Im letzten Frühjahr markierte er in 15 Playoff-Partien 42 Punkte. Sein Vertrag in Asiago ist ausgelaufen und so haben die Langnauer endlich wieder ein Hockey-Wundertier bekommen, durchaus vergleichbar mit Peter Sullivan oder Todd Elik.

Tigers' Chris DiDomenico, links, im Kampf um den Puck gegen Thurgaus Leandro Profico, rechts, waehrend dem 1. Playoff - Viertelfinal Eishockeyspiel der NLB zwischen den SCL Tigers und dem HC Thurgau, am Freitag, 21. Februar 2014, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

DiDomenico verschafft den Tigers die Klasse, die sie für den Wiederaufstieg brauchen. Bild: Keystone

Neben dem Eis wirkt Christoper DiDomenico wie Kanadier aus einem Prospekt für die Elchjagd. Er spricht so, wie es die Väter ihren Buben in Kanada beibringen: Sein spielerisches Licht stellt er unter den Scheffel des Mannschaftspiels. In fünf Sätzen sagt er siebenmal den Ausdruck «work hard» und er lobt die Fans. Aber auch mit dieser gut inszenierten Bescheidenheit kann dieser Junggeselle nicht darüber hinwegtäuschen, dass er es hockeytechnisch faustdick hinter den Ohren hat. Auch wenn er ausdrücklich betont, er sei kein «Rock'n'Roller».

Edmonton Oilers team caption Wayne Gretzky is flanked by teammates as he skates with the Stanley Cup following their 3-1 victory over the Philadelphia Flyers in the seventh game of the Stanley Cup finals in Edmonton on May, 31, 1987. From left are Kent Nilsson, Gretzky and at far right Marty McSorley. (AP Photo/Larry Macdougal)

Wayne Gretzky ist einer der grössten Eishockeyspieler aller Zeiten. Bild: AP

Es kann sein, dass Langnaus neuer Kanadier nicht schnell genug ist, um in der NLA am grossen Rad zu drehen. Es kann auch sein, dass er nicht robust genug ist, um noch drei Serien – NLB-Halbfinale, NLB-Finale und Liga-Qualifikation durchzustehen. Aber kein anderer Spieler in der Nationalliga (und gemeint ist die NLB und die NLA) hat diese Kombination aus Spielintelligenz und schnellen, feinen Händen. In der Art und Weise, wie er das Spiel an sich zieht, dann blitzschnell wieder verteilt und ausfächert und wie er Spielzüge im Voraus erahnt, erinnert er ein wenig an den grossen Wayne Gretzky.

Am Sonntag hatte er beim 3:1 gegen La Chaux- de-Fonds bei allen drei Treffern den Stock im Spiel und in vier Playoff-Partien hat er für die Langnauer bereits acht Punkte erzielt. Er hat zumindest das Talent, um die Langnauer zurück in die NLA zu bringen und die Hockey-Landkarte neu zu zeichnen. Aber vorerst haben die Emmentaler den Mount Everest NLA noch nicht einmal am Horizont gesehen. Am Sonntag war erst die verschneite Schattenfluh zu erkennen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Standpauke 20.03.2014 13:19
    Highlight Highlight Sehr geehrter Herr Zaugg, ihre hochgeliebten SCL Tigers sollen doch zuerstmal die NLB gewinnen bevor man von einem Aufstieg in die NL A träumen kann.

    Und ausserdem haben die ach so schwachen Lakers vor einem Jahr massgäblich dazu beigetragen das ihre Tigers abgestiegen sind ;-) wir haben Respekt vor einer allfälligen Liga-Quali gegen die Tigers, aber BESTIMMT keine Angst...

    MfG Standpauke
  • Clark Kent 11.03.2014 00:58
    Highlight Highlight ich glaube, der herr klaus hat ein operetten-trauma.
    • Ari Gold 11.03.2014 10:34
      Highlight Highlight Leider hat ihm niemand einen neuen Duden geschenkt :-(
  • samy4me 11.03.2014 00:11
    Highlight Highlight Alles gut und recht... Aber das Spiel von Langenthals Jeff Campbell zum Beispiel ist noch um Klassen besser... Wegen einem Spieler, der nicht mal Playoff-Topscorer ist, aus dem jammer- Langnau gleich so eine Übermannschaft zu machen ist doch sehr mutig. Wir werden sehen, sollten die Tiger den NLB-Titel holen wird's für den NLA-Gegner auf jeden Fall sehr schwer. Aber ob dass dann an DiDomenico liegt?
  • alpina.rocket 10.03.2014 20:40
    Highlight Highlight schöner Text lieber Klaus Zaugg. aber bitte schreiben sie doch mal auch etwas über die anderen Hockeyclubs. Auch ausserhalb des Kanton Berns wird Eishockey gespielt und die Playoffs stehen an. Ja ich weiss der SCb ist nicht dabei, aber ich bin mir sicher es gibt auch ohne Bern interessante Geschichten!
    • Caco 10.03.2014 23:17
      Highlight Highlight Leider haben die playoffs in der NLA noch nicht begonnen und über langenthal und olten wurden schon öfter interessante berichte von klaus zaugg verfasst.

Eismeister Zaugg

Heinz Ehlers, der letzte Marxist des Schweizer Eishockeys

Biel rauscht mit begeisterndem Tempohockey gegen die SCL Tigers in eine spektakuläre Niederlage. Hat es schon mal vor, während und nach einem Spiel der Qualifikation so viel zu reden gegeben? Nein, seit Jahren nicht mehr.

Zwei Zahlen sagen uns, dass sich ein Drama abgespielt haben muss: 36:18. Mit diesem Torschussverhältnis hat Biel gegen Langnau 2:5 verloren. Noch verrückter: Im Schlussdrittel dominiert Biel zu Land, zu Wasser und in der Luft mit 17:7 Torschüssen und verliert diesen Abschnitt 0:3.

Aber es rockt auch neben dem Eis. Vor und nach dem grossen Spiel.

Die Partie ist vorbei. Fast alle Zuschauerinnen und Zuschauer haben die Arena verlassen. Die Schiedsrichter und die Spieler sind in den Kabinengängen …

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