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Die Vertreterinnen und Vertreter der Kantone beugen sich ueber die Reform der Altersvorsorge im Staenderat, am Montag, 14. September 2015, an der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Das Ergebnis nach langen Verhandlungen
Bild: KEYSTONE

«Notwendige Anpassung»: Frauen sollen künftig bis 65 arbeiten

Auch Frauen sollen künftig erst mit 65 Jahren in Rente gehen. Das hat der Ständerat am Montag bei der Reform der Altersvorsorge mit 36 zu 8 Stimmen beschlossen.



Das Rentenalter – künftig Referenzalter genannt – in AHV und beruflicher Vorsorge liegt heute für Männer bei 65 Jahren und für Frauen bei 64 Jahren. Die Angleichung ist ein zentraler Baustein der Vorlage. Sie soll helfen, die Kosten, die die Alterung der Bevölkerung der AHV verursacht, teilweise aufzufangen.

Der Schritt sei aufgrund der demografischen Entwicklung «unausweichlich», sagte Kommissionssprecher Urs Schwaller (CVP/FR). Die Erhöhung des Frauenrentenalters spiegle nicht zuletzt die höhere Lebenserwartung. Bundesrat Alain Berset sprach ebenfalls von einer «notwendige Anpassung» angesichts der Entwicklung der Gesellschaft. Die Angleichung des Rentenalters entspreche einer wirtschaftlichen Realität.

«Und spätestens in einer Volksabstimmung wird man merken, dass es auch eine Verschlechterung für die Männer ist.»

Paul Rechsteiner

«Starke Lohndiskriminierung»

Frauenorganisationen und die Linke lehnen die Erhöhung des Frauenrentenalters weiterhin ab. Solange es in der wirtschaftlichen Realität eine so starke Lohndiskriminierung gebe, weise die Heraufsetzung des Rentenalters in die falsche Richtung, sagte der St. Galler SP-Ständerat und Gewerkschaftsbunds-Präsident Paul Rechsteiner. Zudem seien die Frauen schlechter abgesichert, vor allem bei der beruflichen Vorsorge.

Darum bedeute die Angleichung unter dem Strich eine Verschlechterung für die Frauen. «Und spätestens in einer Volksabstimmung wird man merken, dass es auch eine Verschlechterung für die Männer ist», sagte Rechsteiner. Es gebe Schichten, die sehr sensibel auf ein höheres Rentenalter reagieren würden. Rechsteiner warnte davor, solche Dynamiken zu unterschätzen.

Kritik an «Drohgebärden»

Roland Eberle (SVP/TG) kritisierte solche «Drohgebärden». Man sei sich einig, dass es sich bei der Vorlage um ein Paket handle und dass alle Kröten schlucken müssten. Da sei es völlig unverständlich, dass ein so zentraler Baustein gleich wieder herausgebrochen werden solle.

SP-Ständerätin Anita Fetz (BS) unterstützte ihren Parteikollegen Rechsteiner ebenfalls nicht. Man dürfe aber nicht vergessen, dass es Frauen gebe, die sehr hart arbeiteten. Diese freuten sich bestimmt nicht darüber, ein Jahr später in Rente zu gehen.

ZUM SDA-VORAUSBERICHT ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN IM KANTON BASEL-STADT STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG, 23. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Anita Fetz (SP-BS) auessert sich zur Interpellation

Anita Fetz stellt sich gegen ihren Parteikollegen Paul Rechsteiner.
Bild: KEYSTONE

Der Bundesrat schlägt einen «sanften Übergang» mit einer sechsjährigen Übergangsfrist vor. Jedes Jahr soll das Referenzalter um zwei Monate erhöht werden, so dass die Angleichung erst sechs Jahre nach Inkrafttreten der Vorlage vollzogen wäre. Das geht der Ständeratskommission zu langsam: Sie will eine bloss dreijährige Übergangsphase, die schon beim Inkrafttreten beginnt.

In der beruflichen Vorsorge führt die um ein Jahr längere Beitragspflicht zu höheren Altersrenten. Bedeutender sind aber die Einsparungen bei der AHV. Im Jahr 2030 belaufen sie sich auf gut 1.2 Milliarden Franken. Hinzu kommen Mehreinnahmen von rund 110 Millionen aufgrund der längeren Beitragspflicht.

Früher oder später

Mit der Angleichung des Rentenalters soll der Altersrücktritt auch flexibler werden. Nach Ansicht des Bundesrats entspricht die heutige starre Regelung weder den Bedürfnissen der Versicherten noch den demografischen Rahmenbedingungen. Daher ist im Gesetz künftig auch nicht mehr von Rentenalter, sondern von Referenzalter die Rede.

Heute können Männer die AHV-Rente frühestens mit 63, Frauen mit 62 Jahren beziehen. Künftig kann der Rentenbezug drei Jahre vorverlegt werden, nach der Angleichung des Rentenalters also für Männer wie Frauen auf 62 Jahre. Anders als heute ist auch ein Teilvorbezug und damit ein gleitender Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand möglich.

Renten werden gekürzt

Während des Vorbezugs müssen keine AHV-Beiträge bezahlt werden. Die Rente wird jedoch gekürzt, allerdings weniger als heute: Bei 3 Jahren Vorbezug um 17.4 Prozent, bei 2 Jahren um 12.1 Prozent und bei einem Jahr um 6.3 Prozent. Personen mit langer Beitragsdauer und geringem Einkommen möchte der Bundesrat mit tiefere Kürzungssätzen den Rentenvorbezug erleichtern, die SGK stellt sich jedoch dagegen. Darüber wird aber erst später diskutiert.

Einen Zuschlag gibt es beim Rentenaufschub, der wie heute für fünf Jahre möglich ist. Die geltenden Zuschläge werden jedoch wegen der längeren Lebenserwartung reduziert. Neu ist auch ein teilweiser Aufschub möglich. Wer nach 65 Jahren ein Erwerbseinkommen erzielt, zahlt darauf weiterhin AHV-Beiträge. Neu werden diese bei der Rentenberechnung berücksichtigt. Andererseits wird der heute geltende Freibetrag von 1400 Franken abgeschafft.

In der beruflichen Vorsorge gibt es heute keine Bestimmungen zum flexiblen Rentenbezug. Künftig soll dieser wie in der AHV zwischen 62 und 70 Jahren möglich sein. In der Regel wäre es also nicht mehr möglich, schon mit 58 Jahren in Pension zu gehen. Die SGK beantragt aber, dass Vorsorgeeinrichtungen unter bestimmten Umständen ein tieferes Rücktrittsalter vorsehen können, beispielsweise bei betrieblichen Restrukturierungen oder aus Gründen der öffentlichen Sicherheit. (jas/sda)

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chili5000 15.09.2015 06:35
    Highlight Highlight Man hätte darüber nachdenken sollen das Rentenalter für Männer auf 64 herunterzuschrauben. Jetzt wälzt man diese Männer und Frauen auf die Arbeitslosenkasse um. Natürich wird die AHV somit entlastet, aber es ist ja nur eine Umverteilung, mehr nicht.
    1 3 Melden
  • Sapere Aude 15.09.2015 02:11
    Highlight Highlight Interessant dass manche diesen Entscheid als gerecht empfindet, während Frauen durchschnittlich 18% weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten. Auf der anderen Seite hat man es wieder einmal verpasst, den Verfassungsauftrag zu erfüllen und AHV Rente die das Existenzminimum garantieren einzuführen.
    3 5 Melden
  • Auf! 14.09.2015 23:30
    Highlight Highlight Und als nächstes bitte gerade moch ein Äquivalent zum Militärdienst für frauen einführen.
    6 6 Melden
  • atomschlaf 14.09.2015 23:20
    Highlight Highlight Die Position der Frauenorganisation und der Linken zeigt eindeutig, dass es ihnen nicht um "Gleichberechtigung" sondern um Bevorzugung der Frauen geht. Es gibt längst keinen sachlichen Grund mehr für ein tieferes Rentenalter für Frauen. Im Gegenteil: Aufgrund der längeren Lebenserwartung müsste man sogar über höheres Rentenalter für Frauen nachdenken.
    Übrigens... wo bleibt die Dienstpflicht für Frauen?
    9 5 Melden
  • Karl33 14.09.2015 20:24
    Highlight Highlight überfällig. nur ewiggestrige profiteure klammern sich an den ihnen nicht zustehenden pfründen fest.
    18 2 Melden
  • Kaiserin 14.09.2015 20:19
    Highlight Highlight Irgendwie war das längst überfällig... Ich habe das nie verstanden... Klar, es gibt immer noch Nachteile für Frauen im Erwerbsleben und auch sonst, aber dagegen nützt doch das Rentenalter 64 für Frauen nichts. Diese Ungleichheiten gilt es anders zu überwinden.

    Auch die anderen Neuerungen sind notwendig, um die Altersvorsorge der demografischen Entwicklung anzupassen.
    28 1 Melden
  • koks 14.09.2015 19:41
    Highlight Highlight ganz interessant finde ich diese grafik: heute bezahlen männer 2/3 aller ahv-beiträge, aber die grosse mehrheit der ahv-renten geht an frauen (über diese umverteilung spricht natürlich niemand bei der ganzen genderdebatte, danke tagi fürs visualisieren). deshalb: anpassung rentenalter der frauen ist längst überfällig. man könnte natürlich das rentenalter der männer auch an jenes der frauen anpassen...
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    40 5 Melden
    • tüfu 14.09.2015 20:02
      Highlight Highlight Hinterfragen sie doch vielleicht mal wieso das ist?
      13 13 Melden
    • Dewar 14.09.2015 20:04
      Highlight Highlight Das wird sich in der nächsten Zeit drastisch ändern. Zunehmend teilen Paare mit Kindern ihr Gesamtpensum untereinander gleichmässiger auf (z.B. 60+60% statt 100+20%), flexible Arbeitsmodelle werden zum Trend. Zusätzlich holen die Frauen bzgl. Bildungsniveau gegenüber den Männern auf, was für erstere steigende Löhne und damit ausgeglichenere Einkommen bedeutet. Das heisst für die Frauen, für die die Änderung gelten wird, wird diese Grafik schon anders aussehen. Wenn beim Thema gleicher Lohn für gleiche Arbeit gleichermassen vorwärts gemacht wird, ist die Anpassung für mich aber gerechtfertigt.
      15 7 Melden
  • holden27 14.09.2015 19:32
    Highlight Highlight richtige Entscheidung!
    Gleichberechtigung bedeutet nicht immer nur Vorteile...
    38 5 Melden
  • Jay_Jay 14.09.2015 19:30
    Highlight Highlight Wenn mein Lohn für die gleiche Arbeit gleich ist, können sie gerne das Rentenalter angleichen, bis dahin ➡️ NEIN!!!!
    19 57 Melden
    • JJ17 14.09.2015 19:42
      Highlight Highlight Chantal, heul leise!😉
      30 8 Melden
    • stadtzuercher 14.09.2015 19:48
      Highlight Highlight jö, du armes opfer. brauchst etwas mitleid?
      19 14 Melden
    • goschi 14.09.2015 19:59
      Highlight Highlight Wenn meine prognostizierte Lebenserwartung gleich hoch ist, wie die der Frauen, akzeptiere ich gerne gleiches Pensionsalter für Frauen, bis dahin fordere ich, dass sie länger arbeiten sollen!
      36 11 Melden
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