DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Aus dem Roten Sonnenhut wird der Wirkstoff Echinacea gewonnen.
Aus dem Roten Sonnenhut wird der Wirkstoff Echinacea gewonnen.
bild: shutterstock

Virologin über Echinaforce-Studie: «Sagt nichts über Wirksamkeit bei Menschen aus»

Hat Echinaforce wirklich das Potenzial als neues Corona-Wundermittel? Die renommierte Genfer Virologin Isabella Eckerle klärt auf.
14.09.2020, 18:2815.09.2020, 07:37

Frau Eckerle, eine neue Studie des Labor Spiez zeigt auf, dass Echinaforce unter Laborbedingungen Coronaviren abtötet. Wie schätzen Sie diese Forschungsergebnisse ein?
Grundsätzlich sagt die Studie nichts darüber aus, ob Echinaforce auch bei Menschen gegen Coronaviren wirkt. Das betont das Labor Spiez in einer Stellungnahme selbst. Die Forscher haben in einer Wirkstoffprüfung einen gewissen Effekt von Echinaforce gegen Coronaviren festgestellt – aber in einer Zellkultur im Labor. Das Ergebnis hat zwar einen gewissen Stellenwert. Eine klinische Relevanz kann man nicht ableiten. Das ist noch ein sehr, sehr langer Weg.

«Eine klinische Relevanz kann man nicht ableiten. Das ist noch ein sehr sehr langer Weg.»
Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrum für Viruserkrankungen am Universitätsspital Genf.
Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrum für Viruserkrankungen am Universitätsspital Genf.
Bild: keystone

Warum?
Dazu bräuchte es zuerst Tierversuche und dann umfassende klinische Studien bei Menschen. Auch um mögliche Nebenwirkungen zu untersuchen. Eine Frage ist etwa, ob man eine gleich hohe Konzentration von Echinaforce wie im Labor auch im Menschen überhaupt erreichen kann. Unzählige Studien zeigen im Labor einen gewissen Effekt für verschiedenste Wirkstoffe. Wenn man sie danach weiter prüft, sind sie aber in den meisten Fällen in der Praxis nicht anwendbar. Das ist in der Forschung normal. Denn eine Anwendung in der Petrischale ist sehr weit weg von dem, was in einem menschlichen Körper tatsächlich passiert.

«Eine Anwendung in der Petrischale ist sehr weit weg von dem, was in einem menschlichen Körper tatsächlich passiert.»

Sie glauben also nicht, dass sich Echinaforce zum neuen Wundermittel gegen Coronaviren mausert?
Das halte ich für unwahrscheinlich. Nur aufgrund dieser Daten wird man sicher erstmal keine klinische Studie starten. Momentan werden sehr viele Wirkstoffe gegen Coronaviren erforscht. Echinaforce müsste andere Wirkstoffe übertrumpfen.

Würde Sie trotzdem empfehlen, sich auf den Winter hin vorsorglich mit Echinaforce einzudecken?
Wie gesagt, man kann derzeit keine medizinischen Schlüsse aus der Studie ziehen. Darum ist es nicht angebracht, das Medikament auf Vorrat zu kaufen. Viel wichtiger ist es für den Winter, dass sich alle an die bewährten Schutzmassnahmen halten: Also Abstand halten, Masken tragen und Händehygiene.

Einige der Studienverfasser arbeiten selbst beim Echinaforce-Hersteller, der A. Vogel AG. Ist das problematisch?
Es ist sicher immer sauberer, wenn Studienautorinnen und Autoren unabhängig sind. Aber das Labor Spiez hat ein sehr hohes wissenschaftliches Niveau, so dass ich nicht annehme, dass die Daten bewusst wohlwollend für die Firma interpretiert wurden.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland

1 / 23
Sicheres Contact-Tracing, Made in Switzerland
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So sehen Liebeserklärungen in Zeiten von Corona aus

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Es sind die Patienten, die sterben werden, wenn wir sie nicht behandeln können wie sonst»

Der Leiter der Intensivstation in Basel sagt, was passiert, lange bevor es in Spitälern zur Triage kommt. Mehr Handlungsspielraum gibt es erneut bei den Operationen von Non-Covid-Patienten.

Die 4. Welle. Das 4. Mal Alarm aus den Spitälern. Doch diesmal ist es anders, die Frage ist: Werden geimpfte Patienten, die Verschiebung ihres Operationstermins wieder genau so akzeptieren wie im Oktober 2020 als die Situation prekär wurde – und es die Impfung noch nicht gab?

Bereits seit dem 31. August empfiehlt der Bund den Spitälern «nicht dringende Eingriffe und Behandlungen mit anschliessendem Intensivaufenthalt vorerst zurückzustellen».

Wie ernst ist die Lage? Seitens der Intensivstationen …

Artikel lesen
Link zum Artikel