Osterwunder für «Timmy» möglich – so geht es dem Buckelwal in der Ostsee
Timmys Klagelaute
Es sind tiefe, lang anhaltende Töne – für das menschliche Ohr klingen sie klagend: Ein experimenteller Musiker aus Wien hat Spezialmikrofone installiert, um die Geräusche aufzuzeichnen, die der vor der Insel Poel in der Wismarbucht gestrandete Buckelwal von sich gibt.
Wie die «Bild»-Zeitung berichtet, soll es am Freitagabend gegen 23 Uhr plötzlich losgegangen sein: Der Wal habe angefangen zu singen und bis zum Morgengrauen nicht mehr aufgehört. Die Laute, die der Wal fast durchgehend von sich gegeben habe, hätten wie ein Weinen geklungen. Sogar in seiner Unterkunft, vier Kilometer vom Wal entfernt, habe der Musiker die tiefen Frequenzen noch empfangen.
Buckelwale sind bekannt für ihre komplizierten, in Strophen aufgebauten Gesänge. Männchen singen typischerweise zur Paarungszeit, Forscher nehmen daher an, dass die Gesänge entweder Weibchen imponieren oder männliche Rivalen fernhalten sollen.
Weitere Verletzungen entdeckt
Ein Sprecher des mecklenburg-vorpommerischen Umweltministeriums sagte am Sonntagmorgen unterdessen, die Lage des Wals sei unverändert. Der Wal werde rund um die Uhr beobachtet und regelmässig durch Einsatzkräfte der Feuerwehr mit Wasser benetzt.
Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte den Wal am Samstag besucht. Danach erklärte er, der Wal atme mal alle zwei Minuten, mal alle vier bis fünf Minuten. Er habe auch wieder gerufen: «Aber man sieht eben auch, dass seine Aktivitäten geringer werden», erklärte Backhaus.
Zudem seien weitere Verletzungen des Wals sichtbar geworden. Wahrscheinlich seien diese Verletzungen auf dem Rücken und an der linken Flanke durch Schiffsschrauben entstanden, sagte Backhaus am Samstag: «Das hatten wir vorher überhaupt nicht gesehen.» Zudem gebe es Abdrücke, wahrscheinlich von einem Netz.
So geht es weiter
Um seinen Gesundheitszustand besser einschätzen zu können, sollen nun Wasserproben untersucht werden. Er habe angewiesen, das Wasser vor Ort auf seinen Salzgehalt zu überprüfen, erklärte Backhaus am Ostersonntag. «Wir wissen, dass das wenig salzhaltige Wasser dem Tier bereits schwer geschadet hat. Wir brauchen aber verlässliche Daten und die wollen wir heute gewinnen.»
Nach den Ostertagen sollen Fachleute noch einmal nach dem Wal sehen und seinen Gesundheitszustand begutachten. Das sei «für alle weiteren Planungen wichtig». Der Minister schloss jedoch kategorisch aus, dass der Wal getötet werde: «Das wird hier nicht stattfinden», sagte er. «Wir können ihn nicht einfach erlösen, durch was auch immer.»
Das Wetter und ein mögliches Wunder
Der Wal wird regelmässig durch Einsatzkräfte der Feuerwehr mit Wasser benetzt. «Die Positionierung der Wassersprenger muss aufgrund des Wetters gegebenenfalls angepasst werden», sagte der Sprecher. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet am Sonntag mit starken Windböen an der Ostseeküste. Diese könnten die Bewässerung erschweren.
Am Sonntagmittag stieg das Wasser etwas an. Damit keimt in Backhaus etwas Hoffnung auf: «Seine Bewegungen zeigen, dass der Wal lebt. Wenn das Wasser weiter steigt, es ein Wunder gibt, was den Wal betrifft, wäre das ein Riesenglück, die Auferstehung», sagt er zur «Bild».
Wie lange Timmy noch lebt, ist unklar
Seit Anfang März hatte sich der Buckelwal viermal festgesetzt. Dreimal war es ihm gelungen, wieder loszuschwimmen. Zunächst war er im Hafen von Wismar gesichtet worden, später am Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein und letztlich war er vor Wismar gestrandet.
Am Mittwoch waren jegliche Rettungsversuche des am Dienstag vor Poel gestrandeten Wals eingestellt worden. Nach Angaben der Fachleute und Meeresschützer vor Ort wird das Tier wohl in der Bucht sterben. Wie lange der Wal noch überleben wird, lässt sich nach Einschätzung der Experten nicht vorhersagen. «Bei einem Grosswal kann der Sterbeprozess mehrere Tage dauern, während denen der Druck des eigenen Körpergewichts zunehmend die Organe schädigt», erläuterte die Meeresbiologin Tamara Narganes Homfeldt von der Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) der Deutschen Presse-Agentur. Langfristig werde dies zu einem Kreislaufkollaps und Organversagen führen.
Doch wann wissen die Spezialisten, wann Timmy definitiv nicht mehr lebt? «Wenn der Buckelwal gestorben ist, wird sich dies durch völlige Regungslosigkeit sowie insbesondere eine fehlende Atmung über einen längeren Zeitraum von etwa einer Stunde bemerkbar machen», erläuterte Narganes Homfeldt. Dass der Wal gestorben ist, werde sich zudem wenige Tage später durch Gase zeigen, die den Walkadaver aufblähen und für Verwesungsgerüche sorgen.
(mit Material der sda)

