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Weinstein der Vergewaltigung und sexuellen Belästigung beschuldigt



Der Ex-Hollywood-Produzent Harvey Weinstein ist am Freitag formell einer Vergewaltigung und mehrerer weiterer sexueller Vergehen beschuldigt und festgenommen worden. Das teilte die Polizei in New York mit, der sich Weinstein zuvor gestellt hatte.

In der kurzen Erklärung der Polizei hiess es Weinstein sei «festgenommen, erkennungsdienstlich behandelt und der Vergewaltigung, krimineller sexueller Handlungen, des sexuellen Missbrauchs und sexuellen Fehlverhaltens in zwei verschiedene Frauen betreffenden Fällen beschuldigt» worden.

Danach verliess er die Polizeiwache in Handschellen, wie Fernsehübertragungen zeigten. Als nächstes soll Weinstein vor einem Gericht in Manhattan erscheinen. Die Verlesung der Anklage solle «irgendwann nach» 15.15 Uhr MESZ erfolgen, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Es werde keine Pressekonferenz geben.

US-Medien zufolge sollen die Kautionsbedingungen schon vorab festgelegt worden sein. Demnach werde Weinstein eine Million Dollar hinterlegen und sich verpflichten, ein Überwachungsgerät wie etwa eine Fussfessel zu tragen. Seine Reise- und Bewegungsfreiheit werde eingeschränkt. Seinen Pass müsse er abgeben.

Weinsteins Anwalt Ben Brafman, einer der erfolgreichsten Strafverteidiger der USA, sowie Staatsanwaltschaft und Polizei äusserten sich nicht zu den Berichten.

Über hundert Frauen betroffen

Bei dem Verfahren in New York geht es US-Medien zufolge um die Vorwürfe, Weinstein habe eine Frau vergewaltigt und eine weitere zum Oralsex gezwungen. Bei letzterer handelt es sich laut «New York Daily News» um die damals aufstrebende Schauspielerin Lucia Evans, die 2004 von Weinstein gezwungen worden sei, ihn oral zu befriedigen.

In der Vergangenheit hatte die New Yorker Polizei Ermittlungen wegen Evans' Vorwürfen bestätigt und ausserdem mitgeteilt, dass gegen Weinstein wegen zwei mutmasslicher Vergewaltigungen der Schauspielerin Paz de la Huerta Ende 2010 ermittelt werde.

Die ersten Vorwürfe gegen Weinstein waren im Oktober bekannt geworden. Inzwischen werfen ihm mehr als hundert Frauen, darunter zahlreiche Stars wie Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow, vor, sie sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Der früheste Fall soll etwa 40 Jahre zurückliegen.

Auch in Los Angeles und London laufen gegen Weinstein Ermittlungen wegen sexueller Übergriffe. Der 66-Jährige bestreitet die Vorwürfe: Nach seiner Darstellung war der Sex immer einvernehmlich.

Weiter Weg bis zur Verurteilung

Auch wenn Weinstein vor Gericht gestellt werde, wäre es bis zu einer Verurteilung wegen sexueller Übergriffe noch ein weiter Weg, sagte die Strafverteidigerin und Ex-Staatsanwältin Julie Rendelman der Nachrichtenagentur AFP. Es sei zu erwarten, dass Weinsteins Anwalt Brafman für seinen Mandanten «sehr hart kämpfen» werde.

Brafman hatte schon den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, vor einer Verurteilung wegen eines sexuellen Übergriffs auf ein Zimmermädchen im Jahr 2011 bewahrt. Der Strafverteidiger hatte die Anklage des Manhattaner Bezirksstaatsanwalts Cyrus Vance zerpflückt.

Dieser steht derzeit in der Kritik, weil er vor drei Jahren ein Verfahren gegen Weinstein wegen sexueller Übergriffe eingestellt hatte. Die Vorwürfe gegen Weinstein traten die sogenannte #MeToo-Debatte los, in der weltweit zahlreiche mutmassliche Opfer sexueller Gewalt an die Öffentlichkeit gingen. (sda/afp/dpa)

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