Justiz
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Prozess: Zürcher Ehepaar soll jahrelang eigene Kinder misshandelt haben



Mehr als sechs Jahre nach seiner Verhaftung stand ein fr

Bild: KEYSTONE

Ein mittlerweile getrenntes Ehepaar muss sich am Mittwoch vor dem Zürcher Bezirksgericht wegen mutmasslicher Misshandlung der eigenen Kinder verantworten. Die Liste der grausamen Taten, welche die beiden über acht Jahre begangen haben sollen, ist entsetzlich lang.

Der bald 50-jährige Vater und die heute 48-jährige Mutter werden von der Staatsanwaltschaft beschuldigt, ihre Tochter und ihren Sohn jahrelang fast täglich weggesperrt, geschlagen, gedemütigt und von der Aussenwelt weitgehend isoliert zu haben.

Die Taten soll das Elternpaar von Anfang 2003 bis Ende 2010 in Zürich begangen haben. Das Mädchen war zu Beginn der Qual fünf Jahre alt, der Knabe vier.

Im Keller ohne Licht eingesperrt

Die Eltern sollen die Kinder vier Jahre lang fast jede Nacht und mehrheitlich die ganzen Wochenenden eingeschlossen haben. Zunächst geschah das im Kinderzimmer, später im Keller ihres Reiheneinfamilienhauses – manchmal im Dunkeln ohne Licht.

Laut Anklage durften die Kinder nur selten auf die Toilette und mussten sich auf den Boden des Kinderzimmers und des Kellers erleichtern. Regelmässig gingen sie mit einem strengen Körpergeruch und nach Urin stinkenden Kleidern in die Schule.

Acht Jahre lang durften die beiden keine sozialen Kontakte zu anderen Kindern führen und auch nicht mit den Geschwistern spielen. «Beide Beschuldigten isolierten die Kinder durch ihr Verhalten nahezu komplett von der Aussenwelt», heisst es in der Anklageschrift.

Zudem wird das Paar beschuldigt, den Kindern regelmässig die Nahrung verweigert zu haben. Hingegen zwang die Mutter das Mädchen einmal, ihr Erbrochenes aufzuessen, den Knaben seinen Kot.

Der Vater soll die Kinder laut Anklage all die Jahre fast täglich geschlagen und getreten haben. Den Knaben schlug auch die Mutter jeden Tag.

In Heim eingewiesen

Die schreckliche Tortur endete im Dezember 2010. Beide Kinder wurden von den Behörden in die Notfallgruppe eines Heimes eingewiesen. Sie waren körperlich, psychisch und geistig schwer gezeichnet.

Beide waren stark eingeschüchtert und traumatisiert. Knabe und Mädchen waren untergewichtig, mangelernährt und für ihr Alter zu klein. Ihre geistige Entwicklung war verzögert.

11 und 12 Jahre alt zeigten sie ein kleinkindliches Verhalten. Sie verfügten über einen geringen Wortschatz und konnten keine zusammenhängenden Sätze sprechen. Die Anklage geht davon aus, dass beide als Erwachse eine Invalidenrente werden beziehen müssen.

Sexuelle Handlungen mit Kind

Der Vater soll auch mit den zwei weiteren gemeinsamen Kindern und der Tochter seiner Frau grausam umgegangen sein. Seine kleine Tochter soll er über Jahre alle paar Tage sexuell berührt haben.

Die erwachsene Tochter seiner Frau soll er einmal zu Oralverkehr gezwungen haben. Und schliesslich wird ihm vorgeworfen, seine Frau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und damit ihren Tod riskiert zu haben.

Die Anklage lautet für beide auf mehrfache schwere Körperverletzung und mehrfache Freiheitsberaubung. Dem Vater wird zudem sexuelle Handlung mit Kindern, sexuelle Nötigung und Gefährdung des Lebens zu Last gelegt.

Für die Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung. Der Prozess ist auf zwei Tage angesetzt. Der erste Verhandlungstag ist am 12. August, der zweite am 2. September. (sda)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Heini Hemmi 07.08.2020 22:53
    Highlight Highlight Und das soll niemand bemerkt haben? In der Schule? Bei den zuständigen Behörden? Sieben Jahre lang? Unglaublich! Die gehören auch alle vor den Richter, wegen unterlassener Hilfeleistung.
  • Miicha 07.08.2020 18:05
    Highlight Highlight Lebenslänglich, aber so richtig bis ans Ende des Lebens. Mehr gibt's dazu nicht zu sagen.
  • Garp 07.08.2020 16:41
    Highlight Highlight Würde mich interessieren in welcher Gemeinde das passiert ist. Kann mir nicht vorstellen, dass die Lehrer nicht versucht haben, da was zu unternehmen. Vielleicht sind sie dann aber auch einfach umgezogen. Gibt so Familien, die ziehen einfach um, sobald sich wer einschaltet.
  • Maracuja 07.08.2020 13:43
    Highlight Highlight Müsste bei solch offensichtlicher Misshandlung/Vernachlässigung nicht die Schule umgehend die KESB benachrichtigen. Manche Schule informieren schon bei viel geringeren Auffälligkeiten die KESB. Haben die Eltern verhindert, dass die Kinder an den üblichen schulärztlichen Kontrollen teilnahmen? In welchem Milieu lebte die Familie, dass bei solchen Verbrechen das ganze Umfeld wegschaute? Oder gab es Meldungen, die von den Behörden ignoriert wurden? Traurig, man kann nur hoffen, dass die Opfer sich wenigstens teilweise von den Schäden erholen können.
    • Hierundjetzt 07.08.2020 15:04
      Highlight Highlight Ich denke, es war schlussendlich die KESB die Einschritt.

      Aber gäll, wenn die Schule die Eltern kontaktiert und die sagen: alles ok! Dann wirds rasch sehr schwierig. Obhutsentziehung ist ohne Mitarbeit der Eltern sehr sehr schwer durchsetzbar.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 07.08.2020 15:52
      Highlight Highlight @hierundjetzt...schwierig aber nicht unmöglich
    • Hierundjetzt 07.08.2020 17:19
      Highlight Highlight Ohne konkreten Verdacht (blaue Flecken, Traumata), kannst Du nicht einfach eben so in eine Wohnung. Es ist verzwickt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Erklärbart. 07.08.2020 13:24
    Highlight Highlight Einfach krank.
    Wo waren die Eltern von 2010 bis heute? Hoffentlich in Untersuchungshaft... und hoffentlich bleiben sie bis ans Lebensende inhaftiert.
    • nadasagenwirjetzteinfachmal 07.08.2020 15:53
      Highlight Highlight Ich denke die sind in Freiheit und bekommen eine bedingte Strafe .
    • Hierundjetzt 07.08.2020 17:16
      Highlight Highlight Ich denke wir warten zuerst mal das Urteil ab...
  • niklausb 07.08.2020 12:50
    Highlight Highlight Die Tortur endete 2010. Hat es wirklich 10 Jahre gedauert um diese Monster vor Gericht zu bringen? Die Kinder 10 jahre aufpäppeln und dann erneut traumatisieren durch den Prozess unglaublich! Das grenzt an Verfahrensverschleppung. Genauso wie s ja schon zu lange dauerte bis die Kinder gerettet wurden sonst ist die Kesb ja auch nicht langsam.
    Ausserdem waren die Kinder im jahr 2010 11 und 12 jährig da muss man dann nicht vermuten dass sie im Erwachsenenalter IV beziehen müssen das weiss man ja schon seit 3 bzw. 4 jahren denn ab 18 ist man ja Erwachsen oder nicht?
    • sinas 07.08.2020 17:26
      Highlight Highlight Zur Verteidigung der KESB: diese gab es im Jahr 2010 noch nicht mal
    • who cares? 07.08.2020 18:12
      Highlight Highlight Die KESB gibt es erst seit 2013.
    • niklausb 08.08.2020 11:03
      Highlight Highlight Na dann war es halt zu dieser Zeit noch die Vormundschaftsbehörde (die waren auch nie zimperlich was das Fremdplatzieren angeht). Gerade in Städten ist da ja eigentlich nur eine Namensänderung vollzogen worden.
    Weitere Antworten anzeigen
  • thelastpanda 07.08.2020 12:34
    Highlight Highlight Da bleiben mir die Worte weg. Wie kann man nur so mit Kindern umgehen, und dann noch mit seinen eigenen? Und die anderen beiden wurden ja anscheinend nicht eingesperrt, wieso sie da wohl so einen Unterschied gemacht haben? Ich finde es aber auch bedenklich, dass die Eltern 7 Jahre lang die Kinder so quälen konnten, ohne dass jemand etwas gemacht hat. Wenn zwei Kinder regelmässig schmutzig und nach Urin stinkend zur Schule kommen, und in der Entwicklung so hinterher sind, muss das doch auffallen?
    • who cares? 07.08.2020 13:11
      Highlight Highlight Fürs Umfeld wars anscheinend mal wieder einfacher, wegzuschauen, als etwas Zivilcourage zu zeigen. Unverständlich.
    • maude 07.08.2020 14:40
      Highlight Highlight @who cares:ja aber das '11 und 12 Jahre alt zeigten sie ein kleinkindliches Verhalten. Sie verfügten über einen geringen Wortschatz und konnten keine zusammenhängenden Sätze sprechen.' dazu scheinbar offensichtliche mangelnde Hygiene und unterernährt...
      Ich kann mir nicht erklären, wie da seitens Schule nichts aufgefallen sein kann? Bei uns kommen Heilpädagogen und Schulsozis wegen jeder Nichtigkeit angedüst... Sehr seltsam das Ganze... Den Kindern schicke ich alles erdenklich Gute und hoffe, dass sie in ihrer Not nie mehr 'nicht gesehen' werden..Unvorstellbar...
    • who cares? 07.08.2020 18:10
      Highlight Highlight @maude Deshalb ja meiner Meinung nach unverständlich. Das Umfeld hat völlig versagt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Andre Buchheim 07.08.2020 12:15
    Highlight Highlight Unfassbar, ich bin immer wieder erschüttert, wie Menschen sich verhalten können und das dann auch noch als normal bewerten.
    Ich wünsche den Kindern alles Gute und rasche Genesung sowie dass sie einen liebevoll-fördernden Rahmen finden, der ihnen hilft, sich doch noch im Leben zu entfalten.
    Das Trauma bleibt ein Leben lang bestehen, ich rede aus eigener Erfahrung.
    • niklausb 07.08.2020 14:52
      Highlight Highlight Die Kinder sind jetzt schon Erwachsen das ganze fand 2010 ein Ende.

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