Terrorismus
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epa04512861 A man walks in front of a destroyed car at  the scene where a suicide bomber attacked a United Nations convoy near the airport in Mogadishu, Somalia, 03 December 2014. Several people were feared killed in a suicide bombing attack by Islamist terrorist group al-Shabaab, when a member of the al-Qaeda-linked group drove a car bomb into the peacekeeper convoy at about 0700 GMT at the heavily secured Aden Ade International Airport, Somali security officials said.  EPA/SAID YUSUF WARSAME

Selbstmordattentat auf einen UNO-Konvoi in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Im ostafrikanischen Land wurden im November 216 Menschen Opfer von islamistischem Terror. Bild: SAID YUSUF WARSAME/EPA/KEYSTONE

Studie zu islamistischem Terror 

Dschihadisten töten 170 Menschen pro Tag – die Opfer sind fast nur Muslime

Es ist eine drastische Momentaufnahme: Militante Islamisten haben im November 2014 laut einer Studie weltweit mehr als 650 Anschläge verübt und 5000 Menschen getötet – die meisten Opfer sind Muslime. 

Ein Artikel von

Spiegel Online

Islamistische Terroristen töten weltweit im Schnitt 170 Menschen pro Tag. Das geht aus einer Studie des International Centre for the Study of Radicalisation (ICSR) und der BBC in London hervor. Die Forscher haben dafür die Anschläge von Dschihadistengruppen im November 2014 gezählt. Innerhalb dieser 30 Tage haben militante Islamisten 664 Anschläge verübt, bei denen 5042 Menschen getötet wurden. 

Die wichtigsten Erkenntnisse der ICSR-Studie im Überblick: 

1. IS verantwortlich für die meisten Anschläge

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) ist in Syrien und im Irak für die meisten Anschläge verantwortlich. Doch auch in zwölf weiteren Ländern haben Dschihadisten im vergangenen Monat Menschen getötet. In Afghanistan und Nigeria brachten sie jeweils etwa 800 Menschen um. Hunderte starben im Jemen, in Pakistan und in Somalia. 

Am meisten Opfer durch Anschläge islamistischer Terroristen hat der Irak zu beklagen – mit grossem Vorsprung auf Nigeria

Jihad

Am meisten Opfer durch Anschläge islamistischer Terroristen hat der Irak zu beklagen – mit grossem Vorsprung auf Nigeria. Bild: ICSR/BBC

2. 51 Prozent der Toten waren Zivilisten

Wenn man auch Regierungsbeamte, Polizisten und andere Gruppen hinzuzieht, steigt ihr Anteil an den Terroropfern sogar auf 57 Prozent. Die übergrosse Mehrheit der Menschen, die von radikalen Muslimen getötet wurden, sind selbst Muslime – etwa 80 Prozent, schätzen die Wissenschaftler. 

3. Die Dschihadisten verändern ihre Taktik

Sie setzen nicht mehr auf grosse Bombenanschläge, um möglichst viele Menschen zu töten. Stattdessen schiessen sie aus dem Hinterhalt und setzen schwere Waffen ein. Trotzdem sind Selbstmordattentate noch immer die gefährlichste Form des Terrors. Bei 38 Selbstmordanschlägen im November wurden 650 Menschen getötet. 

4. Die Bedeutung von Al-Kaida schwindet.

Für 60 Prozent der Toten waren Gruppen verantwortlich, die keine Beziehung zu dem Terrornetzwerk unterhalten. Zwar spielen Kaida-Ableger wie die syrische Nusra-Front und Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel noch immer eine bedeutende Rolle – dennoch kann man islamistischen Terror und Al-Kaida nicht mehr gleichsetzen. 

Jihad

Der Islamische Staat führt die Statistik der Getöteten an. Das Terrornetzwerk Al-Kaida, das vor einigen Jahren noch als grösste Bedrohung gesehen worden war, hat demgegenüber an Bedrohungspotenzial eingebüsst. Bild: ICSR/BBC

Vor drei Jahren wurde das Terrornetzwerk nach der Tötung Osama Bin Ladens praktisch für tot erklärt, dafür sind andere Dschihadistengruppen insgesamt so stark und gefährlich wie nie zuvor. «Es gibt keine schnellen Lösungen für diese Herausforderung, die nicht nur mit militärischen Mitteln sondern mit politischem Willen und wirtschaftlichen Ressourcen angegangen werden muss», schreiben die Wissenschaftler vom ICSR. Ebenso wichtig sei die Bereitschaft, die Ideologie zu bekämpfen, die die Expansion des Dschihadismus vorantreibt. 

Obwohl Terrorgruppen wie der IS und Boko Haram in Nigeria die internationalen Schlagzeilen bestimmen, bekommen nur die wenigsten Opfer der Dschihadisten die nötige Aufmerksamkeit der Medien, beklagt die Studie. «Über kaum einen Anschlag, den wir in unserer Studie berücksichtigt haben, ist in westlichen Medien berichtet worden», schreiben die Forscher. (syd)



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 11.12.2014 11:31
    Highlight Highlight Doch sehr verwunderlich, dass viele "Europäer" wieder aus dem Heiligen Krieg nach Europa zurück kehren, wo sie damit doch auf die vielen Vorzüge verzichten, die ihnen im Jenseits zustehen würden. Offenbar ist es doch einfacher auf diese Vorzüge im Paradies zu verzichten, als auf die Bequemlichkeiten der europäischen Sozialleistungen. Immerin wird dadurch auch der ungläubige Feind in Europa geschädigt, wenn auch nur indirekt. Hinzu kommt, dass das mit den Jungfrauen auch entfällt, sofern ihnen von einer der tapferen kurdischen Kämpferinnen das Licht ausgeknipst wird.
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