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Millionenzahlung vor Fussball-WM: Prozessbeginn verschoben

Publiziert: 09.03.20, 11:49 Aktualisiert: 09.03.20, 13:28

Das Bundesstrafgericht hat den Beginn des Prozesses gegen drei frühere deutsche Fussball-Funktionäre und den Ex-Fifa-Generalsekretär Urs Linsi auf Mittwoch verschoben. Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger erschienen am Montag nicht zur Verhandlung.

Der Prozess wird wegen des Coronavirus' unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt. Dies teilte das Bundesstrafgericht Ende vergangener Woche mit.

Bundesstrafgericht in Bellinzona. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Journalisten können die Verhandlung in einem Pressesaal mitverfolgen, in den das Geschehen im wenige Meter davon entfernten Gerichtssaal per Video übertragen wird. Eintritt in das Gericht erhalten nur Personen, die fieberfrei sind. Vor Betreten des Gerichts wird allen die Temperatur gemessen.

Theo Zwanziger, früherer Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), Horst R. Schmidt, Ex-Generalsekretär des DFB, und Urs Linsi, ehemaliger Generalsekretär der Fifa, müssen sich vor dem Bundesstrafgericht wegen Betrugs verantworten. Wolfgang Niersbach, der ebenfalls DFB-Präsident war, ist wegen Gehilfenschaft zu Betrug angeklagt.

Privatdarlehen via Fifa-Konto beglichen

Die DFB-Funktionäre waren im OK-Präsidium der Fussball-WM 2006 in Deutschland. Sie sollen gemäss Anklageschrift der Bundesanwaltschaft mit Hilfe von Linsi ein von Franz Beckenbauer privat aufgenommenes Darlehen beim damaligen Vorstandsvorsitzenden von Adidas, Robert Louis-Dreyfus, mit Geldern des DFB über ein Konto der Fifa beglichen haben.

Der damalige Fifa-Generalsekretär Urs Linsi im April 2007. Bild: KEYSTONE

Mit der aufgenommenen Summe von 10 Millionen Franken wurde Mohammed Bin Hammam, damals Mitglied der Fifa-Finanzkommission, überzeugt, dass dem DFB für die Organisation der Weltmeisterschaft 2006 ein Zuschuss von 250 Millionen Franken gewährt wird.

Beckenbauer wollte das Darlehen und die aufgelaufenen Zinsen nicht aus der eigenen Tasche bezahlen. Um die notwendige Einwilligung der Präsidialkommission für die umgerechnet 6,7 Millionen Euro zu erhalten, kaschierte das OK-Präsidium die Zahlung.

Zwanziger und Schmidt gaben vor, das Geld werde aus dem Kulturbudget der WM genommen und der Fifa für die Organisation einer Fussball-Gala bezahlt. Niersbach war über den Plan informiert.

Obwohl Beckenbauer das Darlehen aufgenommen hatte, ist er bisher nicht von der BA angeklagt worden. Diese hat sein Verfahren aufgrund des gesundheitlichen Zustands von Beckenbauer abgespaltet. Dennoch ist Beckenbauer für Freitag als Auskunftsperson vorgeladen. (Prozess SK.2019.45) (sda)

Grosse Fussballer, die nie an einer WM waren

Gareth Bale (Wales): Konnte sich mit Wales bisher nie für eine WM qualifizieren. War immerhin bei der EM 2016 dabei. AP/PA / David Davies
Pierre-Emerick Aubameyang (Gabun): Gabun konnte sich noch nie für eine WM qualifizieren. Zuletzt 2017 immerhin Gastgeber des Afrika-Cups. AP/AP / Sunday Alamba
Eric Cantona (Frankreich): Debütierte im Jahr 1987 in der Nationalmannschaft, wurde danach rausgeschmissen. 1994 war Frankreich nicht dabei, 1998 war er gesperrt nach seiner Kung-Fu-Attacke. EPA / GERRY PENNY
George Weah (Liberia): War zwar jahrelang Captain von Liberia, konnte sich aber nie für eine WM-Endrunde qualifizieren. CARLO FUMAGALLI
Jari Litmanen (Finnland): Konnte sich mit der Nationalmannschaft nie für ein grosses Turnier qualifizieren. AP / FRED ERNST
Bernd Schuster (Deutschland): War an der EM 1980 dabei, zerstritt sich danach aber mit dem Verband und wurde nicht mehr aufgeboten. Bongarts / Bongarts
Abedi Pelé (Ghana): Der drittbeste Fussballer Afrikas des letzten Jahrhunderts (hinter George Weah und Roger Milla) qualifizierte sich mit Ghana nie für eine WM-Endrunde.
Ryan Giggs (Wales): Wales war nur 1958 an einer WM. Man glaubt es kaum, aber damals spielte selbst Giggsy noch nicht mit. AP / DAVE THOMPSON
Ian Rush (Wales): Ist noch immer Liverpools Allzeit-Topskorer, aber qualifizierte sich mit Wales nie für eine WM-Endrunde.
George Best (Nordirland): Nordirland qualifizierte sich zur Aktivzeit George Bests nur 1982 für die WM. Da war der Star aber schon 36, in den USA tätig und zu alt. AP PA
Alfredo Di Stefano (Spanien): Spielte für Argentinien, Kolumbien und Spanien. Aufgrund der Politik, Verletzungen und Pech konnte er nie an einer WM teilnehmen. EPA/EFE FILE / -
Valentino Mazzola (Italien): Gilt als bester italienischer Fussballer aller Zeiten. War Denker und Lenker des Grande Torino. Kam kurz vor der WM 1950 im tragischen Flugzeugabsturz wie viele Teamkollegen ums Leben.
Laszlo Kubala (Spanien): Gilt als grösster Spieler, der je für den FC Barcelona spielte. Das Camp Nou wurde 1957 auch neu gebaut, damit die Zuschauermassen Platz fanden. «Haus, das Kubala baute», wird es darum auch genannt. Der Mittelfeldspieler lief für Ungarn, die Tschechoslowakei und Spanien auf. Mit Letzteren hätte er 1962 an die WM sollen, fiel aber verletzt aus.
Arthur Friedenreich (Brasilien): War der erste Star des Fussballs. Bei der ersten WM 1930 durfte er nicht mitspielen, weil Spieler Sao Paulos gesperrt waren. 1938 war er mit 42 Jahren zu alt.

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