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epa05650327 Argentinian Davis Cup team players (L-R) Federico Delbonis, Guido Pella, captain Daniel Orsanic, Leonardo Mayer, and Juan Martin del Potro pose with their trophy after defeating Croatia in the Davis Cup final in Zagreb, Croatia, 27 November 2016.  EPA/ANTONIO BAT

Del Potro darf endlich wieder jubeln: Sieben Jahre nach seinem US-Open-Sieg holt er sich mit Argentinien den Davis Cup. Bild: ANTONIO BAT/EPA/KEYSTONE

Der Pechvogel krönt sich selbst – del Potros Zauberschlag und die dramatische Wende

Ein Triumph für die Geschichtsbücher: Argentinien gewinnt zum ersten Mal den Davis Cup – weil Juan Martin del Potro im letzten Moment zur Höchstform aufläuft und ein episches Match gegen Marin Cilic noch dreht.



Die Zagreb Arena steht Kopf: 15'000 heissblütige kroatische Tennis-Fans feiern bereits den bevorstehenden Davis-Cup-Triumph ihrer Tennis-Helden. Es wäre der zweite nach 2005. Es ist zwar noch etwas gar früh, aber was soll da noch geschehen. 2:1 steht es am dritten Wettkampftag für das Heimteam und Marin Cilic führt im vierten Einzel, im Duell der Aufschlagshünen, gegen Juan del Potro mit 2:0 Sätzen.

Doch der US-Open-Sieger von 2009 macht, was er die letzten Jahre immer wieder gemacht hat: Er bäumt sich noch einmal auf und hält mit allem, was er hat, dagegen. Beinahe wäre der Silbermedaillen-Gewinner von Rio im letzten Jahr zurückgetreten, weil er immer wieder durch Handgelenksverletzungen zurückgeworfen wurde. Doch jetzt lässt sich der 28-jährige «Turm aus Tandil» von nichts und niemandem mehr aufhalten.

Maradona geht voll mit

Unter den Augen von Fussball-Legende Diego Maradona setzt er im dritten Game des dritten Satzes mit einem irren Zauberschlag zu einer unfassbaren Aufholjagd an. Bei 15:15 und Aufschlag del Potro macht Cilic beim Return schon mächtig Druck und spielt danach eine gelungene Stopp-Lob-Kombination. Doch «DelPo» sprintet noch einmal zurück und überlobt Cilic mit einem herrlichen Tweener.

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Der grossartige Tweener zur Wende. Video: streamable

Danach lässt sich del Potro nicht mehr bremsen. Nach 4:53 Stunden siegt der einstige Pechvogel mit 6:7, 2:6, 7:5, 6:4, 6:3 – obwohl er sich im fünften Satz bei einem missglückten Return noch den Finger bricht. Das ist einer meiner grössten Siege überhaupt», erklärt der 1,98-m-Mann nach dem Super-Comeback. «Danke an all die, die mich davon abgehalten haben, zurückzutreten. Ich war wirklich sehr, sehr nahe, nie mehr zu spielen.»

Del Potros Freude

Doch jetzt folgt noch die schwierigste Aufgabe für del Potro. Tatenlos muss er beim alles entscheidenden fünften Einzel zwischen Federico Delbonis (ATP 41) und Ivo Karlovic (ATP 20) zusehen. Aufschlagsriese Karlovic ist eigentlich der klare Favorit, doch Delbonis deklassiert den Kroaten glatt in drei Sätzen.

Jetzt gibt's natürlich kein Halten mehr. Zusammen mit den zahlreich angereisten Fans feiern die Argentinier eine riesige Party. Kein Wunder: Schliesslich ist es der erste Triumph für die «Gauchos», viermal hatten sie zuvor schon den Final verloren. Für del Potro ist es eine riesige Genugtuung: 2008 musste er sich nach der 1:3-Finalniederlage gegen Spanien von Teamkollege David Nalbandian vorwerfen lassen, dass er «vielleicht andere Prioritäten» hatte. Del Potro hatte das zweite Einzel gegen Feliciano Lopez verloren und wurde danach nicht mehr eingesetzt.

Grande Fiesta in Zagreb

Doch nun durften die Argentinier endlich zum ersten Mal nach 116 Jahren Davis-Cup-Geschichte die «hässlichste Salatschüssel» der Welt in die Höhe stemmen. Nicht ohne Nebengeräusch: Delbonis unterläuft ein kleines Missgeschick. Der Sockel der Schüssel löst sich im dümmsten Moment und spickt ihm mitten ins Gesicht. Bald ist die Salatschüssel aber wieder repariert und die Argentinier können ihren Feiermarathon fortsetzen.

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Hoppla, der Sockel der «hässlichsten Salatschüssel» der Welt fliegt Delbonis ins Gesicht. Video: streamable

Für den leidgeplagten del Potro ist es der grösste Triumph seit seinem US-Open-Sieg 2009 und der perfekte Abschluss eines fantastischen Comeback-Jahres. Nach einer sechsmonatigen Pause kehrte er im Januar als 1041. der Weltrangliste auf die Tour zurück, gewann in Rio die olympische Silbermedaille und in Stockholm den 19. Turniersieg seiner Karriere. Nach dem Davis-Cup-Triumph scheint jetzt klar: Mit der Weltnummer 38 wird im nächsten Jahr auch bei den Grand Slams zu rechnen sein.

Die One-Slam-Wonders im Herren-Tennis

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