Basel
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«Bereue es jeden Tag»: 76-Jährige gesteht Tötung des siebenjährigen Ilias



Der Mord am siebenj

Bild: sda

In Basel hat am Montag der Prozess gegen eine 76-jährige Seniorin begonnen, die im März 2019 einen siebenjährigen Schüler getötet hat. Die Angeklagte gab zu, die Tat im Affekt begangen zu haben.

Sie bereue die Tat jeden Tag, sagte die 76-jährige vor dem Basler Strafgericht. Nie habe sie gedacht, dass sie dazu fähig wäre. «Es tut mir leid für die Familie. Ich würde alles geben, wenn ich die Tat rückgängig machen könnte.»

Die Seniorin, die seit Jahrzehnten mit den Behörden im Streit war und ihr Eigentum zurückverlangt hatte, begründete die Tötung des Schülers mit ihrer Verzweiflung: «Ich war verzweifelt, weil ich am Abgrund stand.» Gemäss eigenen Angaben war sie kurz vor der Tötung davor, obdachlos zu werden.

Von dem Moment an, als sie die Tat begangen habe, habe sie gewusst, dass es falsch gewesen sei. «Ich habe gewusst, dass ich die Verantwortung dafür übernehmen muss», sagte sie.

Im Gerichtssaal waren auch die Eltern des getöteten Schülers anwesend, die den Prozess unter Tränen mitverfolgten.

Die Angeklagte erzählte ausführlich und detailliert über ihre seit Jahrzehnten andauernden Streitigkeiten mit den Behörden. «Man hätte endlich aufhören sollen, uns zu plagen und mit uns zusammensitzen sollen.» Sie habe sich um eine Lösung mit den Behörden bemüht. Über die Tötung des Buben sprach die Seniorin meistens nur, wenn sie vom Gericht explizit dazu aufgefordert wurde.

Wie «Freiwild» behandelt

Auf die Frage der Gerichtspräsidentin, weshalb ein Kind sterben musste, antwortete die Seniorin: «Das kann ich Ihnen nicht sagen». Sie habe im Affekt gehandelt. Die Behörden hätten sie so weit getrieben und wie «Freiwild behandelt». Niemand habe mit ihr zusammensitzen und das Problem lösen wollen. Sie habe keine Ansprechperson bei den Ämtern gehabt. «Es ist einfach plötzlich so passiert.»

Auslöser für ihren Kampf gegen die Behörden seien zivilrechtliche Streitigkeiten ihres 1999 verstorbenen Lebenspartners gewesen, in welche sie involviert gewesen war - und insbesondere der Umstand, dass die gemeinsame Wohnung des Paares in Allschwil BL 1992 zwangsgeräumt worden war. Die beiden wurden vorübergehend obdachlos, ihr Eigentum wurde eingelagert und 1995 liquidiert.

«Seit 1992 habe ich nichts zurückbekommen - keine Entschädigung und keine Entschuldigung. Das hat mich zur Verzweiflung getrieben.» Man habe sie und ihren Lebenspartner wie «Freiwild» behandelt. Gemäss früheren Aussagen, welche die 76-Jährige gegenüber ihrem Gutachter gemacht hat, verlangte sie 1 Million Franken.

Angeklagte ist vorbestraft

Die Angeklagte hatte in der Vergangenheit bereits andere Delikte begangen, wie sich vor Gericht herausstellte. So wurde sie vor Jahrzehnten wegen eines kleineren Diebstahls und wegen Veruntreuung von 80'000 Franken verurteilt - ihre Mutter hatte sie vor Zivilgericht gezogen. Das Geld habe sie inzwischen ausgegeben, sagte die Seniorin, die bis 2018 in einer Wohnung in Basel lebte und danach im Hotel.

Die Angeklagte leide gemäss Gutachten an einer chronifizierten, schwerwiegend wahnhaften Störung, namentlich einem Querulantenwahn, heisst es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Über 42 Jahre lang habe die Beschuldigte wahnhafte Briefe an verschiedene Behörden geschrieben. Dabei hätten die Schreiben über die Jahre an Frequenz und Intensität zugenommen. Ab 2002 sei in den Briefen der Frau häufig von Mord die Rede gewesen.

Gemäss Gutachten hat die Seniorin im Wahn gehandelt. Vor Gericht bestritt die 76-Jährige aber, die Tat im Wahn ausgeübt zu haben - überhaupt an einem Querulentanwahn zu leiden. Dies, obwohl dieser bereits zum vierten Mal bei ihr - das letzte Mal nach der Tat - diagnostiziert worden war.

«Ich habe keinen Wahn. Es ist ein Unterschied, ob man sich etwas einbildet oder ob man verzweifelt ist», sagte sie. Sie sei in all den Jahren zuvor keine gewalttätige Person gewesen.

Eine Behandlung mit Medikamenten lehnt die Angeklagte ab. «Das hier ist mein Körper.» Auf den Einwand der Richterin, dass auch der getötete Bub nicht über seinen Körper bestimmen konnte, entschuldigte sich die 76-Jährige nochmals für die Tat: «Was ich gemacht habe, ist falsch; darüber müssen wir nicht diskutieren.»

Auf die Frage, weshalb sie ein Küchenmesser in der Tasche gehabt habe, wenn sie im Affekt gehandelt habe, antwortete sie: «Ich hatte immer ein Messer dabei, da ich oft draussen gegessen habe.»

Opfer einer «Justizkorruptionsaffäre»

Am ersten Prozesstag wurde auch der Gutachter der 76-Jährigen befragt. Gemäss seinen Aussagen ist die Angeklagte für Argumente nicht zugänglich. Seit mindestens 1986 sei sie der Auffassung, Opfer einer «Justizkorruptionsaffäre» zu sein. Sie habe aufgrund ihrer Wahnsymptomen Schwierigkeiten, Vorgänge sachgerecht einzuordnen oder sich längere Zeit auf die Perspektive der Gegenseite einzulassen, sagte der Gutachter.

1982 seien seitens Behörden offenbar Äusserungen gemacht worden, dass nur Massnahmen ergriffen würden, wenn jemand tot sei. Diese Äusserungen hätten über all die Jahre hinweg grosse Bedeutung für die Angeklagte behalten, sagte der Gutachter. (aeg/sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ichweissmeinennamennichtmehr 10.08.2020 19:38
    Highlight Highlight Sie sieht nur sich und niemand anderes, und das Opfer ist immer noch Sie selbst.
    Die Reue nehm ich ihr nicht ab, sie hat nicht im Affekt gehandelt.
    Im Gefängnis hat Sie die harte Realität gespürt, deshalb diese Theater von wegen Reue.
  • Octavius 10.08.2020 19:18
    Highlight Highlight Der Mord, absolutes no go.
    Wenn man Paranoia hat,heisst das noch lange nicht das man nicht verfolgt wird. Um wirklich ,sich über diese Frau ein Urteil zu bilden,sind mir die Fakten zu wage. Jeder behauptet die Frau sei krank, niemand unternimmt etwas gegen Morddrohungen,niemand hat jemals sich Zeit genommen mit ihr zu reden, aber jeder behauptet sie sei krank. Für mich ,hört sich das von den Behörden ziemlich arrogant an.wie gesagt wir wissen nicht alles.
  • Jacob Crossfield 10.08.2020 18:52
    Highlight Highlight Auf irgendeine Behörde sauer sein, da mag es etliche Beispiele geben, und ein unschuldiges Kind zu ermorden, sind zwei Paar Schuhe. Für das eine gibt es eine Erklärung, für das andere nicht. Insofern ist die Dame eine Gefährdung des höchsten Rechtsgutes, das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Sie gehört verwahrt auf unbestimmte Zeit, mit regelmäßiger psychiatrischer Neubeurteilung. So geht Rechtsstaat.
  • CalibriLight 10.08.2020 18:12
    Highlight Highlight Noch ein anderes Beispiel von mir:
    Auch an einem früheren Arbeitsort von mir (habe halt schon einiges gemacht in meinem Arbeitsleben) hatten wir zweimal "Besuch" von Neonazis, die hereinkamen und brüllten, dass sie alle Juden und uns eines Tages totschlagen würden.
    Natürlich wäre ich da - falls die Personen bekannt wären - sofort für eine Zwangseinweisung, aber leider geht das aufgrund von Drohungen nicht.
    Ich glaube auch nicht, dass die Jungs freiwillig psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen hätten, obwohl sie dringend nötig wäre.


  • maatze 10.08.2020 17:10
    Highlight Highlight Sie hat doch den Mord begangen, um eine nationale Bühne erhalten, um auf die, Zitat, "Justizkorruptionsaffäre" aufmerksam zu machen.

    Und das Gericht gibt ihr diese auch noch und lässt sie ihr Pamphlet verlesen.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 10.08.2020 16:33
    Highlight Highlight Diese Schweizerin gehört für immer weg gesperrt. Und das Geld, das in dieser Familie ist, sollte für die Opferfamilie da sein. Dass man diese Frau jahrelang in ihrem Wahn gewähren liess, bis es zu dieser Tat kam, da haben einige daran mitgewirkt: wegschauen, nichts sagen, nichts unternehmen. Man hat "nichts" gemacht und dann kam diese Tat. Schuld sind auch alle die, die diese wahnsinnige Frau nicht vorher in eine Psychiatrie zwangseingewiesen haben. Bei diesem Fall bin ich vielleicht zu emotional, aber wie kann man ein unschuldiges kleines Kind aus Rache an die Gehörenden umbringen. Krank.
    • thelastpanda 11.08.2020 06:44
      Highlight Highlight Wer sagt, dass sie nie in eine Psychiatrie eingewiesen wurde? Kann ich mir fast nicht vorstellen, bei dieser Vorgeschichte. Aber weisst du, was das Problem ist bei der Zwangseinweisung? Man kann sie nicht auf immer aufrecht erhalten. Meist werden die Patienten entlassen, sobald die Medikamente richtig eingestellt sind und ihre Wirkung zeigen. Sobald sie Zuhause ist, kann es aber sein, dass sie die nicht mehr nimmt, und alles beginnt von vorne. Zwangsmedikation ist in der Schweiz nicht erlaubt, und das ist grundsätzlich auch gut so. Wir wollen ja nicht Zustände wie im letzten Jahrhundert.
  • nadasagenwirjetzteinfachmal 10.08.2020 15:21
    Highlight Highlight Sie sagt, ja sorry und meint hei alle andern sind schuld.
    Das hat wenig mit Reue zu tun.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 10.08.2020 17:23
      Highlight Highlight Jemand, der Reue empfinden würde, würde auch keine solche kranke Tat begehen. Es ist ein Witz, über Reue zu diskutieren.
    • öpfeli 10.08.2020 17:31
      Highlight Highlight @Stefan
      Fehler kann man machen und dann bereuen. Fast jeder Mensch kann lernen, reifer werden, andere Blickwinkel einehmen,.. und somit Reue verspüren. Fehler machen und Reue schliessen sich nicht per se aus.

      Dies ganz alg. gemeint und nicht auf die Täterin hier bezogen.
  • Jasper Hundini 10.08.2020 14:34
    Highlight Highlight Seit dem Attentat von Zug hätten die Ämter sensibilisiert sein sollen.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 10.08.2020 15:24
      Highlight Highlight Und alle Querulanten einsperren oder wie stellst du dir die Sensibilisierung vor?
    • Jasper Hundini 11.08.2020 07:31
      Highlight Highlight Ich stelle mir Sensibilisierung so vor, dass man entsprechende Fälle ernst nimmt und ausreichend abklärt.
      Ist das aus deiner Sicht, @nadas..., ImZusammenhang mit einer Morddrohung zuviel verlangt?
    • Der P 11.08.2020 07:49
      Highlight Highlight @nadasagenwirjetzteinfachmal
      Menschen, die Morddrohungen aussprechen, erachte ich nicht als Querulanten, sondern als Straftäter. Sie hat gegenüber der Behörden solche Drohungen ausgesprochen... Da müsste 5min später die Polizei vor der Türe stehen und sie in eine entsprechende Einrichtung zwangseinweisen... Die KESB hätte entspreche Mittel, solche Massnahmen zu verfügen.
  • Autokorrektur 10.08.2020 13:43
    Highlight Highlight "Im Affekt"?! Bitte? Sie hat drei Tage vorher angefangen, die SMS zu schreiben! Wo ist da der Affekt?!? 😡😡😡😡
  • Baccaralette 10.08.2020 13:12
    Highlight Highlight Sie bereut es jeden Tag - dass ein Junge hat sterben müssen, weil niemand mit ihr halt zusammensitzen wollen.

    DAS bereut sie. Nicht, dass sie die Tat begangen hat. Sie schiebt die Schuld ab, weil SIE ja nur tat, was getan werden musste.

    Ich hoffe, sie bekommt eine gerechte Strafe.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 10.08.2020 15:25
      Highlight Highlight Eine gerechte Strafe für diese Tat wird und kann es nicht geben.
    • ernst.haft 10.08.2020 18:18
      Highlight Highlight Es gibt keine gerechten Strafen. Niemals, und für eine Tötung ganz sicher nicht.
  • «Shippi» 10.08.2020 13:10
    Highlight Highlight «Tötung»?
    Das war ganz klar Mord.
  • Knacker 10.08.2020 12:33
    Highlight Highlight Es wäre gut wenn jede Behörde psychologisch geschulte Ombudsverantwortliche hätte, bei denen Querulanten oder andere frustrierte Motzer Dampf ablassen können. So verringert sich das Risiko dass die ihren Frust immer weiter steigern und irgendwann gewaltsam entladen.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 10.08.2020 15:26
      Highlight Highlight Die Frau wurde immer wieder durch eben solche professionelle Helfer in der Klinik unterstützt.
      Da gibt es kein Abschieben der Verantwortung.
  • Altweibersommer 10.08.2020 12:24
    Highlight Highlight Interessant, dass plötzlich niemand mehr über die Herkunft und Religion dieser Frau sprechen möchte. Fast als hätten diese Merkmale nichts mit der Tat zu tun.
    • Saraina 10.08.2020 12:39
      Highlight Highlight Schweizerin und protestantisch? Was hat das jetzt mit Querulantenwahn und Mord zu tun?
    • Froggr 10.08.2020 12:48
      Highlight Highlight Es ist ja nicht so dass alte, weisse, protestantische Frauen vermehrt zu Gewaltaktionen tendieren. Deshalb ist es auch nicht nötig die Herkunft anzugeben. Wenn jedoch eine gewisse Gruppe immer wieder zu Gewalt greift, dann wäre es interessant zu wissen was das denn für eine Gruppe ist.
    • AdiB 10.08.2020 12:59
      Highlight Highlight @saraina, ich denke/hoffe er meint es ironiesch. Da ja sonst auch immer auf herkunft und glaube gepocht wird von gewiessen exponenten. Jetzt spielt es ja scheinbar keine rolle bei diesen leuten.
    Weitere Antworten anzeigen
  • tinu77 10.08.2020 12:10
    Highlight Highlight Zwangseinweisung in eine Psychiatrische Heilanstalt wäre vielleicht noch was gewesen wenn jemand 42 Jahre lang Drohbriefe schreibt...
    • Theor 10.08.2020 13:01
      Highlight Highlight Aufgrund welcher Gesetzesbestimmung?
    • iudex 10.08.2020 13:59
      Highlight Highlight @Theor: wie wäre es mit dem ZGB?
    • Wolk 10.08.2020 14:38
      Highlight Highlight Wegen Fremdgefährdung.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Blues 10.08.2020 12:09
    Highlight Highlight Nein, so billig darf sich diese Frau nicht herausreden. Fast Jeder hatte mal ein mehr oder weniger grosses Problem mit dem Staat/Behörden. Wohl die Allerwenigsten bekommen einen so grossen Hass oder Groll, dass sie sich deswegen zu einer "Tat" hinreissen lassen. Aber das deswegen ein völlig unschuldiges Kind sein Leben lassen musste ist absoluter Irrsinn. Ich hoffe, dass diese Frau nie, niemehr in Freiheit anzutreffen ist!
  • insert_brain_here 10.08.2020 11:27
    Highlight Highlight Gehe ich richtig in der Annahme, dass niemand für die Tatsache zur Rechenschaft gezogen wird, dass die wiederholten Gewaltdrohungen dieser Frau ignoriert wurden bis ein unschuldiger Knabe sterben musste?
    Wollte wohl niemand die Kosten für eine psychiatrische Unterbringung im Budget haben...
    • Saraina 10.08.2020 14:25
      Highlight Highlight Mach dich mal darüber schlau, was es braucht, um jemanden gegen seinen Willen In die Psychiatrie einzuweisen, und auch dort zu behalten! Mit Kosten hat das gar nichts zu tun.
  • Emil Eugster 10.08.2020 11:15
    Highlight Highlight "«Man hätte endlich aufhören sollen, uns zu plagen und mit uns zusammensitzen sollen.»"
    Sie sieht sich selbst immer noch als Opfer und die gespielte Reue ist nichts als Anwaltsstrategie. Alles was bisher öffentlich bekannt ist widerspricht ihrer Darstellung vor Gericht diametral.
  • CalibriLight 10.08.2020 11:14
    Highlight Highlight An einem früheren Arbeitsort von mir mit Publikumsverkehr hatten wir eine Dame mittleren Alters, die anderen Besuchern - die sie damit belästigte und bedrohte - und uns unterstellte, wir würden sie überwachen, heimlich fotografieren und verfolgen. Das ausgesprochene Verbot, sich weiter bei uns aufzuhalten, konnte nur mit Hilfe der Polizei durchgesetzt werden. Den Behörden war sie bekannt.
    Was soll man da tun? Sie präventiv einsperren? Das geht nicht. Sie war klar krank.
    Seit dem Mord in Basel kommt mir das und die Machtlosigkeit in einer solchen Situation oft in den Sinn.
  • ingmarbergman 10.08.2020 11:00
    Highlight Highlight Querulanten gehören bei der ersten Drohung verwarnt und bei der zweiten verfahrt.
    • ast1 10.08.2020 12:04
      Highlight Highlight Oder, anstatt Menschen direkt zu schubladisieren, abzustempeln und für eine mentale Krankheit abzustrafen, geht man psychiatrisch auf deren Probleme ein und versucht, ihnen zu helfen?
    • JonathanFrakes 10.08.2020 12:23
      Highlight Highlight Da haben Sie sich in der Wortwahl etwas verfahren.
    • thelastpanda 10.08.2020 12:44
      Highlight Highlight So sehr ich auch gegen Querulanten und ihr Verhalten bin, aber wollen wir wirklich wieder zurück ins letzte Jahrhundert, wo offensichtlich psychisch kranke Menschen weggesperrt wurden, anstatt dass man ihnen geholfen hätte? Wäre ja schliesslich auch günstiger, da brauchst du nur eine Zelle und einen Wärter.
      Aber wo die Grenze ziehen? So wären wir alle komplett der Willkür der Behörden ausgeliefert. Zweimal gegen deinen Nachbarn den Gemeindepräsidenten eine Einsprache in einem Bauverfahren erhoben, und du bist für den Rest deines Lebens weggesperrt?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Garp 10.08.2020 10:56
    Highlight Highlight Hm, da haben die Behörden aber auch geschlampt. Es wäre vielleicht wichtig gewesen, einmal einen Notfallpsychiater einzuschalten, da sie ja öfters mit Gewalt gedroht hat. Man nahm die Drohungen einer so alten Person und dann noch Frau, wohl nicht ernst. Frauen neigen ja etwas weniger zu Gewalt und alte Menschen werden öfters als schwach eingestuft.

    Es tut mir unendlich leid für die Eltern.
    • CalibriLight 10.08.2020 11:30
      Highlight Highlight Nach meiner Erfahrung sehen sich solche Menschen als gesund an und würden nicht mit einem Psychiater zusammenarbeiten. Da müsste man sie ja entmündigen und das ist ein extrem schwieriger Prozess für alle Beteiligten.
    • Turi 10.08.2020 12:02
      Highlight Highlight @garp, einerseits forderst du die einschaltung von fachleuten weil sie ja offensichtlich gewaltabsichten geäussert hast und dann am schluss deines posts propagierst du dass alte und frauen weniger gewalttätig seien?

      gerade so klischees wie du sie propagierst verhindern dass man das gewaltpotenzial solcher täterinnen ernst nimmt.
    • thelastpanda 10.08.2020 12:41
      Highlight Highlight Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass sie in den 42 Jahren nie psychiatrisch abgeklärt wurde. Aber was will man mit so einem Fall machen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie ihre Krankheit einsieht und somit Therapiefähig wäre. Jemanden präventiv einsperren, der seinen Worten noch nie Taten hat folgen lassen, geht auch schlecht. Da sind die Hürden (zurecht) hoch angesetzt, um Fälle wie im letzten Jahrhundert mit den Verdingkindern usw. zu verhindern. Sprich die Person wird vlt mal via FFE in eine Klinik eingewiesen und sobald die Medikamente eingestellt sind, muss sie entlassen werden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Jessesgott! 10.08.2020 10:52
    Highlight Highlight Unsere Gesellschaft sollte endlich psychiche Erkrankungen ernst nehmen und umgehend Menschen unterstützen, die entsprechende Anzeichen zeigen. Eine solche Tat hat meistens eine jahrelange Vorgeschichte. Anzeichen, dass sich eine Tat anbahnen könnte, gibt es im Vorfeld meistens viele. Doch niemand fühlt sich dafür zuständig. Niemand handelt. Es braucht in unserem Land unbedingt Aufklärung über psychische Leiden und einen offenen Umgang damit. So könnten solch schreckliche und sinnlose Taten reduziert werden.
    • Dr no 10.08.2020 11:57
      Highlight Highlight wie genau hilft "offener Umgang", was meinst du damit ?
    • MeinSenfHierUndJetzt 10.08.2020 14:42
      Highlight Highlight @ Jessesgott! Ich weiss nicht, ob sich niemand zuständig fühlt oder ob vielmehr niemand weiss, was man da tun kann...
      Wenn jemand wie diese Frau sich nicht krank fühlt, wenn zu einer Gewaltandrohung vielleicht doch wieder sagt "sie habe das so nicht gemeint" dann kann man einfach fast nichts machen... Man kann ja auch nicht jeden lebenslänglich einsperren, der ein paar Mal über Gewalt spricht (resp. sehr unspezifisch Gewalt androht), dem aber nie Taten folgen lässt.
  • Lilamanta 10.08.2020 10:36
    Highlight Highlight Ich verstehe die Verzweiflung der Frau.

    In meinem Arbeitsalltag sehe ich viel zu oft, dass Behörden nicht mit von ihrer Arbeit betroffenen Personen sprechen, ihnen nicht zuhören oder Entscheide nicht so erklären, dass Normalbürger diese verstehen.

    Querulantentum entsteht m.E. oft aus purer Hilflosigkeit. Ich staune immer wieder, dass nicht mehr Personen ausrasten.

    Das ist übrigens kein Grund, die Tat zu entschuldigen.
    • Wiedergabe 10.08.2020 10:42
      Highlight Highlight 42 Jahre lang hilflos?
    • Kanuli 10.08.2020 10:45
      Highlight Highlight Daher gilt sie als Schuldunfähig? Das geht einem an die Nieren. Wer fähig ist einen Mord zu planen und durchzuführen, sollte auch schuldfähig sein. Sie bereut die Tat (teilweise), und ist sich dessen Ausmass bewusst. Ihre psychische Verfassung sollte doch keine Schuldunfähigkeit gewährleisten, wenn sie im Grunde doch versteht, dass es falsch ist was sie tut?
    • Wiedergabe 10.08.2020 11:02
      Highlight Highlight Wenn jemand sein halbes Leben lang (42 von 76 Jahren) damit verbringt, sämtlichen Ämtern, Gerichten und Instanzen immer wirrere Briefe zu schreiben, und am Ende noch ein unschuldiges Kind umbringt, glaube ich auch, dass diese Person unzurechnungsfähig ist, oder anders gesagt die Kontrolle über seine eigene Vernunft verloren hat. Auch wenn die Frau jetzt die Tragweite ihrer Tat versteht.
      Und eine Kritik an den Behörden finde ich in diesem speziellen Fall sehr fragwürdig und heikel.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Der Buchstabe I 10.08.2020 10:31
    Highlight Highlight Wer eine solche Tat akribisch plant, danach nie Kontakt mit den Eltern sucht und nie Reue zeigt, bis es dann plötzlich vor Gericht ans Eingemachte geht, dem nehme ich die Mitleidstour einfach nicht ab.

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