Nach Österreich stellt sich auch die Schweiz gegen Infantino – der Zwischenstand
Gianni Infantino gerät unter Druck. Er wollte über eine neue Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise Anteile an den WM-Rechten an private Investoren verkaufen. Berichten zufolge mit Beteiligung von Geldgebern aus dem Umfeld von US-Präsident Trump.
Die UEFA reagierte scharf und drohte mit einem Komplettboykott aller FIFA-Turniere. Auch die Asiatische Fussball-Konföderation (AFC) und die Nord-, Zentralamerikanische und Karibische Fussball-Konföderation (CONCACAF) lehnten das Vorhaben ab.
Unter diesem geschlossenen Widerstand knickte Infantino ein und begrub das Projekt. Der Rückzug beruhigt die Lage aber nicht. Auch nicht in Bezug auf die FIFA-Wahlen 2027: Mehrere Verbände fordern einen Wandel im Weltverband. Einige stellen sich demonstrativ hinter Infantino. Eine Übersicht über die aktuellen Meinungen:
Schweiz ändert die Meinung
Mittwoch, 30. September 2026
Österreich stellt sich hinter UEFA
Samstag, 12. September 2026
Der Österreichische Fussball-Bund unterstützt eine erneute Kandidatur von FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht. Die Entscheidung fiel nach einer Sitzung des ÖFB-Aufsichtsrats, teilte der Verband am Samstag mit.
«Die Vorwürfe wurden bislang weder glaubhaft aufgeklärt noch entkräftet», heisst es in einer Stellungnahme des ÖFB. Der Verband stehe «vollinhaltlich und felsenfest hinter der gemeinsamen Linie der UEFA», schreibt der ÖFB. (nih/t-online)
Auch Frankreich gegen Infantino
Donnerstag, 10. September 2026
Auch der französische Fussballverband (FFF) hat Gianni Infantino offiziell das Vertrauen entzogen. Die FFF werde den FIFA-Präsidenten bei seiner Kandidatur für die Wiederwahl nicht unterstützen. Dies sei an der Sitzung des FFF-Exekutivkomitees beschlossen worden, wie «Le Monde» berichtet.
🚨 Lors de son comité exécutif ce jeudi, la FFF A RETIRÉ SON SOUTIEN À GIANNI INFANTINO !!! ❌
— Actu Foot (@ActuFoot_) September 10, 2026
La création avortée d’une société commerciale de la Coupe du monde a été l’épisode de trop.
🗞️ @RMCsport pic.twitter.com/r38H8D5N7M
Belgien entzieht Infantino das Vertrauen
Dienstag, 8. September 2026
Der belgische Fussballverband RBFA hat FIFA-Präsident Gianni Infantino die Unterstützung bei der Wiederwahl im März 2027 entzogen, das teilte der Verband am Montag mit. RBFA-Präsidentin Pascale Van Damme sitzt im FIFA-Council und will den «Fall Balogun» auf die Agenda der Council-Sitzung am 15. Oktober zu setzen.
Italien, Rumänien und Estland gegen Infantino
Mittwoch, 26. August 2026
Im wachsenden Widerstand gegen den massiv unter Druck geratenen FIFA-Chef Gianni Infantino zieht auch Italiens Fussballverband FIGC seine Unterstützung für eine Wiederwahl des Schweizers zurück. Der Verband werde bei der nächsten Wahl im März 2027 nicht mehr für Infantino stimmen, hiess es in einer Mitteilung. Hintergrund sind seine umstrittenen Investorenpläne.
Italiens Verbandspräsident Giovanni Malago sagte: «Wir werden weiterhin an der Seite der UEFA und der anderen europäischen Verbände daran arbeiten, eine Vorstellung von Fussball zu fördern, die auf Leistung, Solidarität, Nachhaltigkeit und der zentralen Bedeutung der Fans beruht.» FIGC vertrete einen Fussball, der wächst, sich weiterentwickelt und seine grundlegenden Prinzipien verteidigt.
La FIGC ritira il sostegno alla candidatura di Gianni Infantino
— FIGC (@FIGC) August 26, 2026

➡️ https://t.co/AotttuSyVb#FIGC pic.twitter.com/jA7O9onlax
Neben Italien haben sich auch die Verbände von Rumänien und Estland offiziell gegen Infantino ausgesprochen. (abu/sda/dpa)
Schottland entzieht Infantino das Vertrauen
Dienstag, 18. August 2026
Schottland wird bei den FIFA-Präsidentschaftswahlen im kommenden März nicht für Gianni Infantino stimmen. Dies hat Ian Maxwell, Geschäftsführer beim schottischen Fussballverband, gegenüber der BBC bestätigt. Unsere Position war klar, seit sich die 55 UEFA-Mitglieder in dieser Sache getroffen haben, erklärt Maxwell. 55 Nationen seien stärker als eine einzelne Stimme. (abu)
Ian Maxwell confirms the Scottish FA will not be voting for Gianni Infantino for his re-election as president of Fifa in 2027.#BBCFootball pic.twitter.com/M3C8kLbK24
— BBC Sport Scotland (@BBCSportScot) August 17, 2026
Zwei WM-Gastgeber gegen Infantino
Montag, 10. August 2026
Die WM-Co-Gastgeber USA und Kanada haben sich mit ihren Fussballverbänden der Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino angeschlossen. US Soccer, Canada Soccer, die CFU (Caribbean Football Union) und die UNCAF (Central American Football Union) erklärten, sie «stehen gemeinsam mit unseren Kollegen auf der ganzen Welt für sinnvolle Veränderungen ein, die die Führung, Transparenz und Rechenschaftspflicht der FIFA stärken», schrieben die Organisationen auf Instagram.
Die Haltung Kanadas und der USA steht damit im Widerspruch zum dritten Ausrichterland Mexiko, dass dem FIFA-Präsidenten als Abtrünniger des Verbandes CONCACAF seine Unterstützung zugesagt hatte. Infantino, der bislang der einzige erklärte Kandidat für die Wahl im März 2027 ist, steht seit der überraschenden Vorstellung des inzwischen zurückgezogenen Investorenplans massiv in der Kritik.
Wenn CFU und UNCAF tatsächlich Wort halten, würden sich 32 weitere Landesverbände gegen Infantino stellen.
54 Stimmen für Infantino
Freitag, 7. August 2026
Der afrikanische Verband CAF stellt sich einstimmig hinter Infantino. Damit hat der Walliser bereits 64 Stimmen auf seiner Seite. Der norwegische Verband fordert Infantino allerdings zum sofortigen Rücktritt auf.
Infantino kann auf Unterstützung von WM-Finalist zählen
Freitag, 7. August 2026
Erstmals hat sich ein Verband aus Südamerika auf eine Seite gestellt. Der argentinische Verband stellt sich hinter Gianni Infantino. In einer öffentlichen Mitteilung schreibt die AFA: «Angesichts des bevorstehenden FIFA-Kongresses ist der Verband fest davon überzeugt und bekräftigt, dass der richtige Weg darin besteht, die Arbeit unter dessen Führung fortzusetzen, um einen besseren und noch inklusiveren Fußball weiterzuentwickeln.»
#Institucional Respaldo a la gestión realizada los últimos 10 años por Gianni Infantino en la FIFA
— AFA (@afa) August 6, 2026
📘https://t.co/LlgxadxJ5q pic.twitter.com/REqxzApp97
Mongolei und Philippinen stellen sich hinter Infantino – Albanien gegen ihn
Donnerstag, 6. August 2026
Gianni Infantino erhält weitere Unterstützung aus Asien. Sowohl der Verband aus Mongolei und den Philippinen bekennen sich zum aktuellen FIFA-Präsidenten. Infantino selbst bedankt sich in seiner Instagram-Story für die Unterstützung.
Am Donnerstagnachmittag musste der Schweizer allerdings auch wieder eine Gegenstimme hinnehmen. Wie der Verband mitteilte, habe er FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström einen Brief geschickt, in dem Albanien Infantino offiziell die Unterstützung für die Präsidentschaftswahl im kommenden März entzog.
Der Auftakt: So verteilen sich die ersten Stellungnahmen
Mittwoch, 5. August 2026
Nachdem Infantino das Investoren-Projekt beerdigt hatte, sicherten ihm mehrere Länder ihre Unterstützung zu: Katar äusserte sich als eines der ersten Länder positiv, kurz darauf lobte auch Sri Lanka Infantinos Rückzieher.
Die Vereinigten Arabischen Emirate stellten sich ebenfalls hinter ihn, während gleich mehrere afrikanische Verbandschefs nachzogen – Marokko, Ägypten, Mauretanien, Niger und die Demokratische Republik Kongo veröffentlichten ähnlich lautende Erklärungen und sicherten ihm ihre Treue zu. Auch der Libanon und Kuwait zählen zu seinen Unterstützern.
Auf der Gegenseite wächst die Riege der Kritiker weiter an: Wales, England und Serbien kündigten an, Infantino bei der Wahl im März 2027 nicht mehr zu wählen. Kurz danach zog Schweden nach und entzog ihm ebenfalls das Vertrauen. Verbandschef Simon Aström warf ihm anhaltende Mängel bei Transparenz und Führung vor.
Jordaniens Verbandspräsident warf dem FIFA-Präsidenten gar Erpressung vor. Die Schweiz hält sich vorerst zurück und sucht das Gespräch mit dem FIFA-Boss, bevor sie sich festlegt. (olj)
