Der Schweiz gehen die Kerosinreserven aus – das musst du jetzt wissen
Seit wegen des Iran-Kriegs die Strasse von Hormus gesperrt ist, werden fossile Treibstoffe in ganz Europa knapper und dadurch auch teurer. Um Diesel und Benzin musste man sich in der Schweiz bisher weniger Sorgen machen als beispielsweise in Deutschland. Was aber auch hierzulande langsam knapp wird, ist Flugpetrol, auch bekannt als Kerosin.
Bis Ende Mai
Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) schätzt die Versorgungslage mit Flugzeugtreibstoff bis Ende Mai 2026 als gesichert ein.
Eigentlich sollte die Schweiz 90 Tage des durchschnittlichen Kerosinabsatzes der letzten drei Jahre an den Schweizer Flughäfen (ohne Basel) einlagern. Dies bestätigte ein Sprecher des BWL gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.
Aktuell liegen die Reserven jedoch nur bei rund 72 Tagen. Grund dafür sei eine starke Zunahme des Flugpetrolabsatzes seit der Covid-Pandemie. Seither gelangt Flugpetrol oft zeitverzögert in die sogenannten Pflichtlager.
Nicht an Energiesolidarität gebunden
Innerhalb der EU gilt das Prinzip der Energiesolidarität: Wird in einem Mitgliedstaat Kerosin knapp, sind andere Länder verpflichtet, auszuhelfen.
Für die Schweiz gilt diese Regel jedoch nicht. «Die Schweiz ist nicht Mitglied der Europäischen Union und somit nicht an die Energiesolidarität gebunden», sagt Nicole Mathys gegenüber SRF. Sie ist Leiterin der Geschäftsstelle Energie beim BWL. Die hiesigen Reserven seien in erster Linie für den Eigenbedarf vorgesehen.
Eine Ausnahme besteht bei der Gasversorgung. Zwischen der Schweiz, Deutschland und Italien gibt es ein entsprechendes Abkommen. Sollte in einem dieser Länder Gas knapp werden, kann laut Mathys Unterstützung angefragt werden. «Dort steht dann im Fokus, die geschützten Kundinnen und Kunden mit Gas zu beliefern – das sind beispielsweise Haushalte, Spitäler oder Notdienste.» Diese Gruppen würden in einer Mangellage bevorzugt versorgt.
Bei Treibstoffen wie Kerosin, Benzin oder Diesel existiert eine solche Priorisierung nicht. Dennoch wäre die Schweiz von einer Knappheit indirekt betroffen. Bei Engpässen würden die Pflichtlager über die üblichen Marktkanäle freigegeben. Dadurch könnten auch ausländische Händler zugreifen. «Theoretisch kann das jemand einkaufen und auf der anderen Seite der Grenze wieder verkaufen», erklärt Mathys. Der Markt bleibe also offen.
Bundesrat kann eingreifen
Der Bundesrat könnte allerdings eingreifen und Ausnahmen festlegen. «Würde zum Beispiel Kerosin sehr, sehr knapp, dann könnte der Bundesrat anordnen, dass etwa Rettungs-, Lösch- und Suchflüge die benötigten Flugpetrol-Lieferungen erhalten würden», sagt Mathys. Aktuell sei eine solche Situation jedoch nicht absehbar.
Unabhängig davon verfügt die Armee über eigene Treibstoffreserven. Diese Bestände sind laut BWL nicht Teil der Pflichtlager, die der Bund gemeinsam mit der Mineralölbranche organisiert. (val)
