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Long Covid: Informatikprofessor verlässt die ETH Zürich

ETH Zürich, Zentrum, Hauptgebäude HG, Haupteingang, Rämistrasse
Das Hauptgebäude der ETH Zürich.bild: ETH Zürich/Gian Marco Castelberg

Schwere Form von Long Covid: Informatikprofessor verlässt die ETH Zürich

16.07.2025, 10:4116.07.2025, 16:03

«Leider bin ich nicht länger Professor an der ETH Zürich, aufgrund einer schweren Form von Long Covid und ME/CFS.» Diese Zeilen schreibt Otmar Hilliges auf der Plattform LinkedIn.

Otmar Hilliges.
Otmar Hilliges.bild: inf.ethz.ch

Bekannt wurde Hilliges' Geschichte durch einen Artikel im Tages-Anzeiger im Februar des vergangenen Jahres. Dort erzählt der damals 44-jährige Informatikprofessor an der ETH Zürich, wie er seit fast einem Jahr im abgedunkelten Schlafzimmer liegt. «Es ist der absolute Albtraum», beschreibt Hilliges seine Situation.

Der Wissenschaftler hat sich zweimal mit Covid-19 angesteckt. Erste Beschwerden treten einige Monate nach der ersten Infektion auf, richtig schlimm wird es im März 2023, zwei Monate nach der zweiten Infektion.

Damals erleidet Hilliges seinen ersten Crash, eine plötzliche und massive Verschlechterung der Symptome. Hilliges fühlt sich elend. Im «Tages-Anzeiger» sagt er:

«Es fühlte sich an, als würde mein ganzes System abstürzen.»

Der ETH-Professor arbeitet noch einige Wochen aus dem Homeoffice, erleidet aber weitere Crashs. Später wird er zu 100 Prozent krankgeschrieben. Seine Ärzte diagnostizieren ihm eine Myalgische Enzephalomyelitis und das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS). Dabei handelt es sich um eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die oft auf Long Covid folgt.

Eineinhalb Jahre später sieht sich Hilliges gezwungen, seine Position als Informatikprofessor an der ETH Zürich aufzugeben. Auf LinkedIn schreibt er:

«Ich habe es geliebt, als Wissenschaftler zu arbeiten, und hatte das Privileg, mit sehr talentierten Doktoranden und Postdoktoranden zusammenzuarbeiten. Es war mir eine Freude, so viele fantastische Kollegen und Mitarbeiter an der ETH und auf der ganzen Welt kennenzulernen, von denen ich viele als Freunde bezeichnen würde. Ich vermisse euch schon jetzt!»

Der ETH-Rat schreibt in der entsprechenden Mitteilung: «Der ETH-Rat und die ETH Zürich nehmen den Rücktritt von Otmar Hilliges mit grossem Bedauern zur Kenntnis, danken ihm für sein Engagement und wünschen ihm eine vollständige Genesung und alles Gute.»

Hilliges war seit 12 Jahren an der ETH Zürich. Er habe «im Bereich der Augmented Reality Pionierarbeit geleistet und galt als Visionär auf dem Gebiet der Mensch-Computer-Interaktion». Der ETH-Rat betont: «Seine international hoch anerkannte Forschung lag an der Schnittstelle zwischen Mensch-Maschine-Interaktion, maschinellem Sehen und Lernen sowie der Computer-Vision und wurde mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt.»

Nebst Hilliges erkrankte auch einer seiner beiden Söhne an Long Covid und ME/CFS. Er war zwischenzeitlich in einem so schlechten Zustand, dass er rund um die Uhr Hilfe benötigte. Später macht er aber auch Fortschritte. Die Mutter und der zweite Sohn blieben gesund.

In seinem Post auf LinkedIn bittet Hilliges um Spenden für die Forschung im Bereich Long Covid und ME/CFS. Anfang 2024 sagte der nun emeritierte Informatikprofessor bereits: «Ich bin eben Wissenschaftler und weiss, wozu die Wissenschaft fähig ist.» (rst)

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