Erster Titel seit 1965 – in Österreich bastelt ein Underdog am Wunder
In der Saison 1964/65 gewann der Linzer Athletik-Sport-Klub die lange einzigen beiden Titel der Vereinsgeschichte. Vor zwei Wochen folgte mit dem Cupsieg dann der dritte – nun könnte er nach 61 Jahren zum zweiten Mal Meister werden. Würde der LASK das Double tatsächlich wiederholen, wäre das ein kleines Wunder.
Vor der Saison ist der Klub aus Oberösterreich als krasser Aussenseiter gehandelt worden. Wer auf die Linzer als Meister gesetzt hat, darf auf rund das 50-Fache des Einsatzes hoffen. Favorit war einmal mehr RB Salzburg, das seit 2006/07 14 von 17 Meisterschaften geholt hat. Am vergangenen Wochenende gewann Linz das Direktduell und besiegelte damit das Schicksal des Dosenvereins: Erstmals seit 22 Jahren wird dieser nicht mindestens Zweiter.
Auch die Klubs aus der Hauptstadt haben nur noch indirekt etwas mit dem Kampf um den Titel zu tun. Austria Wien empfängt am letzten Spieltag vom heutigen Sonntag (14.30 Uhr) Leader LASK, Rapid reist zu Sturm Graz. Der Meister der letzten beiden Jahre ist der einzige verbliebene Konkurrent des Linzer ASK, dem aber ein Unentschieden zum Titel reicht. Dies liegt am kuriosen Modus der österreichischen Bundesliga. Nach 22 Runden wird dort nämlich die Liga geteilt und die Punkte werden halbiert. Linz hatte damals 37 Zähler auf dem Konto, diese wurden abgerundet, weshalb es bei Punktgleichheit mit Graz trotz der schlechteren Tordifferenz Meister wäre.
Der Trainer kam mitten in der Saison
Für Trainer Dietmar Kühbauer ist nun klar: «Wenn wir so nahe dran sind – so ehrlich müssen wir sein –, wollen wir jetzt alles haben.» Ihm ist aber auch bewusst, dass «die Austria uns den Meistertitel nicht schenken wird». Wie auch für den Stadtrivalen Rapid geht es für die Wiener um die Plätze im Europacup. Kühbauer fordert von seinem Team deshalb, voll auf Sieg zu spielen. Auf ein Unentschieden zu hoffen, sei «der falsche Weg».
Es passt zu Kühbauer und dem LASK, der in dieser Saison mit einem attraktiven Spielstil überzeugt. Das ist vor allem das Verdienst des 55-jährigen Trainers. Kühbauer übernahm das Team erst nach neun Runden, zu dem Zeitpunkt hatte der LASK erst zwei Siege auf dem Konto und war Elfter von zwölf Teams. Die Rückkehr nach Linz, wo er 2023 entlassen worden war, kam auch für seinen damaligen Klub überraschend. Schliesslich stand der Wolfsberger AC auf Platz 3.
Kühbauer sah bei den Linzern aber anscheinend grosses Potenzial. «Ich spüre grosse Motivation und will diesen Verein dorthin führen, wo er hingehört», sagte er im Oktober 2025. Schon jetzt kann gesagt werden, dass er diese Ankündigung mehr als erfüllt hat. Kühbauer ist ein Trainer der alten Schule, vereint in Interviews gnadenlose Ehrlichkeit mit Humor und eckt mit seiner aufbrausenden Art an der Seitenlinie auch mal an. Mit seiner Mischung aus Herzlichkeit und Härte kommt er bei den Spielern aber gut an.
Captain Sascha Horvath lobt: «Er bringt das rein, dass die Spieler Vollgas geben, aber trotzdem gleichzeitig eine gewisse Leichtigkeit an den Tag legen.» Stürmer Samuel Adeniran, der hinter dem nun verletzten Moses Usor zweitbester Torschütze des Teams ist, fügt an, dass der Trainer genau wisse, wie er den Spielern helfen könne: «Er hat uns Selbstvertrauen gebracht und gibt jedem die Freiheiten, so Fussball zu spielen, dass er seine Stärken einbringen kann.»
Die Renaissance des Dauerverletzten
Eine schöne Geschichte schreibt beim LASK auch Sasa Kalajdzic. Aufgrund von Verletzungen absolvierte dieser in den letzten drei Saisons nur 24 Pflichtspiele, im letzten Sommer wurde er deshalb von Premier-League-Klub Wolverhampton nach Linz verliehen, um wieder Selbstvertrauen zu finden. Und das gelang dem 28-Jährigen auf beeindruckende Art und Weise. Nach drei Kreuzbandrissen in der Vergangenheit fand er langsam wieder in die Spur und trug mit sechs Toren sowie vier Assists – alle seit Februar – entscheidend zum Höhenflug der Linzer bei. Im März spielte er nach zweieinhalb Jahren erstmals wieder für Österreich.
Holt der Linzer Athletik-Sport-Klub am Sonntag tatsächlich die Meisterschaft, wäre dies die Krönung einer grossen Underdog-Story. Schliesslich hat der Verein aus der 200'000-Einwohner-Stadt sehr schwierige Jahre hinter sich. 2012 wurde ihm die Lizenz verweigert, weshalb er in den Amateurbereich abstürzte. Nach zwei Jahren gelang der Aufstieg aus der dritthöchsten Liga und 2017 folgte dann die Rückkehr in die Bundesliga. Seither spielte der LASK mehrmals europäisch, doch hielt das Warten auf einen Titel weiterhin an. Jetzt winkt nach 61 Jahren sogar das nächste Double – dann wäre das Wunder perfekt.
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