«Wenn Trump ihn verliert, hat er ein Problem»: Joe Rogan stellt sich gegen US-Präsidenten
Joe Rogan ist einer der bekanntesten Podcaster auf der ganzen Welt. Dem Unternehmer hören bei jeder Folge rund 10 Millionen Menschen zu und er gilt in den USA als zentraler Meinungsmacher – gerade bei Swing-Votern. Als er sich 2024 öffentlich für Donald Trump als Präsidenten aussprach, beeinflusste er damit Tausende von vor allem jungen Männern. In einer Podcast-Folge fand der 58-Jährige nun jedoch überraschend kritische Worte für die Trump-Administration.
In der neuen Episode von «The Joe Rogan Experience» sprach der Host zusammen mit einem republikanischen Politiker über die Geschehnisse in Minnesota. Im US-Bundesstaat wurde letzte Woche eine amerikanische Bürgerin von einem ICE-Beamten erschossen. Davon kursieren online Dutzende Videos, die das Ganze dokumentieren. Eine Tragödie, die auch einige Trump-Wählerinnen und -Wähler scharf verurteilen.
«Für mich wirkte es unfassbar falsch»
Zu diesen gehört auch Joe Rogan. Die Ermordung von Renee Nicole Good bezeichnet er im Podcast als «schreckliche Katastrophe» und meinte: «Ich weiss, dass die Situation sehr angespannt war, aber für mich wirkte es unfassbar falsch.» So würden ihn solche Geschehnisse sehr berühren, gerade wenn es sich bei den Opfern um Frauen handelte.
Allgemein scheint Rogan kein Fan von der Einwanderungsbehörde ICE zu sein. «Ich kann die Sichtweise derjenigen verstehen, die sagen: ‹Man will doch nicht, dass militarisierte Leute auf den Strassen herumlaufen und Leute festnehmen, von denen sich viele als US-Bürger herausstellen, die nur ihre Papiere nicht dabeihaben›», so der Podcaster. Und weiter:
Die Geheime Staatspolizei, kurz Gestapo genannt, war die politische Polizei des deutschen Regimes der Nazi-Zeit von 1933 bis 1945.
@stonk_u_later color me surprised
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«Es ist hässlich zu sehen»
Mit seinen Aussagen stellt sich Rogan auch gegen die Ansichten von US-Vizepräsident JD Vance. Dieser hatte nämlich den ICE-Beamten nach dem Tod von Renee Nicole Good zugesichert, sie seien «durch absolute Immunität geschützt». Laut Vance soll Good versucht haben, den Beamten zu überfahren. Darum sei sie eine inländische Terroristin.
Rogan scheint das Video jedoch anders interpretiert zu haben: «Es ist sehr hässlich, zu sehen, wie jemand einer US-Bürgerin ins Gesicht schiesst. Das sah schrecklich aus. Wenn Leute sagen, es sei gerechtfertigt, weil sie ihn mit dem Auto angefahren hat, dann sah es für mich eher so aus, als würde sie das Auto irgendwie zur Seite lenken», sagt Rogan im Podcast.
@terfralilo197714 In a recent episode of "The Joe Rogan Experience," Joe Rogan compared U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE) to the Gestapo, openly opposing President Donald Trump and his administration's immigration enforcement policies. He expressed shock at the shooting death of 37-year-old Gudiel by an ICE agent in Minneapolis, calling the incident "horrific," questioning the Trump administration's justification for the event, and criticizing the militarization of ICE enforcement. He even posed the rhetorical question, "Are we really going to become the Gestapo?", suggesting that this aggressive enforcement approach could damage the fundamental trust within American free society.
♬ 原聲 - Heal
Die Aussagen des Amerikaners werden nun in den Medien heftig diskutiert. CNN befragte dazu den ehemaligen republikanischen Strategen David Urban und wollte wissen, wie stark Rogans Meinung auch bei Republikanern vertreten ist. Darauf antwortete dieser:
Urban ist zudem der Meinung, dass die Republikaner nicht für eine solche Strategie abgestimmt hätten. «Das wird sich auf die Zahl der Wähler auswirken. Das Thema Einwanderung war Trumps stärkster Bereich. Durch diese Strategie wird er in diesem Bereich nun geschwächt. Wenn er nun auch Joe Rogan verliert, hat er ein Problem», schliesst der 62-Jährige.
«Es ist nicht überraschend, dass Menschen es nicht mögen, wenn ICE auftaucht»
Der Stratege machte in seinem Statement auch einen Vergleich zur Obama-Administration. So habe auch der 44. US-Präsident viele Menschen deportiert. Im Gegensatz zu heute seien dies jedoch Leute gewesen, die direkt an den Grenzen abgefangen wurden, nicht Personen, die sich bereits in eine Community eingefügt hätten. Dazu ergänzte er: «Es ist nicht überraschend, dass Menschen es nicht mögen, wenn ICE auftaucht und ihnen Menschen wegnimmt, mit denen sie in irgendeiner Art eine Beziehung haben.»
Im gleichen Bericht äusserte sich zu Urbans Statement zudem die CNN-Politik-Kommentatorin Karen Finney. Sie fügte an: «Es ist nicht nur, dass wir nicht mögen, dass uns Menschen, die wir kennen, weggenommen werden. Es ist die Art, wie es gemacht wird. Mit Gewalt. Mit Terror.»
«Genau dafür hat er abgestimmt»
Auf Social Media sind die Reaktionen auf die Aussagen von Joe Rogan gemischt. So sind einige seiner republikanischen Anhänger enttäuscht vom Podcaster und schreiben zu Clips der Folge Kommentare wie: «Ich war ein grosser Fan, doch nun muss ich Joe entfolgen» oder «Wieso tut er plötzlich so links?». Demokratische Zuschauer fanden die Einordnung von Rogan teilweise zwar wichtig, sind jedoch allgemein der Meinung, dass der Podcaster genau dafür abgestimmt habe und nun kein Recht hätte, sich zu beklagen.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Joe Rogan kritisch gegenüber ICE äusserte. So hat er bereits in früheren Podcast-Folgen die Massenabschiebungspolitik von Donald Trump kritisiert und die Razzien der Einwanderungs- und Zollbehörde als «f*cking nuts» bezeichnet.
