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Geht es nach Voi, sollen die orangen Scooter schon bald durch neun Schweizer Städte rollen.
Geht es nach Voi, sollen die orangen Scooter schon bald durch neun Schweizer Städte rollen.bild: zvg/instagram voi

E-Trotti-Verleiher Voi will Bern, Luzern und Winti aufmischen – doch es gibt einen Haken

Nach Zürich und Basel schwappt die E-Scooter-Welle in zahlreiche weitere Schweizer Städte über. Doch die Behörden bremsen die Expansion.
24.04.2019, 11:0024.04.2019, 14:11

In den Zentren von Zürich und Basel stehen sie mittlerweile fast an jeder Ecke. Die Leih-E-Scooter der Start-Ups mit den knalligen Namen wie Flash, Bird oder Tier.

Bald könnten die E-Trottis in vielen weiteren Schweizer Orten zum Stadtbild gehören. Wie watson-Recherchen zeigen, sucht das schwedische E-Scooter-Start-Up Voi per Stelleninserat Mitarbeiter für folgende Schweizer Städte:

  • Bern
  • Winterthur
  • Luzern
  • St. Gallen
  • Lugano
  • Zürich
  • Basel
  • Lausanne
  • Genf

Wann genau die E-Scooter in den entsprechenden Orten verfügbar sein werden, kann Claus Unterkircher, Schweiz-Verantwortlicher von Voi, noch nicht sagen. «Wir sprechen uns immer zuerst mit den Städten ab, statt einfach loszulegen.» Am weitesten fortgeschritten scheinen die Pläne in Genf. Dort sucht Voi bereits Wartungsspezialisten für die kleinen Flitzer.

Bislang sind Leih-Trottis in der Schweiz nur in Basel und Zürich verfügbar. Voi will nun als sogenannter «First Mover» den Markteintritt an den anderen Orten forcieren. Denn bei den E-Scooter-Firmen tobt ein knallharter Verdrängungskampf. Auch Flash hat angekündigt, bald in weitere Schweizer Städte zu expandieren.

Bern bremst Trotti-Anbieter aus

Ganz so einfach ist dies aber nicht. Der Berner Verkehrsplaner Karl Vogel bestätigt zwar auf watson-Anfrage, dass die Stadt von mehreren E-Scooter-Anbietern kontaktiert worden sei. Der Knackpunkt: Im Gegensatz zu Zürich oder Basel braucht es für die Nutzung des öffentlichen Raumes in Bern eine Bewilligung. Das entsprechende Bewilligungsverfahren für E-Scooter werde derzeit ausgearbeitet. Dieses soll sicher bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. «Für diesen Sommer reicht es nicht. Die E-Trotti-Anbieter müssen sich bis 2020 gedulden», sagt Vogel. Bern hat sich als selbsternannte Velo-Hauptstadt die Förderung des Fahrradverkehrs auf die Fahne geschrieben. Passen die E-Scooter überhaupt in diese Strategie? «Wir wollen sicher nicht verhindern, dass E-Trotti-Anbieter zu uns kommen», so Vogel. Voi muss sich also zumindest in der Bundesstadt gedulden.

Zürich versucht derweil den Wildwuchs der Free-Floating-Anbieter einzudämmen. Pro Gefährt verlangen die Behörden von den Firmen eine saftige Gebühr von zehn Franken pro Monat. Davon lässt sich Voi nicht abschrecken. Man stehe hinter der Gebührenregelung, da diese Rechtssicherheit schaffe. «Wir wollen in der Schweiz die Nummer 1 werden», sagt Unterkircher.

Zieht sich Lime nach Brems-Fail aus der Schweiz zurück?
Arg in der Defensive ist hingegen der E-Trotti-Verleiher Lime, der einst als Branchenerster in die Schweiz expandiert ist. Nach einer von watson aufgedeckten Unfallserie holte das Unternehmen Anfang Januar alle 500 E-Scooter von der Strasse. Inzwischen sind auch die grünen Velos eingezogen worden. Verschwindet Lime nun ganz aus der Schweiz? Man prüfe derzeit, wie man sich für «dieses Frühjahr positionieren werde», lässt ein Sprecher verlauten. Man sei aber zuversichtlich, schon bald wieder in Zürich unterwegs zu sein.

Das steckt hinter dem E-Trotti-Boom

Der Wettbewerb tobt weltweit um die Marktführerschaft: Amerikanische E-Scooter-Start-Ups wie Lime und Bird haben schon Hunderte Millionen Dollar von Investorengeldern eingesammelt und sind bereits Milliarden wert. Die Sharing-Giganten sind in Hunderten Städten rund um den Globus präsent. Jetzt nimmt der Hype auch in der europäischen Start-Up-Szene rasant Fahrt auf. So hat Flash erst kürzlich nicht weniger als 20'000 E-Scooter in China bestellt.

Auch die Kriegskasse von Voi ist prall gefüllt. Laut eigenen Angaben verfügt Voi gegen 90 Millionen Dollar allein für die Expansion in Europa. Heute ist das Start-Up in 17 Städten in acht europäischen Ländern aktiv.

Die Investoren hoffen, mit der neuen Mobilitätsform in Zukunft das grosse Geld zu machen. Denn die Nutzer fahren auf die flinken Roller ab. Lime verzeichnete seit Beginn über sechs Millionen Fahrten mit ihren E-Scootern. Laut einer Studie ersetzt jeder dritte Scooter-Trip eine Autofahrt. Die Unternehmer erhoffen sich darum nichts weniger, als den innerstädtischen Verkehr weltweit zu revolutionieren. Und zwar schon bald.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Matrixx
24.04.2019 12:19registriert März 2015
Wo kann man eigentlich die Typengenehmigung dieser Scooter einsehen?

Mietscooter sind erlaubt, aber alle anderen motorisierten Fahrzeuge ausser Fahrrad, Motorrad und Autos sind verboten?
Kann mich jemand aufklären, warum ih mit dem Ding rumfahren darf, nicht aber mit meinem eigenen e-Fahrzeug?
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Tomtom64
24.04.2019 11:32registriert Januar 2014
Ist Laufen, Velo- oder OeV-Fahren wirklich so schädlich und anstrengend, dass wir jetzt noch E-Scooters auf den jetzt schon übernutzten Trottoirs und Strassen brauchen?
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Musta Makkara
24.04.2019 11:50registriert Juni 2018
Das Argument mit der gesparten Autofahrt scheint mir ein Hütchentrick, um diese Materialschlacht (wie lang war nochmals die erwartete Lebensdauer eines E-Trottinetts?) zu kaschieren. Denn soweit ich es verstehe zielt dieses Angebot im Vergleich z.B. zu den E-Bikes auf jüngere Spontankundschaft ab, bei der die Option wohl tatsächlich eher Pedes, Velo oder ÖV (allenfalls Taxi/Uber) wäre. Gibt es dazu Daten?
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