Die Villa-Spieler machen sich zum geschenkten Tor auf.
bild: screenshot sky
Das geschenkte Tor von Leeds – so trocken erklärt Bielsa die «Fairplay-Aktion des Jahres»
Leeds Uniteds Trainer Marcelo Bielsa fordert sein Team auf, Aston Villa ein Tor zu schenken. Konkurrent Sheffield United steigt deshalb vorzeitig in die Premier League auf. Kult-Trainer Bielsa ist dennoch der gefeierte Held.
Ein Tor geht um die Welt und Leeds-Trainer Marcelo Bielsa, wegen seiner eigenwilligen Methoden oft nur «El Loco» («Der Verrückte») genannt, wird für sein grosses Fairplay gefeiert. Von der «Fairplay-Aktion des Jahres» spricht Focus. Und Ex-Arsenal-Trainer Arsène Wenger lobt: «Sie spielen um den Aufstieg in die Premier League, es steht so viel auf dem Spiel und dann das. Das ist absolut bemerkenswert, das muss die ganze Welt sehen.»
Aber was ist überhaupt passiert?
- Am vorletzten Spieltag der englischen Championship treffen die beiden Aufstiegsanwärter Leeds United und Aston Villa aufeinander. Nur mit einem Sieg könnte Leeds Sheffield United den zweiten direkten Aufstiegsplatz noch streitig machen.
- In der 72. Minute steht es noch immer 0:0, als Villa-Profi Jonathan Kodjia im Mittelfeld hart angegangen wird. Er bleibt verletzt liegen. Villa fordert, dass das Spiel unterbrochen wird, doch Leeds spielt weiter.
- Leeds-Einwechselspieler Tyler Roberts verringert an der Seitenlinie plötzlich das Tempo, die «Villans» nehmen an, dass er den Ball ins Aus spielen wird, und verteidigen nur noch halbherzig. Doch Roberts schickt Mateusz Kilich in die Tiefe, der wenig später zum 1:0 für Leeds trifft.
Das ganze Drama in voller Länge.
Video: streamable
- Leeds hat keine Regel verletzt, nur bei Kopfverletzungen müssen die Spieler den Ball zwingend ins Aus spielen. Trotzdem kommt es auf dem Spielfeld und zwischen den Trainerbänken sofort zu Tumulten.
- Villas Co-Trainer John Terry zeigt anklagend in Richtung Leeds-Trainer Bielsa, Gäste-Stürmer Anwar El Ghazi sieht wegen einer angeblichen Tätlichkeit gegen Patrick Bamford, die jedoch keine ist, die Rote Karte.
Terry und Bielsa in hitziger Diskussion.
bild: screenshot sky
- Als sich die Villa-Spieler wieder zum Anstoss bereit stellen, gibt Bielsa seinen Spielern die Anweisung: «Gebt ihnen das Tor!» Ausser dem erzürnten Verteidiger Pontus Jansson leisten die Leeds-Spieler dann prompt keinen Widerstand, als Albert Adomah und Ahmed El Mohamady sich, begleitet von einem Pfeifkonzert der Leeds-Fans, auf den Weg zum 1:1 machen.
- Am Ende trennen sich Leeds und Aston Villa 1:1 – und das hat Konsequenzen. Sheffield United steht als zweiter Aufsteiger neben Norwich City in die Premier League fest, Leeds und Villa sind für die Playoffs qualifiziert, in denen der dritte Aufsteiger ausgespielt wird.
Die Tabellenspitze:
tabelle: weltfussball
In der Rolle des gefeierten Helden sieht sich Bielsa aber nicht: «Was passiert ist, ist passiert und wir haben uns benommen, wie wir uns benommen haben. Wir haben das Tor zurückgegeben. Der englische Fussball ist weltweit bekannt für seine Fairness. Ich habe alles gesagt, was ich sagen wollte», sagte der 63-jährige Argentinier nach dem Spiel kurz und knapp.
Zum Einschreiten von Verteidiger Jansson sagte Bielsa: «Er wollte meinen Anweisungen nicht Folge leisten. Das beeinträchtigt meine Autorität. Ich weiss noch nicht, was die Konsequenzen sein werden, wenn du den Respekt eines Spielers verlierst.»
Aston Villas Coach Dean Smith zeigte dagegen Verständnis für Jansson: «Ich kann seine Frustration verstehen, weil ich selbst Spieler war. Sein Job war es, die Null zu halten, und dann musst du dieses Tor wegschenken.»
Lustig! Bielsa versucht an der Pressekonferenz «Ipswich» auszusprechen.
Video: streamable
Zu Bielsa sagte Smith: «Ich habe ihm geraten, dass es richtig wäre, das zu tun, und er hat zugestimmt. Kilich kam nach dem Spiel zu mir und hat sich für sein Tor entschuldigt. Am Ende haben sich alle die Hände geschüttelt, weil die Sportlichkeit sich durchgesetzt hat.»
Ob der englische Fussballverband FA das auch so sieht, bleibt abzuwarten. Durch das Remis wurde der Aufstieg von Sheffield United in die Premier League endgültig besiegelt. Leeds United und Aston Villa dagegen könnten in den Playoffs erneut aufeinandertreffen.
Im Halbfinal könnte Leeds aber auch auf Derby County mit Headcoach Frank Lampard treffen. Jenes Derby, das Bielsa im Januar der Spionage beschuldigt hatte ... In den Championship-Playoffs scheint das Spektakel programmiert zu sein.
Europas Rekordmeister im Fussball
Spanien: Real Madrid – 34 Titel, zuletzt 2019/20. Erster Verfolger: FC Barcelona – 26 Titel. keystone / Rodrigo Jimenez
Deutschland: Bayern München – 30 Titel, zuletzt 2019/20. Erster Verfolger: 1. FC Nürnberg – 9 Titel. keystone / Kai Pfaffenbach
England: Manchester United – 20 Titel, zuletzt 2012/13. Erster Verfolger: FC Liverpool – 19 Titel. EPA / PETER POWELL
Italien: Juventus Turin – 36 Titel, zuletzt 2019/20. Erste Verfolger: Inter Mailand – 19 Titel. EPA/ANSA / ALESSANDRO DI MARCO
Frankreich: AS Saint-Etienne – 10 Titel, zuletzt 1980/81. Erster Verfolger: Olympique Marseille und Paris St-Germain – 9 Titel. L'EQUIPE /
Schweiz: Grasshoppers – 27 Titel, zuletzt 2002/03. Erster Verfolger: FC Basel – 20 Titel. KEYSTONE / STR
Österreich: Rapid Wien – 32 Titel, zuletzt 2007/08. Erster Verfolger: Austria Wien – 24 Titel.
Portugal: Benfica Lissabon – 37 Titel, 2018/19. Erster Verfolger: FC Porto – 29 Titel. AP / FRANCISCO SECO
Türkei: Galatasaray Istanbul – 22 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: Fenerbahce Istanbul – 19 Titel. AP
Griechenland: Olympiakos Piräus – 46 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: Panathinaikos Athen – 20 Titel. EPA/ANA-MPA / PANAGIOTIS MOSCHANDREOU
Niederlande: Ajax Amsterdam – 35 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: PSV Eindhoven – 24 Titel. AP / VINCENT JANNINK
Belgien: RSC Anderlecht – 34 Titel, zuletzt 2016/17. Erster Verfolger: FC Brügge – 16 Titel.
Schottland: Glasgow Rangers – 55 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: Celtic Glasgow – 51 Titel.
Norwegen: Rosenborg Trondheim – 26 Titel, zuletzt 2018. Erster Verfolger: Fredrikstad FK – 9 Titel.
Schweden: Malmö FF – 21 Titel, zuletzt 2020. Erster Verfolger: IFK Göteborg – 15 Titel. Imago / Christian rnberg
Dänemark: FC Kopenhagen (1992 fusioniert aus Boldklubben 1903 und Kjøbenhavns Boldklub) – 35 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: Brøndby IF – 10 Titel.
Russland: Spartak Moskau – 10 Titel, zuletzt 2016/17. Erster Verfolger: Zenit St. Petersburg – 8 Titel. EPA/EPA / SERGEI ILNITSKY
Kroatien: Dinamo Zagreb – 21 Titel, zuletzt 2020/21. Erster Verfolger: Hajduk Split – 6 Titel.
Serbien: Roter Stern Belgrad – 31 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: Partizan Belgrad – 27 Titel.
Polen: Gornik Zabrze (zuletzt 1987/88), Ruch Chorzow (zuletzt 1988/89) und Legia Warschau (zuletzt 2019/20) – je 14 Titel. www.imago-images.de / Rafal Oleksiewicz
Tschechien: Sparta Prag – 12 Titel, zuletzt 2013/14. Erster Verfolger: Slavia Prag – 6 Titel.
Slowakei: Slovan Bratislava – 10 Titel, zuletzt 2018/19. Erster Verfolger: MSK Zilina – 7 Titel.
Rumänien: Steaua Bukarest – 26 Titel, zuletzt 2014/15. Erster Verfolger: Dinamo Bukarest – 18 Titel.
Bulgarien: ZSKA Sofia – 31 Titel, zuletzt 2007/08. Erster Verfolger: Lewski Sofia – 26 Titel.
Ungarn: Ferencvaros Budapest – 31 Titel, zuletzt 2019/20. Erster Verfolger: MTK Budapest – 23 Titel.
Ukraine: Dynamo Kiew – 15 Titel, zuletzt 2015/16. Erster Verfolger: Schachtar Donezk – 12 Titel.
Unvergessene Fussball-Geschichten aus Grossbritannien