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«Das ist unser Fukushima»: Diese Giftschlammlawine ist die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens

Ein Dammbruch in einer Bergmine löste eine giftige Schlammlawine aus. Jetzt sind ganze Gewässer verseucht, Fische sterben, die Anwohner haben kein Wasser. Der Betreiber behauptet dreist, der Schlamm sei nicht giftig.

27.11.15, 16:10

Der Rio Doce, einst ein schöner, mächtiger Fluss in Brasilien, verwandelt sich in eine giftige, braune Brühe. Drei Viertel des 850 Kilometer langen Flusses sind verseucht. Schuld daran sind giftige Schlammlawinen, die seit einem Unfall in einer Bergbaumine vor drei Wochen in die umliegenden Gewässer kriechen.

Es ist die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens, wie Tests des Instituts für Wasser in Minas Gerais (IGAM) zeigen: Stellenweise sind die Arsen-Werte im Fluss zehn Mal so hoch wie das Gesetz erlaubt. «Das Ausmass des Umweltschadens entspricht 20'000 olympischen Schwimmbecken mit Giftschlamm», sagt UNO-Experte John Knox. In einem grossen Gebiet seien der Boden, die Flüsse und das Wassersystem kontaminiert worden.

Das Unglück passierte in Mariana im Staat Minas Gerais.

Das Desaster wird bleibende Schäden hinterlassen: «Viele Regionen werden nie mehr dieselben sein», prophezeit der Geologe Klemens Laschesfki zu Reuters. Der Biologe André Ruschi erklärt gegenüber ZDF heute: «Es wird mindestens 100 Jahre dauern, bis die Rückstände dieser Giftstoffe langsam verschwinden».

Videos zeigen verzweifelte Fischer, die weinend in ihren Holzbooten sitzen, in denen sie haufenweise tote Fische stapeln. Die Menschen, die an den verseuchten Gebieten leben, können das Wasser nicht mehr zum Trinken und Kochen benützen. Freiwillige und das Militär müssen mit Trinkwasserkanistern aushelfen.

Fischer sind verzweifelt.
YouTube/Jornal da Alterosa

Mittlerweile sind rund neun Tonnen verendete Fische aus dem Fluss entfernt worden. Dies berichtete das Portal UOL am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf die Umweltbehörde.

Minenbetreiber: Schlamm ist gar nicht giftig

So nahm die Katastrophe ihren Anfang: Am 5. November brachen zwei Dämme einer Eisenerz-Bergwerks in der Stadt Mariana und lösten eine Lawine aus 62 Millionen Kubikmeter Schlamms voller Eisenerz-Abfälle aus. Diese begrub praktisch das ganze Bergdorf Bento Rodrigues unter sich, mindestens 15 Menschen kamen ums Leben.

Der Betreiber der Mine spielt alles in geradezu dreister Weise herunter. Die Abwasser seien nicht giftig, sagt das Unternehmen Samarco, das zu gleichen Teilen dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale und dem britisch-australischen Rohstoffkonzern BHP Billiton gehört.

Luftaufnahmen der Katastrophe.
YouTube/Pesca Amadora Esportiva

Präsidentin Dilma Rousseff vergleicht den Schaden mit der BP-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Brisant: Samarco soll Rousseffs Wahlkampagne, wie auch die ihres Mitkonkurrenten, zu grossen Teilen mitfinanziert haben.

Im Netz entlädt sich die Wut gegen den Konzern und die Präsidentin. User beklagen sich darüber, dass die Regierung nur eine Zahlung von umgerechnet 270 Millionen Franken als Notfallmassnahme gewährt. «Selbst das Hundertfache davon kann nicht wiedergutmachen, was dieser Konzern angerichtet hat», schimpft ein User auf Facebook.

Ein weiterer schreibt: «Das ist unser Fukushima.» 

A propos Fukushima: Bilder aus der verbotenen Zone

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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33
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33Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Wakeup 29.11.2015 12:25
    Highlight 😭😢
    2 0 Melden
  • alessandro 28.11.2015 11:24
    Highlight den verantwortlichen wird nichts passieren, die trinken weiterhin flaschenwasser und schicken ihre kinder in die privatschule. es ist sehr schade, dass revolutionen so selten gut herauskommen. aber in solchen situationen drängt sich in mir der wunsch nach einem scheiterhaufen und einer beendigung der kaste die all dies verursacht hat und schlussendlich wohl noch davon profitiert. schade sind die kleinen leute so dermassen schlecht organisiert.
    15 1 Melden
    • Stephan Locher 28.11.2015 17:24
      Highlight Lieber allesandro.

      Watson.ch ist ein Schweizer Newsportal und hier haben wir glücklicherweise kein Kastensystem und Selbstjustiz sowie der Aufruf zur Tötung sind Strafbar.
      3 8 Melden
    • Stephan Locher 28.11.2015 17:25
      Highlight Ich kann jedoch Deinen Unmut gut nachfühlen, mich nervt das Leid der Welt genauso!

      Wer konkret müsste man hier zur Verantwortung ziehen?
      1 0 Melden
    • cassio77 28.11.2015 17:52
      Highlight in brasilien wird die revolution kommen... es geht nicht mehr ohne
      0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 22:20
    Highlight Vielleicht bringt das Brasilien endlich mal zum Umdenken und sie hören auf, ihr einst wunderschönes Land an ausländische Konzerne zu verschachern nur damit ein paar Wenige reich werden.
    43 2 Melden
  • peeti 27.11.2015 19:33
    Highlight Endlich wird das Unglück auch hier bei uns zum Thema. Es ist def. Zeit für die Konzernverantwortungsinitiative.
    68 4 Melden
  • Stephan Locher 27.11.2015 17:57
    Highlight Vielen Dank für den guten Bericht Watson.

    Bitte dran bleiben.

    Mich würde besonders Interessieren ob es Auswirkungen auf Nachbarländer sowie den Ozean gibt und ob Produkte/Händler in der Schweiz Geschäftsbeziehungen zu der Firma haben.
    61 4 Melden
    • cassio77 27.11.2015 18:13
      Highlight klar haben schweizer unternehmen geschäftsbeziehungen zu bhp billiton.
      37 1 Melden
    • pedrinho 28.11.2015 12:01
      Highlight Stephan, freund google hilft....

      Vale Schweiz (oder tagi archiv 2012/13)

      ....und ja, eine kaum vorstellbare katastrophe, ueber jahrzehnte auf einer strecke von ueber 800km ist der fluss tot. Leider ist die berichterstattung im "pariser-laerm" untergegangen. Gut, dass Watson berichtet.
      9 0 Melden
  • UNO1 27.11.2015 17:40
    Highlight "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann." (Weisheit der Cree-Indianer)
    87 1 Melden
    • cassio77 27.11.2015 18:14
      Highlight rousseff ist auch keine richtige brasilianerin. wie die meisten brasilianer
      12 16 Melden
    • cassio77 27.11.2015 19:39
      Highlight die daumen runter kommen von leutrn, die keine ahnung haben, wie es der indigenen bevölkerung in brasilien geht. ihr lebensraum wird mehr und mehr von den zugewanderten zerstört und sie müssen unter widrigsten bedingungen leben. häufig werden sie verachtungsvoll beäugt, ehe man sich von ihnen abwendet. auch in brasilien wurden sie zu alkoholikerm gemacht, damit sie ja nicht aufmüpfig werden.
      38 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 21:23
      Highlight absolut deiner meinung, cassio. aber hier gilt auf einmal die verdrängung der einheimischen, und in der schweiz wird sie hier im forum gutgeheissen... begreife ich nicht...
      9 19 Melden
    • atomschlaf 27.11.2015 21:39
      Highlight @KingKong1990: In der Schweiz werden doch keine Einheimischen verdrängt. Alles nur rechtspopulistische Lügenpropaganda...
      31 3 Melden
    • cassio77 27.11.2015 22:04
      Highlight @ atomschlaf: stimmt so nicht! die schweizer werden mehr und mehr verdrängt, aber gleichzeitig hängen sie sich an die zipfel der kinder von einwanderern, wie paradox...
      2 24 Melden
    • Anam.Cara 28.11.2015 07:06
      Highlight @cassio77: können Sie "mehr und mehr" ein bisschen genauer definieren? Und das mit den Zipfeln hab ich auch nicht wirklich interpretieren können - weder symbolisch noch bildlich.
      Aber vielleicht bin ich einfach noch ein bisschen müde...
      10 0 Melden
    • smoe 28.11.2015 09:24
      Highlight @cassio77
      Was bitteschön ist eine richtige Brasilianerin, ein richtiger Brasilianer?
      4 0 Melden
    • cassio77 28.11.2015 10:53
      Highlight @ smoe: das sind für mich die indigenen völker, ganz klar.
      2 1 Melden
    • smoe 28.11.2015 12:13
      Highlight @cassio77
      Kann man so sehen, aber damit sprichst du 90-99% der Bevölkerung Brasiliens ihre Nationalität ab. Was kann z. B. eine Bekannte von mir dafür, dass ihre Vorfahren von Europäern aus Afrika dorthin verschleppt wurden? Darf sie sich deshalb nicht mehr Brasileira nennen? Die Kolonialzeit hat nun mal stattgefunden, dass können wir nicht rückgängig machen. Aber ich glaube nicht, dass man Probleme in irgendeinem Land löst, indem man auf Stammbäume schaut.
      5 0 Melden
    • cassio77 28.11.2015 17:50
      Highlight @ smoe. klar kann sie sich brasileira nennen, das ist sie schliesslich auch. sie soll aber - und sie wird eswahrscheinlich auch - die rolle des staates im umgang mit der indigenen bevölkerung kritisch hinterfragen. dilma wie lula haben hier gar nichts für die - nennen wir sie mal - urbrasilianer getan. im gegenteil! weitere landstriche wurden dem erdboden gleichgemacht, tausende qm land eingeäschert. im rahmen der wasserknappheit im lande werden neue projekte zur - freundlich ausgedrückt - umplatzierung der indios lanciert. darauf kann keine brasilianerin und kein brasilianer stolz sein.
      1 0 Melden
  • Dreamtraveller 27.11.2015 17:36
    Highlight Der Mensch. Der grösste auf der Erde wohnhafte Parasit. Zum davonlaufen sowas...
    42 3 Melden
  • atomschlaf 27.11.2015 17:36
    Highlight Tragisch. Öffnet einem aber die Augen, was ernsthafte Umweltprobleme sind, im Gegensatz zu den Lappalien über die hierzulande jeweils gestritten wird.
    24 11 Melden
    • Jan. 27.11.2015 18:17
      Highlight zum Beispiel?
      14 6 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 22:36
      Highlight in paris terror, in brasilien umweltsünden... und ich gehe jeden tag arbeiten und sehe, über welche kleinikeiten wir streiten, sitzungen veranstalten und uns mit irgendwelchen lächerlichen problemen herumschlagen...
      19 0 Melden
    • Anam.Cara 28.11.2015 07:16
      Highlight Ich kann euch gut verstehen atomschlaf und KingKong1990.
      Dieses Gefühl der Unverhältnissmässigkeit beschleicht mich manchmal auch. Und auch eine gewisse Hilflosigkeit. Wie soll ich reagieren, was kann ich tun?
      Einen entscheidenden Hinweis habe ich kürzlich von Kafi Freitag erhalten. Sie hat vorgeschlagen mit Menschlichkeit und Liebe zu reagieren.
      Ich versuche ein bisschen dankbarer und gelassener zu sein. Ich versuche den Menschen zu zeigen, dass ich mich über sie freue.
      Das ändert nichts an den grossen Problemen der Welt. Aber dafür in meinem Umfeld...
      6 0 Melden
    • atomschlaf 28.11.2015 15:33
      Highlight @Jan: Als Beispiel fällt mir die Eigentalstrasse im Zürcher Unterland ein, wo wegen ein paar Fröschen die Strasse dauerhaft gesperrt und dadurch den betroffenen Anwohnern wesentlich mehr Verkehr zugemutet werden soll.
      Es gäbe sicher noch viele andere Beispiele...
      3 4 Melden
  • Gelöschter Benutzer 27.11.2015 17:35
    Highlight Brasilien ist ein phantastisches Land welches leider durch ein brutal korrupte Politikerkaste ständig am Rande des Abgrunds steht. Die CH wird übrigens als Fluchtort der Korruptionsgelder sehr geschätzt und es vergeht fast kein Tag ohne Erwähnung von CH-Banken im Zusammenhang mit dem Petrosbras- oder anderen Skandalen



    30 5 Melden
  • DerWeise 27.11.2015 17:07
    Highlight R.I.P Earth.

    47 3 Melden
  • Marcel Nandy Füllemann 27.11.2015 17:05
    Highlight Die Tragödie hat bereits vor ein paar Wochen ihren Lauf genommen, krass das im Westen erst jetzt darüber berichtet wird, da vorallem bei diesem Material jede Sekunde zählt :/
    63 2 Melden
    • Statler 27.11.2015 17:23
      Highlight Was hat die Berichterstattung hier mit der Reaktionszeit auf die Katastrophe vor Ort zu tun?
      Können wir die Lawine per Fernsteuerung aufhalten?
      9 23 Melden
    • Bijouxly 27.11.2015 17:28
      Highlight ich denke, er meint die Brisanz. bei einem atomaren Unfall oder bei einem Terroranschlag wissen wir es ja auch sofort, auch wenn wir nichts tun können.
      57 0 Melden
  • Wasmeinschdenndu? 27.11.2015 16:28
    Highlight Schlimm. Einfach nur tragisch wie rüchsichtslos einmal mehr mit der Umwelt umgegangen wird. Bei der Lagerung des giftigen Schlamms wurde sicher gespart. Die Umwelt ist dort nun für Jahre verschmutzt und für die Aufräumarbeiten wird der Minenbetreiber sicher nicht aufkommen...
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