Digital
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Aus sozialen Medien (rot) heraus lässt sich auch auf Vorlieben und Merkmale von Nichtnutzern (rechts) schliessen  Grafik: David Garcia/ ETH Zurich

ETH-Forscher zeigt: Facebook kann deine Daten sammeln, selbst wenn du kein Konto hast

Wer soziale Netzwerke nutzt, gibt nicht nur eigene private Daten preis. Ein Forscher der ETH Zürich hat nachgewiesen, dass sich aus dem Archiv einer sozialen Plattform auch Informationen über Nichtnutzer ziehen und «Schattenprofile» erstellen lassen.

07.08.17, 13:50 15.09.17, 11:38


Es scheint eine praktische Funktion: Soziale Plattformen wie Facebook und Co. bieten den Import von Kontaktlisten an, um Bekannte und Freunde unter den Nutzern schneller zu finden. Das ist jedoch eine der Hintertüren, über die Datenriesen auch Zugang zu Informationen über Nichtnutzer ausserhalb ihres Netzwerks gelangen. Und von diesen sogenannte «Schattenprofile» erstellen könnten – inklusive sehr privater Informationen, wie David Garcia von der ETH Zürich nachgewiesen hat.

Wie er im Fachblatt «Science Advances» berichtet, lassen sich beide persönliche Details mit hoher Wahrscheinlichkeit ableiten. Und zwar umso besser, je grösser die Zahl der Nutzer und je freigiebiger sie mit ihren Kontaktlisten umgehen. Interessant ist die Abhängigkeit von Nutzerzahlen insbesondere, da Friendster zeitweise 115 Millionen Nutzer hatte, während Facebook laut eigenen Angaben im Juni 2017 täglich im Durchschnitt 1,32 Milliarden aktive Nutzer zählte.

Wer mit wem?

Die Vorhersage beruht dabei auf den Wahrscheinlichkeiten von Vernetzungsmustern innerhalb des Netzwerks: Heterosexuelle Nutzer seien häufiger mit Personen des jeweils anderen Geschlechts vernetzt, bisexuelle Nutzer öfter mit anderen Bisexuellen beider Geschlechter und Homosexuelle eher mit anderen homosexuellen Nutzern des gleichen Geschlechts, heisst es im Fachartikel. In Sachen Beziehungsstatus gelte, dass Personen mit höherer Wahrscheinlichkeit mit Leuten vernetzt sind, die den gleichen Beziehungsstatus haben.

Garcia testete zunächst die Vorhersagekraft dieser auf Vernetzungsmustern beruhenden Vorhersage innerhalb des sozialen Netzwerks. Dabei stellte er fest: Je offener einige Nutzer mit ihren persönlichen Informationen umgingen, desto besser liessen sich auch die Eigenschaften derjenigen Nutzer ableiten, die wenig Privates preisgaben. Im zweiten Schritt weitete er die Vorhersage auf die Nichtnutzer aus, welche mit den Nutzern über deren Kontaktlisten vernetzt waren.

Theoretisch hätten die Friendster-Inhaber also Schattenprofile von Nichtnutzern erstellen können, schreibt Garcia. Die Vorhersagekraft seines mathematischen Modells war zwar relativ niedrig, er habe jedoch die Komplexität des Modells absichtlich gering gehalten, um die Privatsphäre der Betroffenen nicht zu gefährden. Seine Absicht sei nicht, die Methoden zur Erstellung von Schattenprofilen zu verbessern, sondern die Möglichkeit ihrer Existenz nachzuweisen, betont er.

Unsichtbarer Datenaustausch

Das Konzept von Schattenprofilen macht seit 2013 von sich reden: Damals wurde bekannt, dass Facebook über seine Android-App die komplette Kontaktliste des jeweiligen Smartphonenutzers absammelte, noch bevor sich dieser erstmals einloggte und dem zustimmte. Zwar wurde das Sicherheitsleck geschlossen und die Daten angeblich gelöscht. Jedoch sind Apps von Messengerdiensten und soziale Plattformen so vernetzt, dass auch ohne das Bewusstsein der Nutzer Daten über ihre Kontakte «durch die Hintertür» gesammelt werden können.

Dass Datenriesen nicht nur sehr persönliche Informationen aus dem Online-Verhalten ihrer Nutzer, sondern auch Persönlichkeitsprofile über Nichtnutzer ableiten könnten, wird daher seit einigen Jahren von Forscherinnen und Datenschützern diskutiert. Die Studie liefere Beweise, welche die Schattenprofil-Hypothese unterstützen, schrieb Garcia im Fachartikel.

Dies verdeutliche, dass die Wahrung der Privatsphäre nicht mehr nur vom eigenen Online-Verhalten und den eigenen Entscheidungen abhänge, sondern auch von denen der Kontakte. Der ETH-Forscher ruft daher zu einem verantwortungsbewussteren Umgang mit privaten Informationen im Netz und zu schärferen Datenschutzbestimmungen auf.

(oli/sda)

So funktioniert Social Networking in der Realität

Video: watson/Lya Saxer, Knackeboul

Was Facebook erlaubt – und was gelöscht wird

Das könnte dich auch interessieren:

Plötzlich Frieden in Eritrea: «Bei den Flüchtlingen wird es nun knallhart ums Geld gehen»

Babys an der Macht

Kaum ein Land hat weniger als die Schweiz – der grosse Sommerferien-Report

Lo & Leduc geben Geheimkonzert auf der kleinen Bühne – und der Gurten dreht durch

Frauen, die sich trennen, sind keine Opfer – verdammt!

Belauscht: Männer über «Bitches», «Brüste» und MDMA-Bowlen

Fluchthelferin (72): «Ich nehme die Strafe absolut in Kauf»

40 Jugendliche wegen Serie «13 Reasons Why» in psychiatrischen Notfall eingeliefert

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Warum Teenies ausserhalb der Schweiz gerade eine Existenzkrise haben

In einem deutschen Kinderzimmer spielte sich vor wenigen Tagen Dramatisches ab: Ein schluchzender Teenie liegt zusammengerollt auf dem Bett, die Mama steht ratlos daneben. Die Mutter heisst in diesem Fall Nele Heine und beschreibt auf ihrem Blog eine Situation, die sich aktuell in vielen Haushalten der EU abspielen dürfte. Denn etwas Furchtbares ist geschehen: Der unter 16-jährigen Instagram-Generation wurde ihre namensgebende Plattform weggenommen.

Der Bösewicht? Die neue …

Artikel lesen