Pistolen-Jubel und Infantino-Besuch in der Kabine – so politisch war das erste Iran-Spiel
Das 2:2 des Iran gegen Neuseeland war weit mehr als nur eines von 104 Spielen dieser Weltmeisterschaft. Vor und in dem riesigen Stadion in Inglewood wurden immer wieder Botschaften im Zusammenhang mit dem monatelangen Krieg der USA und Israels gegen den Iran kundgetan. Im Stadion versammelten sich Anhänger und Gegner des Kurses Teherans.
Fahnen und Plakate
Zu sehen waren sowohl die aktuelle iranische Fahne als auch die ältere aus der Zeit vor der Islamischen Revolution. Letztere wird als Symbol der Opposition angesehen, die in der südkalifornischen Diaspora viele Anhängerinnen und Anhänger hat. In der Arena hatte der Weltverband FIFA per Gerichtsbeschluss das Recht, die sogenannte «Löwe-und-Sonne»-Flagge einzukassieren – immer wieder waren Ordner bei entsprechenden Massnahmen zu sehen.
Oft fotografiert wurde zudem ein Banner mit der Aufschrift «42'000 #IranMassacre». Die Botschaft wurde als Hinweis auf die gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Teheran Anfang des Jahres mit Tausenden Opfern verstanden. Eine andere Kleingruppe zeigte ein Plakat mit der Aufschrift «Minab168». Bei dem US-Angriff in Minab am Persischen Golf waren Ende Februar mindestens 168 Schülerinnen zwischen sieben und zwölf Jahren ums Leben gekommen.
Pfiffe bei der iranischen Nationalhymne
Während der iranischen Nationalhymne, eigentlich ein Moment der Andacht bei Fussballspielen, waren laute Pfiffe zu hören. Die iranischen Spieler standen geschlossen am Mittelkreis und hielten sich jeweils die Hand auf die Brust. Auf der Ehrentribüne verfolgte FIFA-Präsident Gianni Infantino das Geschehen. «Ich freue mich, hier die Menschen im Iran zu unterstützen, ich unterstütze nicht das Regime», hatte ein Fan vor dem Los-Angeles-Stadion der Deutschen Presse-Agentur gesagt.
Die iranischen Tore wurden dagegen lautstark bejubelt. «Zunächst einmal möchte ich unsere Fans in Los Angeles erwähnen. Die Atmosphäre während des Spiels war unglaublich – über die gesamten 90 Minuten hinweg», sagte Stürmer Mehdi Taremi.
Der Torjubel
Die Torschützen Ramin Rezaeian und Mohammad Mohebi feierten ihre jeweiligen Ausgleichstore mit unterschiedlichen Jubelgesten. Rezaeian zog sich das Trikot über den Kopf und erklärte diese Geste im Anschluss an das Spiel kryptisch als etwas Politisches, das er aber nicht weiter ausführen wolle. Mohebi jubelte mit den Fingern und Armen so, dass seine Geste als angedeutete Pistolenschüsse in die Luft verstanden werden konnten.
Zudem zeigte Mohebi offensichtlich den sogenannten «Freeze»-Jubel. Das ist eine Geste, die besonders die Los Angeles Lakers bekannt gemacht haben. Dabei werden die Finger in die Armbeuge gelegt, um anzuzeigen, dass man eiskalt abgeschlossen hat. Mohebi sagte, sein Jubel sei ihm einfach so in den Sinn gekommen. «Und ich wollte das für alle Fans machen, einfach als Jubel», sagte er, ohne einen besonderen Zusammenhang zu erwähnen.
FIFA-Präsident Infantino in der Iran-Kabine
FIFA-Präsident Gianni Infantino besucht die iranischen Nationalmannschaft nach dem Spiel in der Kabine – er wisse was das Team im Moment durchmache. Gleichzeitig spricht er ihnen Mut zu für die kommende Spiele an der WM. (car/sda/dpa)
Fifa president Gianni Infantino visited Iran's national team after its opening World Cup match.
— The National (@TheNationalNews) June 16, 2026
The visit came after several Iranian team officials were denied visas to enter the US and watched the opening match from Mexico.
The issue has drawn criticism from Iranian football… pic.twitter.com/78XeZadujf
