Damit Kosten in den USA sinken: Pharmaverband passt Preisvergleiche von Medikamenten an
US-Präsident Donald Trump macht mit Novartis, Roche und sieben weiteren grossen Pharmaunternehmen seit einiger Zeit gemeinsame Sache. Um die hohen Gesundheitskosten in den USA zu senken, sollen die Medikamente dort günstiger werden. Das bedeutet im Umkehrschluss: In Europa sollen sie teurer werden. Dafür soll Trump den Konzernen versprochen haben, dass diese drei Jahre lang keine US-Zölle fürchten müssen.
Von höheren Preisen wäre vor allem die Schweiz betroffen, da hierzulande mit Novartis und Roche zwei der grössten Pharmakonzerne der Welt ansässig sind. Diese exportieren die Hälfte ihrer Produkte in die USA.
Pharmaunternehmen drohen der Schweiz nun – gestärkt durch Trump –, Medikamente vom Markt zu nehmen und ihre Forschung ins Ausland zu verlegen, sollte die Schweiz nicht mehr Geld für verschreibungspflichtige Medikamente bezahlen. Falls die Schweiz höhere Preise nicht akzeptiert, drohen Verzögerungen und höhere Krankenkassenprämien.
Trump möchte, dass die überteuerten Medikamentenpreise in den USA auf das Minimum sinken und andere Länder dafür bezahlen. Als Referenz gelten die G-7-Länder inklusive Dänemark und der Schweiz. Der Interessenverband der forschenden Pharmaunternehmen der Schweiz, Interpharma, hat daher nun ein Druckmittel gefunden, um höhere Schweizer Medikamentenpreise durchsetzen zu können und Trump entgegenzukommen. Laut einer Recherche der «Republik» hat der Verband die Preisvergleiche von Medikamenten angepasst.
Wenn die Schweiz nicht das günstigste oder zweitgünstigste Land Europas sei, spiele sie für die Festsetzung der US-Preise keine Rolle. Neuerdings rechne Interpharma daher mit kaufkraftbereinigten Wechselkursen. So sei die Schweiz im Vergleich das günstigste Land, wodurch Interpharma höhere Schweizer Medikamentenpreise durchsetzen könne.
Frühere Vergleiche des Verbands hätten allerdings genau das Gegenteil gezeigt, schreibt die «Republik». In allen bisherigen Preisvergleiche wurde deutlich: Kein europäisches Land ist teurer als die Schweiz.
Die USA würden den Vergleich so wollen, sagte Verbandsdirektor René Buholzer dem Onlinemagazin und fügte an: «Würde nun die Kaufkraft im Vergleich mit anderen Ländern aussen vor gelassen, hätte man einen falschen Vergleich.» Beim BAG wundert man sich laut der «Republik» über den «fragwürdigen» Preisvergleich von Interpharma.
Der Bundesrat stellte schon vor einiger Zeit eine Arbeitsgruppe zusammen, um die Pharmabranche zu beruhigen. Bereits an der ersten Sitzung im Januar brachte ein Pharmavertreter laut «Blick» weitreichende Forderungen ein und plädierte für höhere Preise als in den USA. Konkret würde das bedeuten, bereits beschlossene Kostendämpfungen rückgängig zu machen und auf weitere Massnahmen gegen steigende Medikamentenkosten zu verzichten. (hkl, mit Material der sda)
