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Polizeiabsperrungen vor dem Kaufhaus in Würzburg, in dem sich der mutmassliche Täter das Messer besorgte.
Polizeiabsperrungen vor dem Kaufhaus in Würzburg, in dem sich der mutmassliche Täter das Messer besorgte.
Bild: keystone

Messerattacke von Würzburg: Motiv noch unklar +++ Täter besorgte sich Waffe im Kaufhaus

Nach der tödlichen Messerattacke in Würzburg rückt nun das Motiv des mutmasslichen Täters in den Fokus. Auch in der Nacht zu Samstag war die Polizei mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort, um die Hintergründe und den Ablauf der Tat zu ermitteln.
26.06.2021, 09:3526.06.2021, 16:33

Das Motiv für die tödliche Messerattacke von Würzburg am Freitag ist noch immer nicht vollends geklärt. Es müsse jetzt ermittelt werden, inwiefern die Psyche des 24 Jahre alten Somaliers eine Rolle gespielt habe und inwiefern islamistische Einstellungen zur Tat beigetragen hätten, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Samstag bei einer Pressekonferenz in Würzburg. Die Ermittler gingen weiter davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.

Von den mindestens fünf Schwerverletzten des Messerangriffs kämpfen nach Herrmanns Angaben immer noch mehrere Menschen um ihr Leben. Er hoffe und bete, dass diejenigen, die in Lebensgefahr seien, wieder genesen könnten.

Laut Angaben der Polizei hatte sich der mutmassliche Täter das Messer, mit dem er seine Opfer attackierte, am Freitagnachmittag in der Haushaltswarenabteilung eines Kaufhauses besorgt. Er hatte sich dort zunächst nach Messern erkundigt und danach eines der Messer ergriffen und damit auf eine Verkäuferin eingestochen. Die Frau starb noch vor Ort. Auf dem Weg aus dem Kaufhaus heraus tötete der Mann noch zwei weitere Frauen.

Auch in der Nacht auf Samstag ermittelte die Polizei weiter.
Auch in der Nacht auf Samstag ermittelte die Polizei weiter.
Bild: keystone

Die Polizei hatte den mutmasslichen Täter mit einem gezielten Schuss gestoppt, nachdem Passanten ihnen den Weg gezeigt hatten. Der 24-Jährige, der seit 2015 in Würzburg lebt, kam mit einem Oberschenkeldurchschuss in ein Krankenhaus. Dort machte er laut Polizei auch kurze Angaben. Was genau er sagte, war zunächst unklar.

In der Mainstadt herrschte am Abend Entsetzen. Menschen stellten in der Nähe des Tatorts brennende Kerzen in Gedenken an die Opfer auf. In den Blickpunkt gerieten auch die couragierten Bürger, die sich dem Angreifer in den Weg stellten. Dank kam unter anderem von vielen Politikern, die offensichtlich die kurzen Videoclips in sozialen Netzwerken gesehen hatten, in den Passanten den Somalier attackieren.

Drei Menschen sind bei dem Angiff in Würzburgs Innenstadt ums Leben gekommen:
Drei Menschen sind bei dem Angiff in Würzburgs Innenstadt ums Leben gekommen:
Bild: keystone

«Ein grosser Dank und Respekt für das beherzte Eingreifen vieler Bürger, die sich dem mutmasslichen Angreifer entschlossen entgegenstellten», schrieb Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf Twitter. Dies habe möglicherweise dann auch dazu beigetragen, weitere Opfer zu verhindern, sagte Landesinnenminister Joachim Herrmann (CSU). CDU-Chef Armin Laschet schrieb auf Twitter, er fühle besonders mit den Familien der Toten mit und hoffe auf eine baldige Genesung der Verletzten. «Mein grosser Respekt gilt den mutigen Bürgern, die schnell eingeschritten sind.»

Dank kam auch von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger oder dem FDP-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Martin Hagen, der twitterte: «Grossen Respekt an die couragierten Bürger, die sich dem Täter in den Weg gestellt und verhindert haben, dass noch mehr Menschen zu Schaden kommen.»

FDP-Chef Christian Linder und die Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock von den Grünen gedachten zudem der Opfer und ihrer Angehörigen. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans bezeichnete die Tat auf Twitter als sinnlos und abscheulich. Den Opfern und ihren Angehörigen gelte sein tiefes Mitgefühl. Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) zeigte sich ebenfalls sehr betroffen über das «schreckliche Verbrechen». Er finde es unglaublich, dass viele Menschen so engagiert gehandelt und ihr eigenes Leben gefährdet hätten.

Bei der Einordnung der Bluttat schloss CSU-Politiker Herrmann einen islamistischen Anschlag nicht aus: «Es gibt jedenfalls Indizien dafür, dass es sich um einen islamistischen Anschlag handeln könnte», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ein Zeuge gab ihm zufolge an, der Verdächtige habe bei der Tat «Allahu Akbar» (deutsch: «Gott ist gross») gerufen.

Passanten kämpften mit Besen und Stühlen

Der Verdächtige war laut Polizei in den vergangenen Monaten bereits gewalttätig gewesen und psychisch aufgefallen. Erst vor einigen Tagen sei er wohl in eine psychiatrische Behandlung eingewiesen worden, sagte Herrmann. Nach Polizeiangaben lebte der Mann zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft. Oberbürgermeister Schuchardt sagte, der Migrant sei seit fünf Jahren in Deutschland gewesen. Welchen Aufenthaltstitel der Verdächtige hatte, war am Abend noch unbekannt.

Am Freitagnachmittag filmten Passanten den Mann noch vor seiner Festnahme in Würzburg. In den im Internet verbreiteten Clips war zu sehen, wie mehrere Menschen versuchen, den Angreifer zu überwältigen. Ein Mann ging mit einem Besen auf den 24-Jährigen los, andere waren mit Stühlen in der Hand zu sehen.

Menschen stellen in der Nähe des Tatorts Kerzen auf.
Menschen stellen in der Nähe des Tatorts Kerzen auf.
Bild: keystone

Die Tat erinnert an einen islamistischen Anschlag vor knapp fünf Jahren in Würzburg. Am 18. Juli 2016 waren in einem Zug vier Menschen schwer verletzt worden. Ein 17-jähriger afghanischer Flüchtling hatte mit einer Axt und einem Messer in einem Regionalzug auf dem Weg nach Würzburg die Reisenden angegriffen. Anschliessend flüchtete er zu Fuss, attackierte eine Spaziergängerin und wurde schliesslich von Polizisten erschossen. (viw/sda/dpa)

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