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HIV weiter auf dem Rückzug: 425 neu gemeldete Fälle im Jahr 2018

Publiziert: 07.10.19, 10:57 Aktualisiert: 07.10.19, 14:21

Fakten zu Aids

Am meisten betroffen sind Männer, die mit anderen Männern Sex haben, aber auch Personen, die sich Drogen mit einer Nadel spritzen. EPA/EPA / CHRISTIAN BRUNA
Auch Kinder können von Aids betroffen sein, denn HIV-infizierte Mütter können Aids während der Schwangerschaft an das Kind weitergeben. EPA/EPA / NIC BOTHMA
1,8 Millionen Neuinfektionen von Kindern und Erwachsenen soll es 2016 gegeben haben. Das sind knapp 5000 pro Tag, 64% davon in Schwarzafrika. AP/Dr. A. Harrison; Dr. P. Feorino/CDC / Cynthia Goldsmith
Während in Afrika die Zahl von Neuinfektionen zurückging, stieg sie überraschenderweise in Osteuropa und Zentralasien. UNAIDS
Seit 2010 konnte die jährliche Anzahl an Neuinfizierungen an HIV um 16% gesenkt werden, so eine Studie von UNAIDS. EPA/EPA / LYNN BO BO
UNAIDS schätzt, dass weltweit über 38 Millionen Menschen mit HIV infiziert sind. EPA/EFE / Oscar Rivera
In Afrika ging die HIV-Infektion um 30 Prozent dank eines mit einem Anti-Aids-Medikament beschichteten Rings zurück, der in die Vagina eingeführt wird. AP/International Partnership for Microbicides / Andrew Loxley
Mit gratis Bluttests können sich zum Beispiel im Schwulenviertel in Bangkok Männer auf HIV prüfen lassen. X02943 / ATHIT PERAWONGMETHA
Ein Bluttest in Kalkutta. Rund 2,1 Millionen Menschen in Indien sollen vom HI-Virus betroffen sein. EPA/EPA / PIYAL ADHIKARY
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kämpft ebenfalls gegen Aids, ihr Sitz liegt übrigens in Genf. EPA/KEYSTONE / MARTIAL TREZZINI

In der Schweiz erreicht die Zahl der HIV-Diagnosen dank Screening und frühzeitiger Behandlung einen historischen Tiefstand: 2018 wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) 425 neue Fälle gemeldet, 4.5 Prozent weniger als 2017.

Die sinkende Anzahl neuer HIV-Fälle habe zwei Hauptursachen, teilte das BAG am Montag mit: Erstens würden sich Personen mit hohem Infektionsrisiko häufiger testen lassen. So könne die Behandlung im Infektionsfall früher aufgenommen werden.

Zweitens habe wahrscheinlich auch die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) dabei eine Rolle gespielt. Mit der PrEP kann man sich durch die Einnahme von Medikamenten vor einer HIV-Infektion schützen. Diese Massnahme wird Personen mit hohem HIV-Infektionsrisiko empfohlen. Laut Schätzungen haben letztes Jahr 1500 Personen PrEP benutzt. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich um Männer, die Sex mit Männern haben.

Love Life Kampagne HIV

Bild: Bundesamt für Gesundheit
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Trotz der Abnahme bleibe die HIV-Prävention wichtig, betont das BAG. Nur wenn die Safer-Sex-Regeln befolgt würden, könne HIV bis zum Jahr 2030 in der Schweiz eliminiert werden. Die Krankheit bleibe unheilbar und erfordere eine lebenslange Behandlung.

Anstieg der Gonorrhoe-Fälle

Bei den anderen sexuell übertragbaren Infektionen nahmen die Gonorrhoe-Fälle mit 3116 gemeldeten Fällen im Jahr 2018 um elf Prozent zu. Dieser Anstieg ist laut dem BAG vor allem auf ein verstärktes Screening infolge verschiedener Kampagnen bei den Risikogruppen zurückzuführen.

Die Chlamydiose bleibt mit 11'102 gemeldeten Fällen im Jahr 2018 stabil. Diese Stabilisierung stellt einen neuen Trend dar. Zwischen 2000 und 2016 stiegen die Chlamydiosefälle von jährlich 2000 auf 11'000 Fälle an.

Seit 2018 werden aus methodischen Gründen auch Fälle von Syphilis gezählt, die im Labor nicht bestätigt wurden. Dadurch nimmt die Gesamtzahl der Fälle zu. Im Jahr 2018 wurden dem BAG 885 neue Syphilis-Fälle gemeldet. Vertiefte Analysen zeigen aber, dass die tatsächliche Anzahl von Neuinfektionen in den letzten drei Jahren stabil geblieben ist. (aeg/sda)

30 Jahre Aids-Prävention

1987 – Im Februar startet das Bundesamt für Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe Schweiz die erste STOP AIDS-Kampagne. Erkennungslogo: ein rosarotes Präservativ. BAG
1988 – Der rosa Präservativmond wacht über den Schweizer Städten. BAG
1989 – Wertevermittlung als Botschaft: Treue.
1990 – Aufklärung: Küssen ist kein Risiko.
«Anna hat Aids. Wer wirft den ersten Stein?» Menschen mit Aids werden zunehmend diskriminiert. Der Bund tritt den Moralaposteln entgegen. Die Bundesräte Flavio Cotti und Elisabeth Kopp treten in Fernsehspots auf und appellieren an die Solidarität mit Menschen mit Aids und HIV.
1991 – Solidarität wird zum zentralen Thema der STOP-AIDS-Kampagne von 1990 und 1991.
1992 – «Ohne? Ohne mich.»
1993 – «Ich war keiner Frau ewig treu. Aber dem Präservativ schon.» Setzte die Kampagne von 1989 noch auf die Treue, rückt anfangs der 90er Jahre der Seitensprung in den Fokus. Längst ist Aids und HIV auch bei heterosexuellen Paaren ein Thema.
1994 – Tabubruch: Erstmals ein schwules Paar in einer schweizweiten Kampagne. Der Bundesrat wird aufgefordert, unverzüglich eine Ethikkommission einzusetzen, welche die Themen und Slogans der «Stop Aids»-Kampagnen prüft. Der Bundesrat lehnt die Motion ab.
1994 – Wenn schon, denn schon. Die Kampagnen passen sich der Realität an.
1995 – Ohne Worte.
1996 – «Das Präservativ immer dabei.»
1997 – Ohne Dings kein Bums wurde zum geflügelten Satz. Hat bis heute seine Gültigkeit.
1998 – Die Botschaft muss immer wieder an den Mann und die Frau kommen. Mit Humor geht es leichter.
1999 – Die meisten Kondompannen sind auf unsachgemässe Anwendung zurückzuführen. Zu gross, zu klein, falsche Seite, kein Platz für das Reservoir etc.
2000 – «Zum Glück kommt sich die Menschheit immer näher.»
2001 – «Falls Sie auch bei diesem Liebesspiel ganz sicher sein wollen.» Vaginal-, Oral-, Analsex. Das Vokabular des Durchschnittbürgers wird erweitert.
2002 – Landesausstellung: Die Plakatkampagne nimmt ein Thema an der Expo.02 auf: Verführung und Prävention.
2003 – Die Schweiz: ein Land, viele Nationalitäten.
2003 – Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) reagiert auf den Protest der Schweizer Bischöfe und zieht dieses Plakatsujet zurück. Diese hatten kritisiert, das Plakat mache die Haltung der katholischen Kirche lächerlich.
2005 – STOP AIDS wird zu LOVE LIFE STOP AIDS. Die Kampagne für mündige Bürgerinnen und Bürger. Sex haben ist gesund und tut gut. Sex kann unbeschwert geniessen, wer das Präservativ konsequent und richtig anwendet.
2006 – «Hier schützt man sich ja auch.» Sich im Alltag schützen ist eine Selbstverständlichkeit. Das gilt auch beim Sex.
2007 – Das eigene Risiko testen: www.check-your-lovelife.ch. Wir haben alle eine Vergangenheit, auch eine sexuelle.
2008 – «Auch auf Geschäftsreisen immer mit.» Umstrittenes Plakat. Leserbriefe, Protestschreiben, besorgte Eltern.
2010 – One Night Stands, gekaufter Sex, schneller Sex. Ging es zu schnell, um an Gummis zu denken? Risikocheck auf www.check-your-lovelife.ch.
2011 – «Juckt es?» HIV ist eine chronische behandelbare Krankheit. Und was ist mit Tripper, Syphilis und CO.? Wenn es juckt, wenn es beisst, wenn es kratzt – ab zum Arzt.
2012/2013 – «Mein Dings hat Dingsbums.» Alle Aufgeklärtheit zum Trotz – über Geschlechtskrankheiten zu sprechen ist nicht einfach, aber notwendig.
2014 – «LOVE LIFE – und bereue nichts». Jetzt es geht es direkt zur Sache.
2015 – LOVE LIFE-Kampagne: Wenn hinter grippeähnlichen Symptomen mehr steckt.
2015 – LOVE LIFE-Kampagne: Wenn hinter grippeähnlichen Symptomen mehr steckt.
Love Life-Kampagne 2017: «Partner wechselt. Safer Sex bleibt.»
Love Life-Kampagne 2018: «Machs mit und gewinne!» zvg
Love Life-Kampagne 2019: «Auf gehts» pd
Love Life-Kampagne 2019: «Auf gehts» pd
Love Life-Kampagne 2019: «Auf gehts» pd
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HIV-Schnelltest für zu Hause

Video: SRF / SDA SRF

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