Schweiz
Tier

Neue Initiative verlangt besseren Schutz für bestäubende Insekten

Wildbienen
Eine Wildbiene macht sich über den Nektar einer Blüte her.Bild: Wildbiene + Partner

Neue Initiative verlangt besseren Schutz für bestäubende Insekten

19.05.2026, 09:2619.05.2026, 12:10

Der Schutz von Bienen und anderen bestäubenden Insekten soll in der Verfassung verankert werden. Vom Insektensterben seien alle betroffen, und deshalb brauche es gemeinsame Anstrengungen für den Schutz der Bestäuber, argumentiert das Komitee hinter der Bienen-Initiative.

Der Text der Volksinitiative «Für die Sicherung der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen durch Insekten (Bienen-Initiative)» wurde am Dienstag im Bundesblatt veröffentlicht. Bis 19. November 2027 müssen die für ein Zustandekommen nötigen 100'000 gültigen Unterschriften beisammen sein.

«Politik tut zu wenig»

«Dank Bienen und Bestäuber-Insekten vermehren sich viele Pflanzen», sagte Claudia Eyer, Vizepräsidentin von Bienen Schweiz, in Bern vor den Medien. «Davon profitieren Menschen und Tiere, die auf diese Pflanzen angewiesen sind.» Und für Vögel, Fische, Frösche und Säugetiere seien Insekten eine unverzichtbare Nahrungsquelle.

Allein für die Schweizer Landwirtschaft werde der Wert der Bestäubung auf bis zu 480 Millionen Franken im Jahr geschätzt, schreibt das Komitee. Doch fast die Hälfte aller 600 Schweizer Wildbienenarten sind laut dem Initiativkomitee gefährdet. 59 Arten gelten als ausgestorben.

«Die Politik tut zu wenig, um das Sterben aufzuhalten», sagte Eyer. Die Initiantinnen und Initianten wollen nun Druck aufsetzen. Seit 2012 seien zwei Bienen-Petitionen in Bern eingereicht worden, sagte die Genfer Grünen-Nationalrätin Delphine Klopfenstein Broggini, Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Bienen.

Invasive Schädlinge bereiten Sorgen

Und das Parlament habe von 2013 bis 2024 fünf Motionen für den Bestäuber-Schutz überwiesen. Im derzeitigen Aktionsplan Biodiversität stünden zur Bekämpfung des Insektensterbens für sechs Jahre aber nur 3 Millionen Franken zur Verfügung. Das Geld sei vor allem für Konzepte und Empfehlungen gedacht. Konkrete, überprüfbare und verbindliche Massnahmen mit klarem Zeithorizont fehlten.

Ständerat Peter Hegglin (Mitte/ZG), ebenfalls Co-Präsident der Parlamentarischen Gruppe Bienen, ist selber Imker. «Wenn die Bienen und andere Bestäuber-Insekten weiter schwinden, ist das Risiko gross, dass auch Ernten und Umsätze schwinden», sagte er. «Quasi jeden dritten Bissen auf unseren Tellern verdanken wir Bestäubern.»

Samantha Bourgoin, Präsidentin des Tessiner Imkerverbandes Federazione Ticinese di Apicultura, macht sich Sorgen um Honigbienen wegen invasiver Arten, Krankheiten und Schädlingen: Die Asiatische Hornisse zum Beispiel habe innert weniger Jahre 18 Kantone nördlich der Alpen besiedelt. Im Tessin stehe ihre Ankunft kurz bevor.

Dieses invasive Insekt gilt als Bienenschädling. Nach Angaben von Bienen Schweiz jagt es Honigbienen und andere Insekten, um ihre Larven zu ernähren.

«Mit vernünftigem Aufwand machbar»

«Was die Bienen-Initiative will, ist überfällig», sagte Sebastian Jaquiéry, Co-Präsident der Naturfreunde Schweiz. Und es sei bekannt, was gegen das Insektensterben getan werden könne. «Vieles davon ist mit vernünftigem Aufwand machbar.»

Die Initiative verlangt von Bund und Kantonen, für die Sicherung der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen durch Insekten zu sorgen und die dafür nötigen Ressourcen einzusetzen. Der Bund muss Vorgaben machen für eine angemessene Förderung der Bestände und die Vielfalt von Bienen und anderen einheimischen bestäubenden Insekten.

Die Kantone, die Gemeinden und die Wirtschaft muss der Bund bei Leistungen zugunsten der Insekten unterstützen. Konkrete Vorgaben, wie das zu geschehen hat, enthält der Initiativtext nicht. Auf Nachfragen nannten die Komitee-Mitglieder mögliche Wege.

Diese reichen von insektenfreundlich bepflanzten Böschungen entlang von Bahntrassen und Strassen über weniger Pestizide, das Gestalten von Lebensräumen, Aus- und Weiterbildung bis zur koordinierten Bekämpfung von invasiven Schädlingen. Zu den Kosten sagte Klopfenstein Broggini, es brauche deutlich mehr Geld als heute.

Hinter der Initiative stehen die Imkerverbände in allen Schweizer Sprachregionen, die Naturfreunde Schweiz und die Stiftung Future 3. Politikerinnen und Politiker aus mehreren Parteien gehören ebenso zum Komitee wie Vertreterinnen und Vertreter von Wissenschaft und Zivilgesellschaft. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
10 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
10
Neugeborenes wird ins Basler Babyfenster gelegt
Am Montag ist in Basel ein Mädchen ins Babyfenster des Bethesda-Spitals gelegt worden. Das Kleinkind ist den Umständen entsprechend wohlauf. Es bleibt nun für medizinische Abklärungen im Spital.
Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde werde für das Kind eine gesetzliche Vertretung errichten und für eine Unterbringung sorgen, teilte der Kanton Basel-Stadt am Montag mit. Weitere Angaben machten die Behörden nicht, um Mutter und Kind zu schützen.
Zur Story