International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Image

Er kann es nicht lassen: Donald Trump und seine Twitter-Abhängigkeit. bild. epa; montage: watson

Den Finger am blauen Knopf: Wenn Trump twittert, zittert die Welt



Gemäss verbreiteter Ansicht verfügt der US-Präsident über ein Köfferchen mit einem roten Knopf. Drückt er ihn, werden atomar bestückte Interkontinental-Raketen auf feindliche Ziele abgefeuert. Während das Köfferchen existiert («Nuclear Football»), handelt es sich beim berüchtigten roten Knopf um eine Hollywood-Fantasie. 

Keine Fantasie ist der blaue Knopf, auf den Trump unablässig drückt. 

Image

bild. twitter

Mit seinen Tweets löst er keinen Atomkrieg aus – aber immer noch mehr als genug Ärger. Die Hoffnung, dass er nach seinem Wahlsieg damit aufhört, hat sich nicht erfüllt. Wenn überhaupt haben seine 140-Zeichen-Nachrichten nun noch mehr Gewicht.

Eine Aufzählung, was er mit Druck auf den blauen Knopf schon alles angerichtet hat:

Trump schickt Aktienkurse auf Talfahrt

Kürzlich drohte er, die Bestellung für die zwei neue Präsidentenflugzeuge (Air Force One) zu stornieren. 

Die Aktie des Herstellers Boeing brach ein, erholte sich aber im Verlauf des Tages wieder.

Image

grafik via washingtonpost

Die «Washington Post» mutmasst, Trump sei über Boeing verärgert gewesen, weil dessen CEO Dennis Muilenberg ihn indirekt kritisiert hatte. Die «New York Times» glaubt, in dem Vorfall ein allgemein gültiges Muster über das Social-Media-Verhalten des designierten Präsidenten entdeckt zu haben:

«Herr Trump sieht etwas in den Nachrichten; er wird wütend; er twittert; das kommt in den Nachrichten; Wiederholung.»

James Poniewozik new york times

Am Montag tat er es wieder: Diesmal geht es um den Tarnkappen-Kampfjet F-35 des Rüstungsherstellers Lockheed-Martin, dessen Entwicklungskosten ein Loch ohne Boden zu sein scheinen.

Und auch in diesem Fall gab der Aktienkurs sofort nach.

Image

grafik via google finance

Trump diktiert den Medien nach Belieben die Agenda

Was Trump twittert, erreicht nicht nur seine 17,2 Millionen Follower (Obamas offizieller Präsidenten-Account @potus hat «nur» 12,5 Millionen), sondern wird auch sofort zu einem Thema in den Medien. Egal wie absurd der Inhalt. Oder gerade deswegen:

In den kommenden Tagen bemühten sich die Medien redlich, dem Vorwurf nachzugehen. Obwohl Trump keinerlei Beweise für die Behauptung präsentierte, Millionen hätten illegal für Hillary Clinton gestimmt. Zwei Tage später droht er, Fahnenverbrenner auszubürgern oder zumindest für ein Jahr ins Gefängnis zu stecken. Wieder geraten die Medien ins Rotieren. Mindestens eine Meldung, dass die Frage bereits 1989 vom Obersten Gerichtshof beurteilt wurde, ist sie allen wert.

Trump bricht diplomatischen Eklat vom Zaun

Im Wahlkampf war China ein beliebtes Angriffsziel Trumps. China nimmt uns die Jobs weg, China manipuliert seine Währung, China bläht damit seine Handelsbilanz auf, und so weiter und so fort. Damals ignorierten ihn die Chinesen, doch spätestens seit er einen Telefonanruf der Präsidentin Taiwans entgegen genommen und explizit die Ein-China-Politik zur Disposition gestellt hat, reagiert Peking mit scharfen Worten. Staatliche chinesische Medien attestieren ihm die diplomatische «Reife eines Kindes». Gemäss der Ein-China-Prämisse gibt es nur ein «China», das neben dem Festland einschliesslich Macau und Hongkong auch das unabhängige Taiwan umfasst.

Peking ist verärgert. Was tut Donald Trump? Das, was er nicht lassen kann:

Trump hetzt seinen Mob auf Kritiker

Besonders Pech widerfährt jenen, die von Trump persönlich auf Twitter angegriffen werden. Das wirkt wie ein Aufruf an Teile seiner Anhänger, diesen Personen das Leben zur Hölle zu machen. Eine junge Frau, die ihm vor über einem Jahr (!) an einer Wahlkampfveranstaltung eine kritische Frage zu seinem Frauenbild stellte, bezeichnete er in einem Tweet als «arrogant» und ihr Vorgehen als «fies».

Sie erhalte bis heute sexuell aufgeladene Hasskommentare bis hin zur Androhung von Vergewaltigung, sagte Lauren Batchelder kürzlich der «Washington Post».

Nicht besser ergeht es aktuell Chuck Jones, Präsident der Gewerkschaft United Steelworkers 1999. Er hatte Trump kritisiert, Arbeiter und Öffentlichkeit über den sogenannten Carrier-Deal in die Irre geführt zu haben. Der designierte Präsident hatte behauptet, den Klimaanlagen-Hersteller überzeugt zu haben, 1100 Stellen nicht nach Mexiko zu verlagern, sondern in den USA zu behalten. Tatsächlich liege die Zahl eher bei 800. Die Kritik kam nicht gut an:

Jones sagt, seit diesem Tweet erhalte er anonyme Anrufe und werde bedroht.

Noch knapp sechs Wochen, dann wird Trump Präsident.

Vielleicht mässigt er sich dann.

Oder auch nicht.

Animiertes GIF GIF abspielen

gif via giphy.com

(9.12.16) Trumps Regierungsmannschaft

Abonniere unseren Newsletter

33
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 13.12.2016 19:13
    Highlight Highlight Brutal demokratisch, wenn sich der König direkt ans Volk wendet. Das mag den Medien gar nicht schmecken, weil sie nur noch Tweets rezitieren und abbilden können. Der Präsident hat damit die Deutungshoheit.
  • malu 64 13.12.2016 12:45
    Highlight Highlight Hoffentlich passiert bis zum 20. Januar noch
    ein Wunder, damit die Welt vor diesem kranken
    Psychopathen geschützt wird.
    • PeterLustig 13.12.2016 13:41
      Highlight Highlight Wenn Wahlfälschung bewiesen wird, könnte es besser aussehen. Wikileaks hat anscheinend Dokumente dass die Russen Dem Donald zum Sieg verholfen haben. Angeblich...
    • Butzdi 13.12.2016 15:55
      Highlight Highlight @ Peter Lustig: Assange von Wikileaks hofft halt, von Trump 'begnadigt' zu werden und endlich aus der Botschaft abreisen zu können. Das sind Deals im Stile Trump: hilf mir andere eins auszuwischen und mich zu schützen und ich geb dir ein Zückerchen. Vergesst pay to play, jetzt ist das Trump Style. Die meisten seiner 'Berufenen' waren auch grosse Geldgeber seines 'selbstfinanzierten' Wahlkampfs.
      User Image
  • SVARTGARD 13.12.2016 12:21
    Highlight Highlight Vor dem Schmalzkopp braucht keiner zittern.
    • sowhat 13.12.2016 20:26
      Highlight Highlight Vor ihm direkt vielleicht nicht, aber vor seinen verblendeten Fans, die er als Manipulationsmasse steuert. Die Folgen sind ja offensichtlich nicht schön. Wir können nur hoffen, dass nicht einer davon zur Tat schreitet... .. Und diese Hoffnung ist auf die Länge leider gering.
    • malu 64 14.12.2016 00:23
      Highlight Highlight Mir machen die Folgen seiner Aktionen
      Kopfzerbrechen. Wachstum um jeden Preis und Allüren wie ein pubertierender Teenager.
  • Wehrli 13.12.2016 11:28
    Highlight Highlight Trump ist der Sheriff: Er sieht, er schiesst. "It's a simple town with simple people."
    Vielleicht gabs zu viele smarte Leute in der US Politik, vielleicht braucht es ein paar Haudegen, CEOs und Klartexter, wer weiss. Das Risiko besteht natürlich, dass dann die anderen Nationen auch klartexten: "Fuck off America and die". Wir werden sehen.
    • Firefly 13.12.2016 12:18
      Highlight Highlight Hat ein sogenannter Klartexter in der Politik je etwas bewirkt ausser zu reden und die Leute aufzuscheuchen?

      Ich hab lieber solche Typen:
      User Image
  • Aged 13.12.2016 11:26
    Highlight Highlight Nein, ich zittere nicht. Ich wundere mich bloss, dass jemand zittern könnte.
  • pamayer 13.12.2016 11:24
    Highlight Highlight Wenn er erst Präsident ist, darf ungehemmt gedroht und angegriffen werden. Die Rechtsprechung sowie Menschenrechte werden Makulatur sein.
  • http://bit.ly/2mQDTjX 13.12.2016 11:20
    Highlight Highlight Dieser rote Knopf ist keine Fantasie, sondern die Hollywood-Verkürzung der Tatsache, dass die militärische Befehlskette beim Präsidenten endet. Er entscheidet sich für Krieg oder Frieden, Ja oder Nein.

    Nicht nur der rote Knopf ist keine Fantasie sondern auch das rote Telefon. Ein direkter Draht zum Teufel. Steht auf dem Pult im Oval Office. ;)

    Das rote Telefon bringt dramturgisch auf den Punkt, was eine Initiative des Warschauer Pakts (aka Ostblock) damals erreicht hat, nämlich die Schlussakte von Helsinki und die heutige OSZE.

    Seit 1973 ist dem roten Knopf ein rotes Telefon vorgeschaltet.
    • Zwerg Zwack 13.12.2016 12:35
      Highlight Highlight Ab 20. Januar ist das Telefon dann orange.
    • remim 13.12.2016 13:47
      Highlight Highlight Ich tippe eher auf Gold und Rokoko, so etwa:
      User Image
  • Einfache Meinung 13.12.2016 10:24
    Highlight Highlight Was für ein Mann...
    Er scheint zu wissen was schief läuft...
    • wossname 13.12.2016 10:41
      Highlight Highlight Username on point
  • Madison Pierce 13.12.2016 10:22
    Highlight Highlight Ist eigentlich schon ein Hedge Fund auf die Idee gekommen, die Tweets von Trump zu verfolgen und schneller zu reagieren als die nachfolgende aufgescheuchte Herde?

    Vielleicht verdienen sich die Kumpels von Trump schon jetzt eine goldene Nase damit.
  • Thomas Rohrer 13.12.2016 10:18
    Highlight Highlight Lieber drückt er den blauen als den roten Knopf.
  • Hoppla! 13.12.2016 10:00
    Highlight Highlight Ein US Präsident der (fast ausschliesslich) über Twitter kommuniziert. Jetzt fehlt nur noch ein Tinder Profil...
  • Dunkleosteus6765 13.12.2016 09:24
    Highlight Highlight Interessant wie der Tweet eines einzelnen Mannes Aktienkurse abstürzen lässt.

    Der Titel "mächtigste Person der Welt" würde im sehr gut stehen.
  • sgrandis 13.12.2016 09:23
    Highlight Highlight Die Sache mit der Hetze ist recht schlimm, aber wenigstens hat er (noch) keine SA, die die Leute materiell verprügeln geht. Trump ist halt ein Pop-Faschist.

    Ausserdem denke ich wäre es sehr gewinnbringend als Aktienhändler zu wissen was Trump tweetet: einfach kurzfristig gegen die jeweilige Firma wetten und Geld machen!!!
    • Walter Sahli 13.12.2016 12:10
      Highlight Highlight So geil, Geld damit zu verdienen, wenn Leute ihren Job verlieren!
    • sowhat 13.12.2016 20:38
      Highlight Highlight Warum sollte er sich die Mühe machen, eine SA auf zu bauen, wenn er die Pöbler gratis ankurbeln kann?
      Sobald er sie braucht hat er so eine Truppe in Null Komma Nix zusammen. Oh Mist, vielleicht ist das hier nur die Vorstufe des Rekrutierens..... Uähh ich darf gar nicht weiter denken.....
  • Scaros_2 13.12.2016 09:21
    Highlight Highlight Eigentlich müsste man daraus doch profit machen können. Im Grunde müsste der Boeing-Chef mit einem Hedge-Fond nur gegen seine eigene Firma spekulieren, in der Zeitung poltern und warten das der dünnhäutige Trump darauf einsteigt.

    Ich kenn mich nicht genug an der Börse aus aber so was wäre doch möglich und das wäre ja noch nicht einmal Insiderhandel weil das ja einfach ein naiver präsident ist.
    • Nicolas Steger 13.12.2016 14:26
      Highlight Highlight "Ich kenne mich nicht genug an der Börse aus aber so was wäre doch möglich". Sie bemerken schon was Sie da gerade schreiben?
  • D(r)ummer 13.12.2016 09:13
    Highlight Highlight Klingt jetzt zwar Naiv, aber ist die Börse in einigen Angelegenheiten nicht auch "Postfaktisch"?
    Trump hat die Bestellung ja noch nicht offiziell storniert...
    • Gantii 13.12.2016 12:43
      Highlight Highlight die börse hat noch nie mit fakten funktioniert.
  • Raphael Stein 13.12.2016 09:12
    Highlight Highlight Wenn Börsen nervös werden, sind es Casinos. Die spielen im Orchester mit. Ein wenig runter, wieder rauf, jemand macht grad Geld.

    Wenn Medien die kurzen Ergüsse von Mr. himself nicht einordnen können, hängen sie ebenfalls auf dem Niveau von Kindern fest. Wie im Bericht erwähnt wurde.

    Und wenn der unseelige Chuck Jones einen auf die Kappe kriegt, umso besser. Was für ein Idiot auch.

    • Crecas 13.12.2016 11:05
      Highlight Highlight Naja, ohne Jones Vorgeschichte oder Karriere zu kennen, hat er sich nur darüber beschwert, das Trump versprochen hat, über 1000 Jobs mit Strafzöllen zu retten, sich danach gebrüstet hat, 1100 Jobs gerettet zu haben, in Wirklichkeit aber nur 720 Jobs gerettet hat und nicht durch Strafzölle, sondern durch Steuererleichterungen.

      Klingt für mich nach sehr legitimer Kritik.
    • Raphael Stein 13.12.2016 21:02
      Highlight Highlight @Crecas,
      ja das ist eine Weile her. 2002, als der damalige Union Leader Adcock mit der Carrier Corp. endlich den neuen GAV unterzeichnen wollte, hat sich im Hintergrund Jones mit den damals kreditgebenden Banken verabredet um einige Punkte wieder zu entschärfen. Mein Ex Schwiegervater hat mir das mal gesteckt. CC hatte damals um die 1100 workers. Nicht wenig also.
  • EgonvD 13.12.2016 09:10
    Highlight Highlight Man könnte ihm auch vorwerfen damit Geld zu machen.
  • Theor 13.12.2016 08:59
    Highlight Highlight Irgendwie witzig wie dumm die Börsianer sind. Wie aufgescheuchte Hühner, eine Schwarmintelligenz die kaum bis 5 zählen kann. Ein Präsident mit vergleichbarem IQ ist da natürlich der ideale Spielpartner.
    • Crecas 13.12.2016 11:06
      Highlight Highlight Es ist eher so, dass die Börse diese Schwankungen will, da sich damit Geld verdienen lässt.

Sie ist 15 und spricht Klartext in Sachen Klimawandel: Wer ist Greta Thunberg?

Ihre Rede ging um die Welt: Die 15-jährige Greta Thunberg hat letzte Woche den Politikern ins Gewissen geredet. 

Ihre flammende Anklage am Klimagipfel im polnischen Katowice hörte sich dann etwa so an:

Oder so:

Zeit für eine Annäherung.

Die 15-jährige Schwedin hat prominente Eltern: Ihre Mutter ist Malena Ernman, eine Opernsängerin. Ihr Vater, Svante Thunberg, ist Schauspieler. Ernman veröffentlichte ein Buch, in welchem sie ihre schwierige Familiensituation beschreibt. Ihre …

Artikel lesen
Link to Article