DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
«Der Stärkere ist verpflichtet, die Interessen des Schwächeren zu berücksichtigen.» Daran müssten sich auch Kinder im Zusammenspiel mit Tieren halten, findet Gerichtspsychiater Frank Urbaniok. 
«Der Stärkere ist verpflichtet, die Interessen des Schwächeren zu berücksichtigen.» Daran müssten sich auch Kinder im Zusammenspiel mit Tieren halten, findet Gerichtspsychiater Frank Urbaniok. 
Bild: KEYSTONE

Macht das Töten von Fischen aggressiv? Tierschutz will Kindern das Fischen verbieten 

Der Schweizer Tierschutz will ein Mindestalter für Angler festlegen und kriegt dafür Schützenhilfe vom bekannten Gerichtspsychiater Frank Urbaniok. 
23.04.2015, 10:2623.04.2015, 11:40

Im Kanton Zürich können Kinder ab 10 Jahren ein Anglerpatent lösen, im Kanton Bern gibt es gar keine Alterslimite – ganz im Gegensatz zur Jagd, wo eine Alterslimite von 18 Jahren gilt. 

Das will der Schweizer Tierschutz (STS) ändern und hat sich dafür einen prominenten Gerichtspychiater an Bord geholt. Wer Tieren Schmerzen zufüge, sei noch kein potenzieller Straftäter, stellt Frank Urbaniok, Chefarzt des Forensisch-Psychologischen Dienstes des Zürcher Amts für Justizvollzug gegenüber dem Tages-Anzeiger klar, aber: «Solche Handlungen prägen das Verhalten.» Gerade Kinder nähmen Gewalteindrücke besonders stark wahr. Erfahrungen wie das Töten eines Fisches könnten zu einer Abstumpfung gegenüber tierischem Leid führen. 

Die Kinder seien damit einer asymmetrischen Machtbeziehung ausgesetzt: «Der Stärkere ist verpflichtet, die Interessen des Schwächeren zu berücksichtigen», sagt er. Dies sei Ausdruck von Respekt und zeige, dass Grenzen akzeptiert würden. Daran müssten sich auch Kinder im Zusammenspiel mit Tieren halten.

Alkohol erst ab 16, Tiere töten schon im Kindesalter

Auch Sara Wehrli vom STS verknüpft das Töten von Tieren mit einer grossen Verantwortung. Das Gesetz müsse deshalb vereinheitlicht werden. Wehrli stört sich etwa daran, dass der Konsum von weichen alkoholischen Getränken oder Zigaretten erst ab 16 Jahren erlaubt ist, das «Töten empfindungsfähiger Wirbeltiere» dagegen schon viel früher. 

Der Tierschutz will eine Altersgrenze von 16, allenfalls sogar 18 Jahren. Die Forderung fällt in eine Zeit, in der das Fischen boomt. Der Kanton Zürich etwa hat 2013 6949 Patente ­herausgegeben – über 12 Prozent mehr als 2009. 

Braucht es eine Alterslimite fürs Angeln?

Gemäss eidgenössischer Fischereiverordnung müssen Angler im Besitz eines eines Sportfischer-Brevets oder des Sachkundenachweises (Sana-Ausweis) sein. Die Tierschutzverordnung erlaubt aber eine Ausnahme: Das Freiangelrecht, das für die meisten grossen Schweizer Mittelland- und Voralpenseen gilt, so etwa am Bieler-, Brienzer-, Thuner- und Zürichsee. Demnach darf vom Ufer aus jeder fischen, unabhängig von seinem Alter. 

Der Tierschutz befürchtet, dass sich durch das Freiangelrecht die Gefahr von Verstössen gegen den Tierschutz erhöht. Eine bisher unveröffentlichte Studie des STS über Fischteichbetreiber kommt zum Schluss, dass die Betreiber sich war bemühen, die Tierschutzvorschriften zu gewährleisten, doch sei es in der Praxis schwierig, bei grossem Besucheransturm sämtliche Fischer zu überwachen. 

Der Zentralpräsident es Schweizerischen Fischerei-Verbands, Roland Seiler, hält die Aktion des STS für Panikmache. Es sei zwar «wahrscheinlich», dass bei der Freianglerei Missbräuche vorkommen. «Wir gehen jedoch davon aus, dass es sich um Einzelfälle handelt und das Problem vom STS dramatisiert wird», sagt Seiler. (rar)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Werden bei einem Nein zum Covid-Gesetz Reisen in Europa unmöglich? 5 Fragen und Antworten

Mit einem Nein zum Covid-Gesetz dürfte der Bund keine neuen Covid-Zertifikate mehr ausstellen. Was hat das für Auswirkungen für Reisen in Europa? Fünf Fragen und Antworten.

Justizministerin Karin Keller-Sutter warnt im Interview mit CH Media vor den Konsequenzen eines Volks-Nein zum Covid-Gesetz Ende November: «Das Reisen wäre erschwert. Wir hätten Probleme im EU-Raum, weil wir das Zertifikat gegenseitig anerkennen», so Keller-Sutter.

Aber stimmt das? Wäre das Schweizer Covid-Zertifikat bei einem Nein wirklich auf einen Schlag ungültig und damit Reisen in Europa für Schweizerinnen und Schweizer Reisen eingeschränkt?

Die Antworten auf die wichtigsten fünf Fragen.

Ja. …

Artikel lesen
Link zum Artikel