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MoneyTalks

So findest du dich im Finanzgebühren-Dschungel zurecht

Was sind die häufigsten Kostenfallen beim Anlegen? Warum sind die Gebühren so ein mühseliges Problem? Praktische Tipps für den Finanz-Gebührendschungel.
05.08.2021, 13:5705.08.2021, 14:59
Olga Miler
Olga Miler
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«Ich habe mich all die Jahre nie getraut wirklich zu fragen, es war mir peinlich. Jetzt verstehe ich endlich, was ich für meine Anlagen bezahle», sagt Pat nachdem wir es berechnet hatten. Wenn es darum geht die Kosten für Finanzprodukte und Anlagen zu vergleichen, dann ist es, zumindest gefühlt, ein Dschungel aus Begriffen, Marketing-Botschaften und verschiedenen Methoden. Sicherlich, es tut sich einiges seitens der Anbieter, um mehr Transparenz zu schaffen, trotzdem ist der Kostenvergleich von Finanzprodukten noch immer eher mühselig. Hier sind zur Information Beispiele, die wichtigsten Begriffe und Inputs von meinen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern, die dir helfen können beim Weg durch den Gebührendschungel.

Die häufisten Schwierigkeiten bei den Gebühren

Leider ist es bei Finanzprodukten nicht so einfach, die Preise zu vergleichen wie z.B. bei Konsumgütern, was vor allem mit der Komplexität der Finanzprodukte zu tun hat:

  • Je nach gewähltem Modell und Anbieter fallen unterschiedliche Preisstrukturen an.
  • Es gibt unterschiedliche Begrifflichkeiten für ähnliche Preisformen.
  • Preise werden oft in % des verwalteten Vermögens angegeben, die Totalkosten muss man oft selber berechnen.
  • Der Gesamtpreis, den du bezahlst, setzt sich oft aus verschiedenen Preiskomponenten zusammen, die nicht alle auf den ersten Blick sichtbar sein müssen.
  • Die Preise variieren mit der Anlagestrategie, z.B. haben wachstumsorientierte Strategien oft andere Preise als konservative, da unterschiedliche Produkte zugrunde liegen.
  • Nicht selten ist die Kommunikation nicht auf den ersten Blick klar, sowohl beim Marketing als auch beim Reporting.

Zur Illustration hier Beispiele aus der Praxis, denen ich in den letzen 12 Monaten begegnet bin:

«Sie bezahlen 33 Franken Jahresgebühr. Dies entspricht YY% für Vermögensverwaltung*. *(in Kleinstschrift): nicht inbegriffen sind die Produktkosten, diese betragen je nach gewählter Strategie ZZ%). In diesem Beispiel bezahlt man eben nicht nur wie es auf den ersten Blick scheinen mag die angepriesene Jahresgebühr, sondern die Jahresgebühr + die Produktkosten.

«Wir arbeiten mit einer All-In-Fee». Dann im Kleingedruckten: «Nicht in der All-In-Fee enthalten sind allfällige Ausgabe- und Rücknahmespesen etc., etc.... » diese Kosten werden dann oft dem Anlageprodukt belastet und sind in der All-In-Fee nicht enthalten.

Die wichtigsten Gebührenstrukturen

Finanzprodukte, z.B. Fonds, haben wie andere Produkte auch einen Lebenszyklus, vereinfacht sind es aus Anleger- und Anlegerinnensicht drei Phasen: 1) Kauf/Einstieg, 2) Anlagezeitraum mit entsprechender Verwaltung und Ausschüttungen und 3) Verkauf/Anlageausstieg. Aufgrund von diesem Lebenszyklus ergeben sich unterschiedliche Gebühren, die anfallen können. Hier zur Übersicht die wichtigsten Arten kurz erklärt:

Verwaltungsgebühren: Diese werden oft in % des angelegten Geldes ausgegeben und beinhalten die Kosten für die Vermögensverwaltung. Diese betragen gemäss Money-Land je nach Anbieter zwischen 0 und 1,5% pro Jahr.

Bankgebühren: Kosten für das Depot und Administrationsgebühren oft in % des Depotbetrages (z.B. 0,1-0,5% des Anlagebetrages) sowie Kontoführungsgebühren (0-100 CHF pro Konto).

Produktkosten: Kosten für das Finanzprodukt selbst, z.B.:

  • Laufende Kosten/Total Expense Ratio (TER): Entspricht der Gesamtkostenquote, mit denen ein Fonds im Laufe des Geschäftsjahres belastet wird und beinhaltet die wichtigsten Kosten wie z.B. Verwaltungsgebühren und zusätzliche Ausgaben, etwa Handelsgebühren, Abgaben, Marketing etc., welche für den Fonds anfallen.
  • Transaktionsgebühren/Courtage: Gebühren für Durchführung von Kauf und Verkauf. Hier können Ausgabekommission/Ausgabeaufschläge für den Kauf anfallen und Rücknahmeabschläge, welche oft von der Rendite abgezogen werden, beim Verkauf des Produktes.

Zusätzliche Gebühren, welche anfallen können:

  • Spread: Differenz zwischen dem An- und Verkaufskurs.
  • Fiskalische Drittspesen und Abgaben, z.B. MwSt, VST und Stempelabgaben.
  • Währungskosten.

All-In-Fee: Verschiedene Anbieter operieren auch mit einer All-In-Fee, welche unterschiedliche Kosten zusammenfasst und in einer vereinfachten Gebührenstruktur ausgibt. Oft beinhaltet diese Fee die Verwaltungsgebühren, Depotgebühren und Transaktionskosten. Hier lohnt es sich, das Kleingedruckte zu lesen, um zu sehen was inkludiert ist und was separat anfällt

Tipps für den Preisvergleich

Um die Kosten vergleichen zu können, kann es helfen:

1. Gleiche Kostenarten einzubeziehen, z.B. wie hoch ist die Verwaltungsgebühr eines Anbieters oder was kostet das Depot bei einer Bank oder einem Online-Anbieter.

2. Ähnliche Strategien zu vergleichen da z.B. bei einer nachhaltigen oder wachstumsorientierten Strategie andere Produktkosten anfallen als bei einer konservativen.

3. Anschauen, welche Dienstleistungen inklusive sind und welche zusätzlich anfallen.

4. Vergleichswerte und Rechner nutzen, z.B.: Vergleichsstudie von MoneyLand (2020) mit verschiedenen Kostenbeispielen, Performance und Kostenvergleich von ZWEI Wealth, Rechner von MoneyLand.

5. Die erwartete Rendite mit einbeziehen, am Schluss geht es ja darum, welchen Mehrwert die Anlage nach Abzug aller Kosten inkl. allfälliger Währungsrisiken erwirtschaftet.

6. Die Kosten nicht nur in %, sondern mit den tatsächlich angelegten Beträgen in Zahlen berechnen oder berechnen lassen, da Kostenstrukturen auch mit den angelegten Beträgen variieren können.

Kostenfallen und wie du sie vermeiden kannst

Hier ist eine (nicht abschliessende) Liste der häufigsten Kostenfallen, welche TeilnehmerInnen in meinen Finanzseminaren oft ansprechen:

  • Beim Vergleich wird nur eine Kostenart mit einbezogen, z.B. die Verwaltungsgebühr, oder man bekommt einen Fonds angeboten, der günstig erscheint, rechnet man dann die Depotgebühr dazu, sieht der Preis ganz anders aus. Deshalb lohnt es sich immer, die Kosten mit dem tatsächlich angelegten Betrag und als Totalkosten zu berechnen.
  • Kosten für Depot und Kauf/Verkauf von Produkten sind zu hoch. Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen Banken und Online-Anbietern und ein Vergleich lohnt sich.
  • Allfällige Austrittskosten sind hoch, z.B. wenn man den Anbieter irgendwann einmal wechseln will, können die «Umzugskosten» pro Position eine grosse Belastung darstellen, deshalb lieber vorher erkundigen, wie sich dies auswirken könnte.
  • Auf den Dokumenten sind nicht alle Möglichkeiten aufgeführt, z.B. können Finanzanbieter je nach Verwendungszweck für Vorsorge andere Konditionen gewähren als wenn man das Produkt als normale Anlage nutzt, was aus den Unterlagen nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist.
  • Es kommt zu Überraschungen, dass Dinge, die man dringend benötigt, wie z.B. Steuerausweis, extra kosten oder nicht in der All-In-Fee enthalten sind. Hier hilft leider nur, das Kleingedruckte zu lesen.
  • Falsche Wahl des Anbieters für die Leistungen, die benötigt werden. So haben Studien ermittelt, dass spezialisierte Anbieter deutlich günstiger sein können, als wenn man eine All-Round Lösung wählt.
  • Kosten werden gar nicht oder selten beachtet, oft berichten mir Menschen auch, dass sie sich schämen es nicht sofort zu verstehen und nachzufragen.

Der Preisvergleich für Finanzprodukte und -dienstleistungen ist eine zeitraubende Herausforderung, aber regelmässige Vergleiche, auch auf bestehenden Produkten lohnen sich, da bereits wenige % im Zeitverlauf sehr viel ausmachen können. Welche Erfahrungen habt ihr mit Preisen von Anbietern gemacht und welche Tipps hab ihr?

bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.

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