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Der Schweiz gehen die Kerosinreserven aus – das musst du jetzt wissen

Ein Mann der Firma Skytanking fuellt den Tank eines Swiss International Air Lines Flugzeugs mit dem Treibstoff Kerosin auf, aufgenommen am Donnerstag, 23. April 2026 auf dem Rollfeld am Flughafen Zuer ...
Ein Mann der Firma Skytanking füllt den Tank eines Swiss International Air Lines Flugzeugs mit dem Treibstoff Kerosin auf.Bild: keystone

Der Schweiz gehen die Kerosinreserven aus – das musst du jetzt wissen

27.04.2026, 18:1827.04.2026, 18:23

Seit wegen des Iran-Kriegs die Strasse von Hormus gesperrt ist, werden fossile Treibstoffe in ganz Europa knapper und dadurch auch teurer. Um Diesel und Benzin musste man sich in der Schweiz bisher weniger Sorgen machen als beispielsweise in Deutschland. Was aber auch hierzulande langsam knapp wird, ist Flugpetrol, auch bekannt als Kerosin.

Bis Ende Mai

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) schätzt die Versorgungslage mit Flugzeugtreibstoff bis Ende Mai 2026 als gesichert ein.

Eigentlich sollte die Schweiz 90 Tage des durchschnittlichen Kerosinabsatzes der letzten drei Jahre an den Schweizer Flughäfen (ohne Basel) einlagern. Dies bestätigte ein Sprecher des BWL gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Aktuell liegen die Reserven jedoch nur bei rund 72 Tagen. Grund dafür sei eine starke Zunahme des Flugpetrolabsatzes seit der Covid-Pandemie. Seither gelangt Flugpetrol oft zeitverzögert in die sogenannten Pflichtlager.

Nicht an Energiesolidarität gebunden

Innerhalb der EU gilt das Prinzip der Energiesolidarität: Wird in einem Mitgliedstaat Kerosin knapp, sind andere Länder verpflichtet, auszuhelfen.

Für die Schweiz gilt diese Regel jedoch nicht. «Die Schweiz ist nicht Mitglied der Europäischen Union und somit nicht an die Energiesolidarität gebunden», sagt Nicole Mathys gegenüber SRF. Sie ist Leiterin der Geschäftsstelle Energie beim BWL. Die hiesigen Reserven seien in erster Linie für den Eigenbedarf vorgesehen.

Eine Ausnahme besteht bei der Gasversorgung. Zwischen der Schweiz, Deutschland und Italien gibt es ein entsprechendes Abkommen. Sollte in einem dieser Länder Gas knapp werden, kann laut Mathys Unterstützung angefragt werden. «Dort steht dann im Fokus, die geschützten Kundinnen und Kunden mit Gas zu beliefern – das sind beispielsweise Haushalte, Spitäler oder Notdienste.» Diese Gruppen würden in einer Mangellage bevorzugt versorgt.

Bei Treibstoffen wie Kerosin, Benzin oder Diesel existiert eine solche Priorisierung nicht. Dennoch wäre die Schweiz von einer Knappheit indirekt betroffen. Bei Engpässen würden die Pflichtlager über die üblichen Marktkanäle freigegeben. Dadurch könnten auch ausländische Händler zugreifen. «Theoretisch kann das jemand einkaufen und auf der anderen Seite der Grenze wieder verkaufen», erklärt Mathys. Der Markt bleibe also offen.

Bundesrat kann eingreifen

Der Bundesrat könnte allerdings eingreifen und Ausnahmen festlegen. «Würde zum Beispiel Kerosin sehr, sehr knapp, dann könnte der Bundesrat anordnen, dass etwa Rettungs-, Lösch- und Suchflüge die benötigten Flugpetrol-Lieferungen erhalten würden», sagt Mathys. Aktuell sei eine solche Situation jedoch nicht absehbar.

Unabhängig davon verfügt die Armee über eigene Treibstoffreserven. Diese Bestände sind laut BWL nicht Teil der Pflichtlager, die der Bund gemeinsam mit der Mineralölbranche organisiert. (val)

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127 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Her Majesty
27.04.2026 18:39registriert Dezember 2022
Verbrennt die Armee aktuell, wie üblich, auch komplett unnütz Diesel und Bezin, um ihre Kontingente durchzubringen, um im nächsten Jahr wieder gleich viel zu erhalten? 😅
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Stäbchen
27.04.2026 18:38registriert März 2026
Ob nun 90 Tage Reserve oder länger - es wird sich immer eine Situation ergeben, in der das zu kurz ist.

Echte Alternativen, realistisch und nachhaltig, das sollte unsere Zukunftsvision sein.
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Sani-Bär
27.04.2026 18:33registriert April 2021
Interessant, dass die EU ein Solidaritätsprinzip in Bezug auf Treibstoffe hat 😉
Ich hoffe, dass die Ess Vau Pee auch so etwas mit ihrem grossen Vorbild TACO abgeschlossen hat 🤡

Aber natürlich ist die EU die grösste Gefahr für unsere Milliardärspartei 😈
und die Hellebardisten 🥳🤪 mit ihrem "Unterwerfungsvertrag" ...
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