FragFrauFreitag
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Bild: Kafi Freitag: Lieber Gläser aus dem Brocki an die Wand werfen, als sich selber. 

FRAGFRAUFREITAG

FragFrauFreitag

Liebe Frau Freitag, wieso gibt es keine Tablette, die man einfach bei Liebeskummer schlucken kann? Wieso tut es so weh? Was soll das? Nina, 26



Liebe Nina 

Sie armer Tropf! Am liebsten würde ich Sie jetzt grad bitzli herzen und knuddeln und mich tröstend um Sie schmiegen. Liebeskummer ist so furchtbar, ich weiss! Man hat das Gefühl, daran zu sterben. Immer wieder. Und jeden Tag aufs Neue. Es ist die reine Folter. Gopf!

Und es gibt meines Wissens nichts, was wirklich dagegen hilft. Ausser Zeit. Denn wenn Sie es jetzt auch nicht wirklich glauben wollen; es wird vergehen. Das einzig positive am Herzschmerz ist, dass er vergänglich ist. Das kann ich Ihnen garantieren. Ich bin durch viele kleine Tode gegangen und ich lebe noch. Es ist sogar so, dass Sie mit genügend Abstand ein fast schon romantisches Bild dieser schlimmen Phase zeichnen werden. Irgendwann werden Sie zurückblicken und denken: «Ach war das eine intensive Zeit. Da hat es mir fast das Herz rausgerissen. Ui, hat das wehgetan. Wär ich doch nur ein klein bisschen musisch. Ich hätte wunderbare Songs schreiben können und Bilder dazu malen. Ich muss dringend in einen Töpferkurs. Fürs nächste Mal.» 

Nein ernsthaft. Bitte glauben Sie mir. ES VERGEHT!

Weil ich wirklich noch kein Patentrezept dagegen gefunden habe (und ich hatte Weissgott genügend Möglichkeiten, um an meinem Repertoire zu arbeiten, müssen Sie wissen), werde ich Ihnen hier mal auflisten, was garantiert nicht nützt. Oder nur ganz kurz. Alle diese Techniken wurden von mir selber erprobt und studiert. Und für vollkommenen Mumpitz erklärt. Aber sehen Sie selbst.

Den Kopf gegen die Wand schlagen: habe ich ein paar Wochen intensiv betrieben. Hat eine Schmerz verlagernde Wirkung, da intensive Kopfschmerzen daraus resultieren. Diese Technik habe ich so lange betrieben, bis mein Kopf langsam unförmig zu werden schien. Kann kurzfristig wirken. Es empfiehlt sich, dies an einer Aussenwand zu tun. Also nicht draussen, Gott bewahre! Sie wären innerhalb kürzester Zeit in einer Geschlossenen. Ich meine natürlich eine Wand, an welche keine andere Wohnung grenzt. Bitte denken Sie an Ihre Nachbarn! Überhaupt ist die Schmerzverlagerung eine wirksame Sache. Ich habe mir einmal vor einigen Jahren, auf dem Peak einer Herzschmerzkrise, sogar die Lippen aufspritzen lassen, weil ich gehört hatte, wie saumässig schmerzhaft das ist. (Ich hatte ein %-Schreiben in der Inbox und folgte meinem Grundsatz von «Sparen beim Kaufen»). Die Aktion war doppelt masochistisch, weil ich der Ärztin vorgeschrieben hatte, dass man davon nichts sehen dürfe. «Nur hier am Rand ein bisschen, bitte füllen sie höchstens den Schwung hier etwas auf!» Die Sache hat doppelt geschmerzt, weil wirklich saumässig aua und das Ganze hat dann trotzdem noch saumässig viel gekostet und keine Sau hat's gesehen. Wir lernen: wenn sich dreimal «Sau» in einen Satz packen lässt: Bleiben lassen!

Alkohol: ist dein Sanitäter in der Not. Alkohol ist dein Anker und dein Rettungsboot. Pusteblume! Wirkt zwar zuverlässig gegen viele Arten von Schmerz. Führt dafür viele andere herbei. Wird sich in der Vorstellungsrede bei den Anonymen Alkoholikern vermutlich recht gut machen: «Ich heisse Blabla und bin Alkoholikerin. Angefangen hat alles damit, dass ich furchtbaren Liebeskummer hatte ...», trotzdem ist der Kollateralschaden einfach irgendwie zu gross. Also besser bleiben lassen.

Mit dem/der/den Nächstbesten ins Bett steigen: eine unter Männern sehr verbreitete Strategie. Kann auch bei uns Frauen wirken. Meistens gehört für uns Liebe und Sex aber so sehr zusammen, dass die Wunde im Herz auch eine in die Muschi gräbt. Und wer will schon an einer offenen Wunde umegusle. Probieren können Sie das aber alleweil. Etwas Nähe zu einem anderen Menschen hat sicher noch niemandem geschadet. Schauen Sie dabei aber ganz gründlich darauf, dass es für Sie stimmt. In Zeiten von Liebeskummer gleicht man einem angefahrenen Rehkitz. Bitte geben Sie Acht darauf, dass man Sie nicht noch gänzlich überfährt!

Sich im Konsum verlieren: Selten ist es einfacher, sich drei Paar sündhaft teure Schuhe zu kaufen, die man danach nie tragen wird, weil a) zu hoch, b) zu teuer, c) zu teuer), d) zu teuer. Eine sehr kurzfristig erfolgreiche Angelegenheit, weil man sich damit mit dem Brustton der Überzeugung sagen kann «Weil ich es mir wert bin!». Selbstredend eine höchst einladende Kur, da genau das gestaucht, verdaut und wieder ausgespuckt wurde; unser Selbstwertgefühl. Mag sein, dass sich mit drei Paar sündhaft teuren Schuhen, die man danach nie tragen wird, weil a) zu hoch, b) zu teuer, c) zu teuer), d) zu teuer, dieses Gefühl wieder etwas herstellen lässt. Spätestens beim Eintreffen der Kreditkartenabrechnung wird diese Illusion aber wieder schwinden und auch noch dort einen Katzenjammer hinterlassen, wo vorher keiner war. Darum: bitzli Konsum ist vollkommen ok. ‹Shop till you drop› würde ich aber bleiben lassen.

Unkontrolliertes Fressen / Essen verweigern: beides sehr verbreitete Strategien bei leidenden Frauen. Das Erste soll wohl das Vakuum etwas ausfüllen, bei Zweiterem ist es ein Schrei nach Aufmerksamkeit. Schliesslich kümmert sich jeder um eine abgemagerte Frau! Beides sehr unökologische Methoden. Dem Fressen folgt das schlechte Gewissen und schlussendlich das Fett-Sein. Dem Hungern folgt eine Essstörung oder zumindest ein extrem geschwächtes Nervenkostüm. Als hätte man an dieser Stelle noch was abzugeben! Wenn Sie sich was Gutes tun wollen - und das sollten Sie jetzt unbedingt - dann sündigen Sie bitte auf der Qualitätsebene und nicht in Sachen Quantität! Gönnen Sie sich eine kleine Schachtel der allerexklusivsten Pralinés anstatt sieben Tafeln Kochschokolade. Ein Glas sündhaft teuren Champagner, anstatt drei Flaschen Pesca Frizz! Denken Sie daran, es gibt ein Leben nach dem Schmerz. Wäre einfach ganz schön Scheisse, wenn Sie dieses mit einer Diät beginnen müssten! Darum: exzessives Essverhalten bitte in Massen. (Was an sich schon ein vollkommener Nonsense ist. Weil in Massen ist ja nix mehr exzessiv. Aber Sie wissen schon, was ich meine.)

Tut mir leid, dass ich keine äquivalente Liste mit «to do's» nachliefern kann. Das Einzige, was Sie tun können, ist sich abzulenken und mit lieben Menschen zu umgeben. Gehen Sie aus! Treffen Sie Freunde! Alleine Zuhause sitzen und traurig sein, bringt Sie nicht weiter.

Sie müssen in ein neues Leben starten. Dazu gehört auch, Abschied vom alten zu nehmen. Entfreunden Sie sich auf Facebook oder anderen sozialen Medien. Löschen Sie seine Nummer vom Handy!!! Es gibt nichts Schlimmeres, als den Ex weiterhin virtuell um den Kopf geschlagen zu bekommen. Meiden Sie gemeinsame Orte. Setzen Sie sich diesem Scheiss nicht aus; es bringt nichts!

Schauen Sie sich gut, liebe Nina. Ich schicke Ihnen in diesem Moment noch eine Überdosis Pink. Hoffe, das wird gut bei Ihnen ankommen. Kuss, meine Liebe und Kopf hoch! Es geht V O R Ü B E R ! Versprochen! Ihre Kafi.

Fragen an Frau Freitag? 

Hier stellen!

Kafi Freitag (39) beantwortet auf ihrem Blog www.FragFrauFreitag.ch Alltagsfragen ihrer Leserschaft. Im analogen Leben führt sie eine Praxis für prozessorientiertes Coaching (www.freitagcoaching.ch). Sie ist verheiratet und Mutter eines neunjährigen Sohnes, wohnt mitten im Zürcher Kreis 4 und versucht, ihren Alltag so vernünftig wie nötig und amüsant wie möglich zu leben. 

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • purpur 24.06.2014 11:44
    Highlight Highlight Liebe Nina,

    für mich es gibt ein todo; stricken. Ich habe meine Männer zuerst bestrickt, und wenn das nicht mehr ging verstrickt. Zumeist entstand dabei ein Pullover - und die Zeit verging dabei auch, und zudem entstand etwas dabei, etwas Schönes, Nützliches, Handfestes… etwas das nicht Nichts war. Hm, mir tat das gut. Stricken kann man auch mit Aussicht auf See, Berge usw.

    Beim letzten, und den liebte ich immerhin vierzehn ganze Jahre lang, entstand bis anhin nur ein Badezimmerteppich, gehäkelt aus einem unserer alten Fixleintücher. Ich frage mich ein bisschen, ob das bedeutet, dass ich ihn mit Füssen treten will, oder ob ich noch immer ein wenig auf ihn stehe und so weiter, und alle diese Fragen und Antworten schaffen letztendlich Distanz und lassen Abschied nehmen und Wunden heilen. Bei mir hilft's; nebst dem Umgeben mit mir lieben Menschen.
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