Alisha Lehmann veröffentlicht neue Beziehung und kassiert Hass – Expertin ordnet ein
Zum 27. Geburtstag von Alisha Lehmann hat ihr neuer Freund Brian McKenzie erstmals ein Bild der beiden auf Instagram gepostet. Unter dem Beitrag tummeln sich Dutzende Kommentare, die das glückliche Paar bejubeln und Lehmann zum Geburtstag gratulieren. Was man aber genauso oft liest, sind rassistische, sexistische oder sonst beleidigende Aussagen.
«Once you go black, you never go back» oder «Wenn er sie ohne Make-up sieht, ist er schnell weg» sind Beispiele dafür, was man unter dem Post des Fussballers liest. Auffallend dabei: Die meisten Beleidigungen kommen von Accounts, die mit Namen und Bild versehen sind. Viele verstecken sich also nicht hinter der Anonymität des Internets.
«Bei Hasskommentaren sind Anzeigen selten, das senkt Hemmungen»
Woran das liegt, erklärt Dr. Lea Stahel von der Universität Zürich gegenüber watson. Sie forscht unter anderem zu digitaler Soziologie, digitalen Entrüstungsstürmen und Anonymität und Aggression im Internet. Sie meint: «Bei Hasskommentaren sind Anzeigen eher selten. Das senkt Hemmungen. Wenn zudem ‹alle anderen ja auch Hass posten›, verringert das die Skrupel noch mehr, da dies signalisiert, dass Hass die Norm ist und auch nicht sanktioniert wird.»
Durch diese Normalisierung von Hass im Internet fühlen sich viele – trotz ihres öffentlichen Profils – genug wohl, um Hasskommentare zu schreiben. Für die Motive hinter den Feindlichkeiten gibt es laut Stahel verschiedene Gründe: «Zum einen kann es ein strategisch-ideologisches Motiv sein. Mit den Kommentaren will man die angegriffene Person zum Schweigen bringen, sodass sie sich nicht mehr öffentlich äussert oder präsentiert.» Auslöser können aber auch sozialer Natur sein. So würden die Kommentatoren versuchen, die Anerkennung anderer Userinnen und User auf sich zu ziehen. Ein dritter Grund sei das Abreagieren von privatem Frust, der auf eine Person im Internet ausgerichtet werde.
Erst im vergangenen Sommer war Lehmann nach einem Jahr bei Juventus Turin zu Como gewechselt, bisher bestritt sie sechs Spiele in der Meisterschaft. Treffen konnte sie in keinem Ligaspiel.
Nun schliesst sich Lehmann dem aktuell Neunten der Women's Super League an. In dieser stand sie von 2018 bis 2024 bereits für West Ham United, Everton und zuletzt Aston Villa auf dem Platz. (sda)
«Grösstenteils männlich, tendenziell weniger gebildet und politisch rechts»
Dass dieser Frust dabei oftmals Menschen wie Alisha Lehmann trifft, ist kein Zufall. So gehört sie laut der Forscherin zu der meistgefährdeten Gruppe von Menschen für Hass im Internet: «Frauen werden deutlich häufiger sexistisch und sexualisiert angegriffen. Umso mehr, wenn diese durch ihren Beruf oder ihre Rolle in der Öffentlichkeit stehen.»
Doch wer schreibt solche Kommentare? Laut Stahel sind die Verfasser «grösstenteils männlich, tendenziell weniger gebildet und politisch rechts». Von Fall zu Fall und in verschiedenen Kontexten können diese Muster jedoch auch abweichen.
Für Verfasser von Hasskommentaren hat Social Media vieles vereinfacht. So sei das Phänomen der Hasskommentare kaum jünger als Social Media selbst: «Früher musste man privat oder am Stammtisch Dampf ablassen und konnte sich keinesfalls so rasch mit Gleichgesinnten vernetzen und sich gegenseitig bestärken. Social Media hat da eine grosse Dynamik reingebracht.»
Trotz allem ist das Beleidigen, Verleumden oder Bedrohen von Personen im Internet – genau wie auch in der Realität – strafbar. Alisha Lehmann wie auch andere Opfer von Hass im Internet könnten also dagegen vorgehen und hätten das Recht auf ihrer Seite.
