International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Das ist unser Fukushima»: Diese Giftschlammlawine ist die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens

Ein Dammbruch in einer Bergmine löste eine giftige Schlammlawine aus. Jetzt sind ganze Gewässer verseucht, Fische sterben, die Anwohner haben kein Wasser. Der Betreiber behauptet dreist, der Schlamm sei nicht giftig.



Der Rio Doce, einst ein schöner, mächtiger Fluss in Brasilien, verwandelt sich in eine giftige, braune Brühe. Drei Viertel des 850 Kilometer langen Flusses sind verseucht. Schuld daran sind giftige Schlammlawinen, die seit einem Unfall in einer Bergbaumine vor drei Wochen in die umliegenden Gewässer kriechen.

Es ist die grösste Umweltkatastrophe in der Geschichte Brasiliens, wie Tests des Instituts für Wasser in Minas Gerais (IGAM) zeigen: Stellenweise sind die Arsen-Werte im Fluss zehn Mal so hoch wie das Gesetz erlaubt. «Das Ausmass des Umweltschadens entspricht 20'000 olympischen Schwimmbecken mit Giftschlamm», sagt UNO-Experte John Knox. In einem grossen Gebiet seien der Boden, die Flüsse und das Wassersystem kontaminiert worden.

Das Unglück passierte in Mariana im Staat Minas Gerais.

Das Desaster wird bleibende Schäden hinterlassen: «Viele Regionen werden nie mehr dieselben sein», prophezeit der Geologe Klemens Laschesfki zu Reuters. Der Biologe André Ruschi erklärt gegenüber ZDF heute: «Es wird mindestens 100 Jahre dauern, bis die Rückstände dieser Giftstoffe langsam verschwinden».

Videos zeigen verzweifelte Fischer, die weinend in ihren Holzbooten sitzen, in denen sie haufenweise tote Fische stapeln. Die Menschen, die an den verseuchten Gebieten leben, können das Wasser nicht mehr zum Trinken und Kochen benützen. Freiwillige und das Militär müssen mit Trinkwasserkanistern aushelfen.

abspielen

Fischer sind verzweifelt.
YouTube/Jornal da Alterosa

Mittlerweile sind rund neun Tonnen verendete Fische aus dem Fluss entfernt worden. Dies berichtete das Portal UOL am Donnerstag (Ortszeit) unter Berufung auf die Umweltbehörde.

Minenbetreiber: Schlamm ist gar nicht giftig

So nahm die Katastrophe ihren Anfang: Am 5. November brachen zwei Dämme einer Eisenerz-Bergwerks in der Stadt Mariana und lösten eine Lawine aus 62 Millionen Kubikmeter Schlamms voller Eisenerz-Abfälle aus. Diese begrub praktisch das ganze Bergdorf Bento Rodrigues unter sich, mindestens 15 Menschen kamen ums Leben.

Der Betreiber der Mine spielt alles in geradezu dreister Weise herunter. Die Abwasser seien nicht giftig, sagt das Unternehmen Samarco, das zu gleichen Teilen dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale und dem britisch-australischen Rohstoffkonzern BHP Billiton gehört.

abspielen

Luftaufnahmen der Katastrophe.
YouTube/Pesca Amadora Esportiva

Präsidentin Dilma Rousseff vergleicht den Schaden mit der BP-Ölkatastrophe im Golf von Mexiko im Jahr 2010. Brisant: Samarco soll Rousseffs Wahlkampagne, wie auch die ihres Mitkonkurrenten, zu grossen Teilen mitfinanziert haben.

Im Netz entlädt sich die Wut gegen den Konzern und die Präsidentin. User beklagen sich darüber, dass die Regierung nur eine Zahlung von umgerechnet 270 Millionen Franken als Notfallmassnahme gewährt. «Selbst das Hundertfache davon kann nicht wiedergutmachen, was dieser Konzern angerichtet hat», schimpft ein User auf Facebook.

Ein weiterer schreibt: «Das ist unser Fukushima.» 

A propos Fukushima: Bilder aus der verbotenen Zone

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

29 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
UNO1
27.11.2015 17:40registriert June 2014
"Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann." (Weisheit der Cree-Indianer)
921
Melden
Zum Kommentar
peeti
27.11.2015 19:33registriert March 2015
Endlich wird das Unglück auch hier bei uns zum Thema. Es ist def. Zeit für die Konzernverantwortungsinitiative.
704
Melden
Zum Kommentar
Marcel Nandy Füllemann
27.11.2015 17:05registriert April 2014
Die Tragödie hat bereits vor ein paar Wochen ihren Lauf genommen, krass das im Westen erst jetzt darüber berichtet wird, da vorallem bei diesem Material jede Sekunde zählt :/
642
Melden
Zum Kommentar
29

Ein Paar in Brasilien pflanzte 20 Jahre lang Bäume – und lebt jetzt in einem Wald

Es ist eines der grössten Aufforstungsprojekte der Welt: Das Ehepaar Salgado pflanzte in 20 Jahren einen 68 Millionen Quadratmeter grossen Wald. Sie haben bewiesen, dass der Klimawandel nicht nur gestoppt, sondern auch rückgängig gemacht werden kann.

Anfang der 90er-Jahre wurde der brasilianische Fotografjournalist Sebastiao Ribeiro Salgado nach Ruanda geschickt, um über den schrecklichen Völkermord zu berichten. Das vor Ort Erlebte traumatisierte ihn schwer. 1994 kehrte Salgado in seine Heimat zurück. Er hoffte zu Hause in Minas Gerais, wo er von einem üppigen Wald umgeben aufgewachsen war, Ruhe und Erholung zu finden.

Statt des Waldes aber fand er kilometerweit staubiges und karges Land vor. In wenigen Jahren fand in seiner Heimatstadt …

Artikel lesen
Link zum Artikel