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Im Eishockeystadion Bossard Arena des EV Zug werden in den Stehrampen die neuen Sitzplaetze montiert, dies wegen den Vorsichtsmassnamen waehrend der Corona Pandemie am Montag, 14. September 2020 in Zug. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Nicht nur in den Stadien wird umgerüstet, auch die Teams bekommen wohl noch ein anderes Gesicht. Bild: keystone

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Dramatischer Preiszerfall – so billig waren Hockey-Ausländer noch nie

Neue Ausländer kosten im Schweizer Eishockey inzwischen nicht einmal halb so viel wie vor einem Jahr. Die Virus-Krise führt zu einem dramatischen Preiszerfall auf dem internationalen Spielermarkt. Bald werden auch in Langnau und Bern weitere Ausländer verpflichtet.



So ändern die Zeiten, so ändern die Preise. Am 27. September 2016 kommt Eero Elo (30) aus der KHL nach Langnau. Mit etwas mehr als 20'000 Franken netto pro Monat gehört er damals zu den billigsten Ausländern der Liga.

Nun hat der sanfte finnische Riese in der zweithöchsten Spielklasse beim SC Langenthal unterschrieben. Für 5000 Franken netto pro Monat. Der Preissturz hat nur wenig mit seiner Leistung zu tun. Letzte Saison war er als Nothelfer ins Emmental zurückgekehrt und hatte in den letzten zehn Partien sechs Tore erzielt.

Die Virus-Krise hat den internationalen Spielermarkt auf dramatische Art und Weise verändert. Biels Sportchef Martin Steinegger sagt, die Preise für Ausländer dürften im Laufe des Herbstes um 50 bis 70 Prozent fallen. Und weil die Saison der nordamerikanischen Farmteamliga AHL auf der Kippe steht und die britische Operetten-Meisterschaft bereits abgesagt worden ist, könnte es sein, dass ausländisches Personal bis zur Weihnachtspause noch einmal erheblich billiger wird. Martin Steinegger hat festgestellt: «Viele werden bald froh sein, irgendwo auf gutem Niveau spielen zu können.» Unsere National League dürfte neben der NHL bald für alle die attraktivste Liga der Welt sein.

Bis auf zwei stehen alle Spieler der britischen Nationalmannschaft, die bei der WM 2019 sensationell den Klassenerhalt geschafft hatte, in der britischen Liga unter Vertrag. Nun haben diese rauen Kerle ihre Arbeit und vor allem ihre Trainings- und Spielgelegenheit verloren. «Das ist im Hinblick auf die nächste WM beunruhigend» sagt IIHF-Präsident René Fasel. Diese WM soll, so Gott will, vom 21. Mai bis 6. Juni in Weissrussland (Minsk) und Lettland (Riga) stattfinden.

Abgesagt sind diese Titelkämpfe noch nicht. Finden sie statt, muss Nationaltrainer Peter Russel – so etwas wie ein Ralph Krueger des britischen Hockeys – wohl eine Mannschaft mit Jungs zusammenstellen, die mehr als ein Jahr lang keinen Ernstkampf mehr bestritten haben. Für unsere beiden höchsten Spielklassen sind die Stars der britischen Liga aber nur bedingt tauglich.

Keine Meisterschaft und kein Hockey also im Reich von Boris Johnson. Und sollte die AHL die Saison absagen (was durchaus möglich ist), dann stellen 31 Teams ihren Betrieb ein und gut und gerne 500 Spieler kommen auf den Ausländermarkt. 50 davon mit dem Potenzial zum Star in der National League und weitere 300 gut genug für die Swiss League. Darunter viele Europäer.

Wenn es tatsächlich so weit kommen sollte, werden viele für Kost, Logis und Freibier in den örtlichen Gaststätten bei uns spielen. Wäre die Anzahl Lizenzen in der National League nicht begrenzt (acht pro Klub), dann würden die Sportchefs bis im Februar wohl zehn oder fünfzehn Ausländer probieren.

Pech also, wer seine ausländischen Stars noch zu guten Zeiten verpflichtete. Wie Gottérons Sportchef und Trainer Christian Dubé, der sogar fünf ausländische Hochpreis-Profi unter Vertrag hat. In diesen Fällen werden in den nächsten Wochen Gespräche über Lohnkürzungen laufen.

Es gibt noch eine «Karenzfrist»

Glücklich, wer jetzt noch Plätze zu vergeben hat. Die SCL Tigers haben erst zwei ausländische Stürmer in Lohn und Brot. Ben Maxwell (CAN) und Robbie Earl (USA). Der Amerikaner hat sich von seiner Gehirnerschütterung noch nicht erholt. Wir können davon ausgehen, dass Sportchef Marc Eichmann mindestens zwei, wohl sogar drei weitere Ausländer holen wird. Er sagt: «Wir beobachten den Markt aufmerksam und wenn der Preis stimmt, ist es nicht ausgeschlossen, dass wir weitere ausländische Spieler verpflichten werden.»

Auch der SC Bern hat noch nicht alle Ausländerlizenzen eingelöst. Weil eine für Torhüter Tomi Karhunen gebraucht wird, sollten eigentlich vier ausländische Feldspieler zur Verfügung stehen. Aber erst zwei (Ted Brithén und Dustin Jeffrey) sind da. SCB-Manager Marc Lüthi hat seiner Sportchefin Florence Schelling noch keine «Einkaufs-Bewilligung» erteilt. Aber mit einer Aufhebung des Einstellungsstopps ist zu rechnen. Er sagt: «Es ist möglich, dass wir weitere Ausländer verpflichten. Aber wir gehen keinerlei finanzielle Risiken ein.» Und da die Preise fallen wie die Blätter aus den Bäumen, wird dieses Risiko immer geringer.

SC Bern Spieler reagieren nach der Niederlage (3-5), beim Eishockey-Testpiel zwischen dem SC Bern und Red Bull Muenchen in der Postfinance Arena in Bern, am Sonntag, 6. September 2020. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der SCB wird sein Kader aller Voraussicht noch mit mindestens zwei Ausländern verstärken. Bild: keystone

Weil die Präsidenten und Manager so ausgiebig und laut über finanzielle Probleme gejammert, nach Geld aus der Staatskasse verlangt und Personalstopp gelobt haben, gilt es allerdings noch eine «Karenzfrist» einzuhalten: anständig wäre es, neue Ausländer erst einzustellen, wenn das Publikum das Lamentieren vergessen hat. Nach drei, vier Niederlagen in der Meisterschaft (Start am 1. Oktober) wird es dann zügig gehen.

Bereits jetzt gibt es Gratis-Ausländer. Die Edmonton Oilers haben beispielsweise Ryan McLeod bis zum Saisonstart in Nordamerika gratis dem EV Zug überlassen. Damit er Spielpraxis bekommt. Allerdings gibt es ein Problem: sobald die NHL-Trainingscamps beginnen, muss der Kanadier heimkehren. Voraussichtlich Mitte November. Das wird auch der Nachteil von NHL-Stars sein, die mit Einsätzen in unserer National League die Wartezeit auf den NHL-Start verkürzen wollen.

Weitere Rolex werden folgen

Besser sind Billig-Ausländer für die ganze Saison. Zwar ist nicht sicher, dass Eero Elo länger als zwei Monate in Langenthal bleibt. Er hat eine Ausstiegsklausel für die höchste Liga. Aber die Preise sind so stark gefallen und werden weiter fallen, dass er womöglich selbst mit 5000 Franken im Monat wegen des Spardruckes für die Sportchefs der National League zu teuer bleibt. Die Langnauer waren jedenfalls nicht bereit, den Finnen für diesen Lohn zu verpflichten. Deshalb stürmt er nun für Langenthal und sein Debut ist am Freitag im Testspiel gegen Ajoie geplant.

Eero Elo ist bei Langenthal zum Mini-Verdiener geworden. Bild: KEYSTONE

Langenthals Sportchef Kevin Schläpfer hatte letzte Saison mit dem Amerikaner Joey Benik und dem Kanadier Andrew Clark schon zwei «Billig-Ausländer» und kann es nach wie vor fast nicht fassen, dass er jetzt mit Eero Elo für noch weniger Geld eine echte Rolex auf dem internationalen Transferwühltisch gefunden hat.

Auf diesem Wühltisch werden in Kürze noch bessere und billigere Rolex als Eero Elo zu haben sein. Wohlweislich hat er eine Offerte von Langenthal akzeptiert, für die er vor einem Jahr nicht einmal das Hosentelefon aus dem Sack genommen hätte.

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
97ProzentVonCH68000
23.09.2020 16:25registriert August 2016
Ein Vorgeschmack, was normalen Arbeitnehmern hier und anderswo in der kommenden Weltwirtschaftskrise dank den Corona-Massnahmen droht. Nichts daran ist gut.
Bereits heute verhungern gemäss UNO täglich 12‘000 Menschen zusätzlich.
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Hallo22
23.09.2020 18:10registriert October 2016
McLeod ist nicht bis November ausgelehnt, sondern bis Edmonton in zurückruft. Laut Kläy ist es wahrscheinlich, dass er die ganze Saison bleibt.
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Ralph Will
23.09.2020 17:55registriert September 2019
Dieser "finnische Riese " ist doch kein Beispiel. Bei einem anderen Arbeitgeber in einer tieferen Liga weit weniger zu verdienen war schon vor Corona keine Sensation.
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