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17.10.2014; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - Ambri-Piotta; 
Francis Bouillon (Ambri) gegen Michael Loichat (Bern)
(Urs Lindt/freshfocus)

 Francis Bouillon im Kampf gegen Michael Loichat. Bild: Urs Lindt/freshfocus

Statistik lügt

Ein bisschen Nostalgie und banges Hoffen auf den neuen Verteidigungsminister

Nach einem verheissungsvollen Debut in Bern ruhen Ambris Hoffnungen auf NHL-Legende Francis Bouillon. Weil die Statistik diesmal lügt.

18.10.14, 08:51 18.10.14, 15:17

36 Minuten und 6 Sekunden lang lebten die Erinnerungen an den 21. Dezember 2007. Dann löschte das erste Tor des SC Bern alle Hoffnungen und vorbei war es mit dem kleinen bisschen Nostalgie. 

An diesem 21. Dezember 2007 hatte Michael Flückiger die SCL Tigers nach 12 Derby-Niederlagen wieder einmal zu einem Sieg in Bern gehext. Dieses 2:1 zu Bern ist bis heute Michael Flückigers grösstes Spiel. «Ja, ich erinnere mich noch heute oft an diese Partie» sagt Flückiger am Freitagabend nach dem 0:3 in Bern mit ein bisschen Wehmut. 

Ambris Torhueter Michael Flueckiger im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Ambri-Piotta am Freitag, 17. Oktober 2014, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Denkt Flückiger gestern an seine Langnau-Zeiten zurück? Bild: KEYSTONE

«Kämpfen, kämpfen, kämpfen»

«Ich habe auch jetzt wieder daran gedacht. Aber es war diesmal nichts zu machen. Ich habe die Mannschaft so lange im Spiel gehalten wie nur möglich.» Er fühle sich auch sonst an die Situation in Langnau erinnert. «Es ist mit Ambri wie damals in Langnau. Es geht nur, wenn wir kämpfen, kämpfen, kämpfen.»

Am Freitag wehrte sich Michael Flückiger im Tor Ambris so heldenhaft wie damals am 21. Dezember 2007 im Kasten der Langnauer. Aber am Ende stand eine 0:3-Niederlage, die mit tausend Fanghänden nicht zu vermeiden war. Eine grosse Torhüterleistung blieb unbelohnt. 

17.10.2014; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - Ambri-Piotta; 
Alexandre Giroux (L. Ambri) gegen Beat Gerber (M. Bern) und Torhueter Marco Buehrer (Bern)
(Sandro Stutz/freshfocus)

Auch Topskorer Alexandre Giroux kann den Shotout von Marco Bührer nicht verhindern. Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Wir haben in Bern ein tapferes, diszipliniertes, braves, aber mutloses und damit kleines Ambri gesehen. Die Leidenschaft, die in dieser Saison grosse Siege möglich gemacht hat – im Startspiel auch gegen den SC Bern – fehlte im Berner Hockeytempel. 

Ohne diese Leidenschaft, ohne Rock und ohne Roll ist Ambri nur eine ganz gewöhnliche Mannschaft mit gewöhnlichen Ausländern. Die Tapferkeit machte es zwar möglich, fast zwei Drittel lang das 0:0 zu halten. 

Mutlose Tessiner

Aber weil der Mut fehlte, hatte die Mannschaft keine offensive Durchschlagskraft. Ambri gab Marco Bührer keine Chance, einen Fehler zu machen und der SCB-Torhüter, in diesem Herbst so oft Lottergoalie, kassierte erstmals in dieser Saison kein Gegentor und wurde auch noch zum besten Spieler gewählt. 

Hier ist noch eine kleine Korrektur anzubringen. Ganz gewöhnlich waren Ambris vier Ausländer bei diesem 0:3 in Bern nicht. Wir sahen nämlich das Debut der NHL-Legende Francis Bouillon (39). Seine Statistik ist ernüchternd (0 Tore, 0 Assists, -2). 

17.10.2014; Bern; Eishockey NLA - SC Bern - Ambri-Piotta; 
Francis Bouillon (Ambri) (Sandro Stutz/freshfocus)

Francis Bouillon: Trotz seinen 39 Jahren keine Mühe mit dem Spielrhythmus. Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Doch für einmal lügt die Statistik. Francis Bouillon hat einen hervorragenden Eindruck hinterlassen, liess immer wieder seine Klasse aufblitzen, hatte mit dem Tempo nie Probleme und lief wie ein junges Reh. «Ich brauche für die Umstellung aufs grössere Eisfeld noch ein wenig Zeit» sagte er. Der kanadisch-amerikanische Doppelbürger war nach dem Spiel frisch wie eine Rose und keineswegs ausser Atem. Aus familiären Gründen hat er die Offerte aus Ambri den Angeboten aus der russischen KHL vorgezogen. 

Serge Pelletier sagt, Francis Bouillon könne der wichtigste Einzelspieler werden. Oder besser: Ambris Trainer und Sportchef hofft es. «Er ist jetzt nach O’Byrne und Kinrade bereits unser dritter ausländischer Verteidiger und das erklärt unsere Probleme im Powerplay.» 

Letzte Saison orchestrierten Maxim Noreau (zurück nach Nordamerika) und Markus Nordlund (zurück nach Schweden) Ambris Überzahlspiel und befeuerten die Offensive. Diese Saison ist Ambri immer noch auf der Suche nach der idealen Besetzung der Position des Verteidigungsministers. 

Ambris Geoff Kinrade im Eishockeyspiel der National League A, zwischen dem EHC Biel und dem HC Ambri-Piotta, am Freitag, 10. Oktober 2014, in der Eishalle Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Geoff Kinrade wechselte nach Kroatien. Bild: KEYSTONE

Ryan O’Byrne fehlt wegen einer Verletzung. Der vom SCB leihweise übernommene Geoff Kinrade verteidigt nun bei Zagreb in der KHL. «Kinrade war defensiv solid» sagt Serge Pelletier. «Wir haben ihn ziehen lassen, weil ihm dieses gewisse Extra fürs Powerplay und für die Offensive fehlt, das ich mir von Bouillon verspreche.»

Bouillon's Fähigkeiten für NLA ideal

Die Hoffnungen, grosse Hoffnungen, vielleicht zu grosse Hoffnungen ruhen nun auf dem Verteidiger mit der Erfahrung aus mehr als 800 NHL-Spielen. Serge Pelletier ist vorerst zufrieden. «Sein Debüt war vielversprechend.» Aber eben: Bis Francis Bouillon das Spiel dominiert, braucht er noch eine längere Anpassungszeit. Auch wenn sein Stil durchaus für unsere Hockey gemacht ist. Er sagt: «Schon seit Jahren sagen mir in Nordamerika alle, das europäische Hockey sei perfekt für mich.»

Vor einem Jahr hatte Ambri nach 13 Spielen 26 Punkte und damit elf Punkte Vorsprung auf Platz 9 (Biel). Am Ende reichte es für die Playoffs. Jetzt sind es nach 13 Spielen 16 Punkte. Genau gleich viele wie Biel, das erneut auf Rang 9 steht. 

The new Ambri player Francis Bouillon of HC Ambri-Piotta is pictured at the ice stadium Valascia, in Ambri, Switzerland, Thursday, October 16, 2014. (KEYSTONE/TI-PRESS/Samuel Golay)

Rettet Bouillon Ambri vor den Playouts? Bild: KEYSTONE

Der Winter könnte in der Leventina lang und kalt werden. Das wärmende Feuer der Playoffhoffnungen ist noch nicht erloschen. Aber es flackert im Durchzug der starken Konkurrenz. 

Vielleicht kann es ja Francis Bouillon neu entfachen und seinen ausländischen Schicksalsgenossen Alexandre Giroux, Keith Aucoin und Adam Hall Assists machen. Sonst wärmt bald nur noch die Hitze der Polemik um die ausländischen Stürmer die Seele der Fans. 6 von 8 Ausländerlizenzen sind schon eingelöst. 



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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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