Digital
Auto

Nach zwei Jahren ist es Schrott: China baut das Wegwerf-Auto

Models stand next to a latest EV car featuring My Little Pony edition from Chinese automaker BYD showcased at the Auto China 2026, in Beijing, Saturday, April 25, 2026. (AP Photo/Andy Wong)
China Auto ...
Selbst Neuwagen verschwinden in China nach kurzer Zeit von den Strassen.Bild: keystone

Nach zwei, drei Jahren ist es Schrott: China baut das Wegwerf-Auto

In China landen massenweise junge Elektroautos auf dem Schrott. Die Technik altert so schnell, dass eine Reparatur teurer ist als ein Neuwagen. Das stellt europäische Autobauer vor ein gewaltiges Problem.
28.04.2026, 09:4828.04.2026, 09:48
Markus Abrahamczyk / t-online
Ein Artikel von
t-online

In China wandelt sich das Auto zum Wegwerfartikel. Während europäische Hersteller auf Langlebigkeit setzen, werden Elektrofahrzeuge in der Volksrepublik oft schon nach zwei oder drei Jahren aussortiert. Experten beobachten eine Entwicklung, die das Auto zum kurzlebigen Konsumgut macht – ähnlich einem Smartphone.

Die Technik altert schneller als das Blech

Der Grund für diesen Wandel liegt im rasanten Fortschritt. Die Zyklen für Batterien und Software sind mittlerweile so kurz, dass Autos technologisch binnen weniger Jahre veralten. «Die Batterie entwickelt sich schneller als die Automobilwelt», erklärt Xing Zhou von der Unternehmensberatung AlixPartners der Fachzeitschrift «Automobilwoche». Wer ein zwei Jahre altes Modell fährt, steuert in den Augen vieler junger Chinesen bereits einen Oldtimer.

Reparieren lohnt sich nicht mehr

Der erbitterte Preiskrieg auf dem chinesischen Markt beschleunigt diesen Trend. Einfache Elektroautos kosten in der Produktion oft weniger als 20'000 Franken. Eine mehrere Tausend Franken teure Reparatur wird dadurch wirtschaftlich schnell unsinnig.

Elektroauto

Die Konsequenz: Die Besitzer kaufen lieber ein neues Auto. Da es in China kaum einen funktionierenden Gebrauchtwagenmarkt gibt und Leasingmodelle selten sind, landen die ausrangierten Fahrzeuge auf riesigen Abstellflächen. Diese Autofriedhöfe sind das sichtbare Zeichen einer Industrie, die nur den Neuverkauf kennt.

Abgestellte Elektroautos auf einer Fläche vor der Grossstadt Hangzhou aus dem Jahr 2023.
Abgestellte Elektroautos auf einer Fläche vor der Grossstadt Hangzhou aus dem Jahr 2023. bild: Inside Auto China/Youtube

Peking lässt den Markt gewähren

Die chinesische Regierung stützt diese Entwicklung indirekt. Im aktuellen Fünfjahresplan zieht sich der Staat aus der Förderung zurück. Da Elektroautos in China inzwischen billiger sind als Verbrenner, soll allein der Wettbewerb den Markt regeln. Die Hersteller reagieren konsequent: Sie entwickeln ihre Autos strikt nach einem Zielpreis. Wer die geforderte Technik am günstigsten liefert, gewinnt.

Eine Branche vor dem Umbruch

Für viele Autobauer wird dieser Kurs zum Überlebenskampf. Experten erwarten, dass der enorme Preisdruck in den nächsten zwei Jahren zu einer Marktbereinigung führt. Viele Marken werden verschwinden. Dass das Prinzip des Wegwerf-Autos auch Europa erreicht, gilt als unwahrscheinlich. Hier stehen bisherige Vorstellungen von Nachhaltigkeit dem chinesischen Tempo entgegen. Und auch die Neuwagenpreise.

Verwendete Quellen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Der legendäre Feuerblitz», oder: Das beste Auto-Inserat der Schweiz
1 / 9
«Der legendäre Feuerblitz», oder: Das beste Auto-Inserat der Schweiz
«Schweren Herzens muss ich mich von meinem geliebten 'Feuerblitz' verabschieden», schreibt der Verkäufer dieses Peugeot 206 aus dem Jahr 2002. «Grund dafür ist ein Umzug in die Stadt Luzern, wo man im Gegensatz zu meinem Heimatkaff kein Auto benötigt, um von A nach B zu gelangen (öffentlicher Verkehr gibt’s sogar noch nach 20:00 Uhr).»
quelle: ricardo.ch / ricardo.ch
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Wie kann man so dekadent sein?» – Fabi weint (doch) über SUVs
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Geheimdienst: Entlastung in «Russland-Affäre», doch der Schaden ist angerichtet
Auch eine neuerliche Untersuchung klärt nicht sicher, ob NDB-Mitarbeiter Daten an eine russische Firma weitergegeben haben. Einmal mehr zeigt der Bericht dafür das zerrüttete Klima in der Behörde auf.
Hat der Schweizer Nachrichtendienst sensible Daten an Russland weitergegeben? Das behauptete ein Bericht von SRF vor einem Jahr gestützt auf vertrauliche Dokumente. Eine Administrativuntersuchung, die von Bundesrat Martin Pfister in Auftrag gegeben wurde, liefert nun zwar Entlastung – vollständig ausgeräumt sind die Zweifel aber nicht.
Zur Story