«Kabinenaufstand» in der Hockey-Nati – Roman Josi fordert Fischers Rückkehr
Die Publikumspetition für Patrick Fischer, die angeblich schon eine Viertelmillion Fans unterstützen, ist ohne Wirkung. Gut fürs Spektakel, unerheblich für die Entscheidungsfindung des Verbandsverwaltungsrates, der das Mandat mit Patrick Fischer bekanntlich fristlos aufgelöst hat.
Ganz anders verhält es sich mit der Meinung der Spieler. Am Sonntagabend hat es in der Buchstabenbüchse von Verbandspräsident Urs Kessler gehörig gerumpelt. Schriftlich haben die NHL-Titanen, angeführt von Roman Josi dem Präsidenten und dem Verwaltungsrat nahegelegt, Patrick Fischer wieder ins Amt einzusetzen. Sie seien mit Patrick Fischer den Weg gegangen, es sei Patrick Fischers Team und die WM (erstes Spiel am 15. Mai in Zürich gegen die USA) sei Patrick Fischers Turnier. Der Wortführer der «Aufständischen» ist Roman Josi und nicht alle NHL-Spieler gehören zur Rebellengruppe. Wie der Blick berichtet, sollen Nino Niederreiter, Nico Hischier, Timo Meier und Pius Suter gegen diesen Schritt gewesen sein. Kevin Fiala soll den Brief zwar befürwortet, aber nicht unterschrieben haben.
Mit einer WM-Absage hat Roman Josi nicht gedroht. Das würde ja auch nicht dem Stil von Roman Josi entsprechen. Es war eine wohlformulierte, hochanständige, aber doch in einem der Sache gerecht werdenden dringlichen Ton abgefasst. Ganz offensichtlich sind hier bessere Kommunikationsberater am Werk als beim Verband.
Urs Kessler müssen – um es in der Kabarettsprache von Franz Hohler zu sagen – «dChnöde glötet ha». Und diesmal hat er nicht die Nerven verloren. Wohlwissend, dass ein Rückzieher seine ganze Autorität ruinieren würde. Also ist er gestern Abend nach Biel geeilt, wo Jan Cadieux mit der Mannschaft im schmucken Hockey-Tempel die beiden Länderspiele gegen das übermächtige Ungarn vom Donnerstag und Freitag vorbereitet. Die NHL-Titanen sind noch nicht dabei, sie werden erst nächste Woche in der Schweiz erwartet.
Er ist vor die Mannschaft getreten, hat mit allen Staff-Mitgliedern gesprochen und natürlich auch mit Patrick Fischers Nachfolger Jan Cadieux. Es ist ihm – so wird von den Gewährsleuten aus Biel berichtet – inzwischen gelungen, den «Kabinenaufstand» in den Griff zu bekommen. Sozusagen mit einem „Rütlischwur on Ice“: Die Staff-Mitglieder und die Spieler haben dem neuen Chef Jan Cadieux sinngemäss die Treue geschworen. Es kommt nicht zu einer Rebellion. Inzwischen gehe Urs Kessler davon aus, dass sich auch die NHL-Rebellen einlenken und ganz im Sinne der Sache für eine tolle WM vorbehaltlos Jan Cadieux unterordnen. Zu jenen, die zur Loyalität mahnen, gehört Nino Niederreiter, der sich mittlerweile schon in der Schweiz befindet. Auch wenn nicht alle hinter der Solidaritätsaktion für Patrick Fischer stehen, so zeigt sich doch, wie sehr sich auch die Spieler mit dem ganzen Theater beschäftigen und Patrick Fischer nicht einfach ein abgesetzter Trainer ist und es noch nicht so weit ist, dass alles wieder seinen gewohnten Gang geht.
Offen ist noch die Begnadigung von NHL-Verteidiger Lian Bichsel. Patrick Fischer hatte ihn ja bis Ende dieser Saison suspendiert, weil er einst Aufgeboten der Junioren-Nationalmannschaft nicht Folge geleistet hatte. Der Bann ist vom Verwaltungsrat aufgehoben worden. Es liegt nun am neuen Nationaltrainer Jan Cadieux, ob er Lian Bichsel – sollte er mit Dallas aus den NHL-Playoffs ausscheiden – für die WM aufbieten wird.
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