Unvergessen
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Elizabeth Lambert zeigt, dass Frauenfussball nicht nur heile Welt ist

5. November 2009: Dank einem kurzen Video-Clip wird Fussballerin Elizabeth Lambert zur Berühmtheit. Das Filmchen zeigt sie in Aktion – und was man sieht, erinnert mehr an eine Schlägerei als an ein Fussballspiel.



Elizabeth Lambert macht keine halben Sachen. Im Halbfinal der Mountain West Conference in der US-Studentenmeisterschaft in Provo (Utah) bewirbt sich die 20-Jährige als Nachfolgerin von Andoni Goikoetxea, dem «Schlächter von Bilbao». Für Talkmaster von Jay Leno bis David Letterman ist Lamberts Auftritt gegen die Brigham Young University ein gefundenes Fressen, auf der ganzen Welt wird sie zum Thema.

Ein Video-Clip zeigt, wie Lambert ihre Gegnerinnen bearbeitet. Einen Ellbogenschlag in den Magen rächt sie mit einem Fausthieb in den Rücken. Sie grätscht ohne Rücksicht auf Verluste gegen alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Und als Krönung reisst sie Kassidy Shumway so heftig am Rossschwanz, dass die wuchtig auf den Rasen knallt.

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Die «Highlights» von Elizabeth Lambert im Spiel zwischen New Mexico und BYU. Video: YouTube/RcJ2

Ein Sturm der Entrüstung fegt nach der 0:1-Niederlage über die Verteidigerin der University of New Mexico. Sie bedauere ihre Handlungen zutiefst und von ganzem Herzen, entschuldigt sich Lambert. «Das ist in keiner Weise ein Hinweis auf meinen Charakter oder darauf, wie ich als Fussballspielerin bin. Ich habe mich von meinen Emotionen leiten zu lassen.» Sie akzeptiere jede Strafe, die als notwendig erachtet werde.

«Ich sehe das Video und ich denke, dass das da gar nicht ich bin»

«Ihr Verhalten war völlig unangemessen», erklärt der Zuständige der Universität, «es gibt keinen Weg, ihre Aktionen zu verteidigen.» Elizabeth «Liz» Lambert wird für zwei Liga-Spiele gesperrt und von der eigenen Uni zu sozialer Arbeit verknurrt.

Mit einigen Tagen Abstand gibt Lambert der «New York Times» ein Interview. «Ich sehe das Video und ich denke, dass das da gar nicht ich bin», stellt sie fest. «Ich bedauere es wirklich so sehr. Ich kann gar nicht glauben, was ich da gemacht habe.» Beobachter werfen ein, dass ohnehin nur so ein Aufheben darum gemacht wird, weil es sich um eine Frau handle. Lambert sieht das gleich. «Das ist definitiv so. Von Männern wird erwartet, dass sie aggressiv spielen, während es bei Frauen immer noch oft heisst: ‹Oh, wir kicken ein bisschen den Ball herum und schiessen ein Tor.›»

Ein veritabler Shitstorm

Sie erzählt auch von wüsten Beschimpfungen. Ein Mail habe sie erreicht, in dem der Absender geschrieben habe, man solle sie ins Gefängnis werfen, vergewaltigen und zum Sterben in einem Graben liegen lassen. Andere hätten aus ihrer Spielweise geschlossen, sie sei voller sexueller Aggressivität und hätten ihr unmoralische Angebote gemacht.

Als sie nach der Sperre zurück ist, zieht es Lambert vor, zu schweigen. Dafür sinniert die Trainerin der New Mexico Lobos über die Unsitte von Shitstorms. «Das Internet und die Medien sind grossartig, unsere Welt wäre nicht dort, wo wir dank ihnen sind», sagt Kit Vela. «Aber ich denke, wenn etwas viral geht, das ehrlich einfach ein Fehler war – und ich sage Fehler, es geschah in der Hitze des Gefechts –, dann ist es bedauerlich, dass so etwas derart negative Folgen hat.»

«Die Moral der Geschichte ist, dass du immer dein bestes Verhalten an den Tag legen solltest, auch wenn du denkst, dass niemand dabei zusieht, denn sie tun es und teilen es mit der ganzen Welt», fasst der «Bleacher Report» kühl zusammen.

Als es ein Jahr später zur nächsten Begegnung zwischen New Mexico und BYU kommt, bleibt Elizabeth Lambert auf der Ersatzbank.

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In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei.
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Es war ein langer Weg bis Fussballerinnen akzeptiert wurden

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Guzmaniac 05.11.2019 09:34
    Highlight Highlight "...weil es sich um eine Frau handle."

    Ämm nein. Nur bei 50% der gezeigten Szenen handelt es sich um "aggresives Spiel". Die übrigen Szenen sind klare Tätlichkeiten und unter aller Sau.

    Nöd nur gemein, richtig fiiieees!
    • Oigen 05.11.2019 10:18
      Highlight Highlight naja also gleich das erste beispiel: Ich spielte lange Unihockey, wenn mir einer den Ellebogen/Stockende in den Haut kassiert einen Crocc-Ckeck mit Anlauf!!!
  • Bruno Wüthrich 05.11.2019 09:20
    Highlight Highlight Immerhin hat es der Fall mehr als ein Jahr nach dem Geschehen rund 6'000 Kilometer entfernt in die Schlagzeilen eines Feministinnen-Portals gebracht. Selbstverständlich darf hier gleich doppelt die Frage gestellt werden, ob dies ein Mann bei denselben Vergehen ebenfalls geschafft hätte.
    Dabei sind die Verfehlungen (drei Tätlichkeiten!) wirklich nicht ohne. Mindestens zwei davon hätten zwingend die rote Karte zur Folge haben müssen. Hinzu gekommen wären noch ca. drei gelbe Karten.
    Die Aktionen zeigen aber auch, dass der Frauenfussball längst eine ernstzunehmende Sportart geworden ist.
  • ändu aus B (weder Bärn noch Basel) 05.11.2019 09:15
    Highlight Highlight Boah! Die Dame geht ja fast wie Sergio Ramos zur Sache! Aber es ist schon so: Bei Männern wird das eher toleriert/entschuldigt. Und der darauf folgende Shitstorm mit all den sexuellen Anzüglichkeiten geht ja mal gar nicht!
  • ConcernedCitizen 05.11.2019 08:57
    Highlight Highlight Wer ernsthaft glaubt, Frauen sind fairer im Spiel, ist vermutlich ohne Schwestern aufgewachsen 😂

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