«Ein Affront»: Kulturszene erhebt Vorwürfe gegen SRG wegen möglichem SRF-2-Aus
«Eine Einstellung des Senders SRF 2 Kultur wäre eine Katastrophe», sagt Regine Helbling. Sie ist Geschäftsführerin von Visarte, dem Berufsverband für visuelle Kunst. Die Schweizer Kulturszene werde auf den geplanten Abbau reagieren, betont Helbling.
Eine Recherche des «Sonntagsblicks» hat Kulturinteressierte aufgeschreckt: In der SRG werde «über ein Aus» des Radiosenders SRF 2 Kultur diskutiert, schreibt das Blatt. Grund sei die stark gesunkene Nutzungsdauer seit Anfang Jahr.
Die Kritiker stellen vier Aspekte in den Mittelpunkt. Erstens: «Die Kulturschaffenden haben sich stark engagiert im Kampf gegen die Halbierungsinitiative», meint Regine Helbling. Nun wolle die SRG noch mehr Kulturprogramme streichen.
Bundesrat will bei der SRG mehr Kultur, nicht weniger
Einige Musiker, Autorinnen, Maler, Regisseurinnen fühlen sich getäuscht. Die abermalige Reduktion von Kulturprogrammen als Dank für den Einsatz gegen die 200-Franken-Vorlage – das sei ein Hohn.
Der zweite Punkt betrifft die Faktoren für das abnehmende Hörerinteresse. Helbling erklärt: Die SRG habe ihre Kulturprogramme bereits ausgedünnt.
Die Krise von SRF 2 Kultur sei zu einem schönen Teil selbstverschuldet, sagen Kulturschaffende und -journalisten. Man könne nicht Sendungen wie «52 beste Bücher» und «Literatur im Gespräch» durch kurze, oberflächliche Formate ersetzen und erwarten, dass ein Publikum mit intellektuellem Anspruch dem Sender treu bleibe.
Ausserdem: Mit dem Verzicht auf die UKW-Verbreitung hätten die SRG-Verantwortlichen gerade ältere kulturaffine Hörerinnen und Hörer vor den Kopf gestossen. Viele von ihnen sind nicht bereit, das gewohnte UKW-Radiogerät zu ersetzen.
Radio SRF 2 Kultur ist ein Nischensender. In der Deutschschweiz erreicht der Kanal täglich rund 113'000 Hörer, was einem Marktanteil von zwei Prozent entspricht.
Den dritten Vorwurf bringt Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (Mitte) vor. Er ist Präsident des Schweizer Musikrates, der Dachorganisation der Musikszene. Müller-Altermatt erinnert daran, dass Bundesrat Albert Rösti (SVP) Information, Bildung und Kultur als «Schwerpunkte der SRG bezeichnet» habe.
Medienminister Rösti hat tatsächlich mehrfach unterstrichen: Der Bundesrat wünsche, dass die SRG stärker auf Information, Bildung und Kultur fokussiere. Das soll auch in die neue Konzession des Rundfunks einfliessen. Eine Aufhebung des Radiosenders SRF 2 Kultur liefe dieser Vorgabe zuwider.
SVP-Nationalrat Gregor Rutz erinnert viertens daran: Es sei nicht schlimm, wenn die Einschaltquote bei einem Kultursender nicht so hoch sei. Für die SRG sei nicht die Reichweite, sondern die Erfüllung des Programmauftrags entscheidend. «Genau dafür erhält die SRG ja auch viel Gebührengeld.»
Rutz fügt hinzu: Wenn die SRG Geld einsparen müsse, sollte sie eher die Einstellung des Radiosenders SRF 3 prüfen.
Anderer Meinung ist SP-Nationalrat Jon Pult. Er sagt:
Pult spielt darauf an, dass Rösti den Gesamtbundesrat von einer Senkung der Medienabgabe von 335 auf 300 Franken überzeugt hat. Die Reduktion löst beim Rundfunk ein grösseres Sparprogramm aus.
SRG dementiert nicht, dass SRF 2 zur Diskussion steht
Findet es der Sozialdemokrat richtig, dass in der SRG über die Aufhebung von SRF 2 Kultur gesprochen wird? «Politiker sollten nicht Programmdirektion spielen. Darum kommentiere ich operative Entscheidungen der SRG nicht – aber natürlich finde ich den Abbau an sich grundfalsch», meint Pult.
Was sagt die SRG? Trifft es zu, dass das Unternehmen die Einstellung des Radiosenders SRF 2 Kultur prüft? Die SRG antwortet ausweichend und verweist auf das Sparprojekt «Enavant». Gemäss diesem müssten 270 Millionen Franken eingespart werden, bis 2029.
Die SRG erklärt weiter, dass sie über die konkrete Umsetzung von «Enavant» und die Auswirkung auf einzelne Angebote noch keine Angaben machen könne. «Kultur ist und bleibt auf allen Kanälen ein wichtiger Bestandteil unseres Service-public-Angebots.»
Der Rundfunk betont schliesslich, dass er daran arbeite, Radio SRF 2 Kultur an das Nutzungsverhalten seines Publikums anzupassen. «Die Kulturinhalte, auch für jüngere Zielgruppen, sind nicht nur im Radio zu finden, sondern auch in der SRF News App oder auf Play SRF.» (aargauerzeitung.ch)

