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Analyse

Die dunkle Welt des Täters von Christchurch

Ein faschistischer Terrorist hat in neuseeländischen Moscheen ein Blutbad angerichtet. Der Täter inszenierte die Morde als Befreiungskampf, verbreitete ein Live-Video der Tat und ruft zum Krieg auf.
15.03.2019, 15:2915.03.2019, 16:56
Jonas Mueller-Töwe / t-online

Attacke auf zwei Moscheen in Neuseeland

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Attacke auf zwei Moscheen in Neuseeland
quelle: epa/snpa / martin hunter
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Ein Artikel von
t-online

Ein Mann namens Brenton Tarrant hat im neuseeländischen Christchurch mindestens 49 Menschen mit einem Schnellfeuergewehr erschossen, Dutzende weitere verletzt, als sie in Moscheen beteten. Die Morde aus nächster Nähe sind so grausam inszeniert, dass sie nicht weiter beschrieben werden sollten – denn genau darauf legte es der Terrorist an. Der 28-jährige Australier schaltete ein Live-Video der Tat im Internet, aufgenommen mit einer Helmkamera, unterlegt mit einem Marsch. Ein 74-seitiges Terror-Manifest verbreitete er über soziale Medien.

Krieg gegen Muslime und «Blutsverräter»

Tarrant, der ehemalige Fitness-Trainer aus Australien, lässt sowohl in der Symbolik, mit der er seine Tatausrüstung verziert hat, als auch in seinem Schreiben, keinen Zweifel an seiner Motivation: Er ist laut eigener Aussage ein Faschist. Sein Ziel sei der Erhalt der «weissen Rasse» in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland. Seine Gegner sind besonders Muslime und alle, die Migration in diese Territorien zulassen. Das seien «Blutsverräter».

Alles in seinem Bekennerschreiben ist darauf angelegt, seine Ideologie darzulegen und Gleichgesinnte zu ähnlichen Taten zu animieren. Derzeit prüft die neuseeländische Polizei noch, ob er Mittäter hatte. Sie rief die Bevölkerung zu Wachsamkeit auf. Die Gefahr sei noch nicht gebannt. Zwei weitere Männer mit Schusswaffen wurden ebenso wie Tarrant in Christchurch festgenommen. An mehreren Autos wurden Sprengsätze entdeckt. Als Gefährder hatten die Ermittler Tarrant bislang nicht eingestuft.

Verbindung zu Anders Breivik?

Ob es tatsächlich zutrifft, dass der norwegische Rechtsterrorist Anders Breivik die Tat des Australiers vorher absegnete, wie der es in seinem Manifest behauptet, ist derzeit unklar. Tarrants Tat, seine Vorgehensweise und seine Inszenierung erinnern aber stark an das von Breivik 2011 verübte Massaker in Norwegen, bei dem er 77 Menschen erschoss, überwiegend Jugendliche. Auch Breivik hatte angegeben, Norwegen gegen den Islam und den Multikulturalismus verteidigen zu wollen.

Bild: EPA/SNPA

Tarrant selbst bezeichnet sich in seinem Bekennerschreiben als «ethno-nationalistischen Ökofaschist». Er ist Anhänger des sogenannten Ethnopluralismus – ein Gedankenkonstrukt, das auch bei Mitgliedern rechter Parteien wie der AfD , dem französischen Rassemblement National oder bei rechtsextremen Organisationen wie der NPD oder der Identitären Bewegung beliebt ist. Der Tenor: Auf dem Territorium des eigenen Volkes sind andere nur Invasoren. Angestrebt wird je nach Ausprägung die ethnische oder kulturelle Reinheit von Staaten und Gesellschaften. Die Ideologie ist im Kern rassistisch.

Anhänger rechter Verschwörungstheorien

Grundlage von Tarrants Radikalisierung ist laut eigener Aussage die Verschwörungstheorie eines politisch gesteuerten «grossen Austauschs», der die einheimische Bevölkerung angeblich durch Muslime ersetzen solle. Auch dieser Teil der Ideologie ist in rechten Kreisen wie der AfD und der ungarischen Fidesz von Ministerpräsident Viktor Orban weit verbreitet. Orban befeuert damit immer wieder seine Kampagnen gegen die Europäische Union. 

Trotzdem gelten rechte Parteien wie die Rassemblement National und der populistische US-Präsident Donald Trump dem Terroristen Tarrant in seinem Manifest als zu gemässigt – aber als politische Verbündete. Trump sei das Symbol einer «erneuerten weissen Identität», der Brexit ein Aufbäumen der Bevölkerung gegen die angebliche Massenmigration.

Jede liberale Kraft, Linke ohnehin, seien hingegen legitime Ziele – vor allem hochrangige Politiker wie Angela Merkel. Sein explizites Ziel: Destabilisierung, Bürgerkrieg, Revolution, Apartheid. Von seiner Tat erhofft er sich eine Signalwirkung vor allem in den USA und Europa. Dort wähnt er Gleichgesinnte, da er laut eigenen Angaben in den letzten Jahren einige Zeit Europa bereiste. Eine ehemalige Arbeitgeberin bestätigte das gegenüber dem australischen Fernsehsender ABC.  

 Nach dem Anschlag evakuierte die Polizei ein Wohngebiet in der 350 Kilometer entfernt gelegenen Stadt Dunedin. Das Haus sei im Zusammenhang mit den Ermittlungen von Interesse, hiess es. Die Anwohner in der Nähe eines Hauses seien vorsichtshalber in Sicherheit gebracht worden. Ob Tarrant das Haus zuvor bewohnte, ist unklar. In seinem Bekennerschreiben gab er an, die Tat zwei Jahre lang geplant zu haben, mit konkreten Vorbereitungen sei er drei Monate beschäftigt gewesen. Die Polizei äussert sich bislang nicht zu den Hintergründen des Anschlags.

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