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Biden ist kaum noch aufzuhalten – die 4 wichtigsten Erkenntnisse des «Mini Super Tuesday»

Joe Biden feiert beim kleinen «Super Tuesday» den nächsten Triumph. Er besiegt Konkurrent Bernie Sanders deutlich. Dem bleibt nur noch eine letzte Chance.

Publiziert: 11.03.20, 06:52 Aktualisiert: 11.03.20, 06:53
Fabian Reinbold, Washington / t-online

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Eine Woche nach dem überraschenden Triumph am «Super Tuesday» hat Joe Biden einen weiteren grossen Sieg gefeiert. Beim sogenannten «Mini-Super-Tuesday», an dem sechs US-Bundesstaaten über den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten abstimmten, enteilte er seinem letzten verbliebenen Konkurrenten Bernie Sanders.

Joe Biden ist nun der haushohe Favorit darauf, im November als Gegner von US-Präsident Donald Trump anzutreten.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Wahlabends:

Bidens Triumph

Der frühere Vizepräsident gewann die Staaten Michigan, Mississippi und Missouri so deutlich, dass seine Siege schon rasch nach Schliessung der Wahllokale verkündet wurden. In Mississippi holt er 80 Prozent der Stimmen. Auf seine Wählerkoalition, die ihm bereits die Siege am «Super Tuesday» beschert hatte, war Verlass: Er gewann die Stimmen der Schwarzen, der Älteren und der moderaten Wähler in den Vorstädten. Und in Michigan siegt er – ganz wichtig für die spätere Hauptwahl – bei den weissen Arbeitern.

Auch wenn Biden einen Wahlkampf mit Schwächen und Patzern hingelegt hat: Ein grosser Teil der Demokraten hat sich binnen anderthalb Wochen hinter ihm versammelt. Das Wichtigste ist vielen, das belegen wieder einmal Wählerbefragungen des Wahlabends, einen Kandidaten zu haben, der Donald Trump schlagen kann. Dieser Kandidat ist nun Joe Biden.

Das wichtigste Signal

Biden gewann mit Michigan den Hauptpreis des Wahlabends. Es ging dabei um weit mehr als 125 Delegiertenstimmen. Bidens Sieg war ein nicht zu überhörendes Signal: Denn Michigan ist ein Staat, den die Demokraten zurückgewinnen müssen, wenn sie Trump im November schlagen wollen. Im «Rust belt»-Staat lag Trump 2016 knapp, aber für seinen Wahlsieg entscheidend vorn. Kann Biden die Wähler gewinnen, die Trump den Sieg bescherten?

Am Wahlabend sah es so aus: Biden gewann auch bei weissen Arbeitern eine Mehrheit, die 2016 gegen Hillary Clinton erst für Bernie Sanders und im November schliesslich für Donald Trump gestimmt hatte. Das kann den Demokraten kräftig Mut machen für die Wahl im November.

Sanders' gebrochenes Versprechen

In Michigan, wo Sanders in den Tagen vor der Wahl frenetisch Wahlkampf gemacht hatte, zeigte sich seine grosse Schwäche. 2016 hatte der Aussenseiter hier noch einen Überraschungssieg gegen Clinton gelandet, doch nun kamen ihm hier gar wichtige Stimmen der weissen Arbeiterschicht abhanden. Sanders führte seinen Wahlkampf mit dem Versprechen, er werde so viele Nichtwähler wie noch nie mobilisieren. Das löste er nicht ein. 2016 konnte er zwar hervorragend gegen eine in Teilen der Basis verhasste Hillary Clinton mobilisieren – aber das gelingt ihm 2020 gegen Biden nicht mehr.

Sanders besucht ein Wahlbüro in Detroit. Bild: AP

Sanders, der Sieger der ersten beiden Vorwahlen, wirkt nun so gut wie geschlagen. Seine Positionen wie die Einführung einer staatlichen Krankenversicherung haben viele Anhänger begeistert. Doch als Kandidat, der Trump schlagen kann, hat er nicht genügend Wähler überzeugt. Am Wahlabend schwieg der Senator – es gibt bereits Druck auf ihn, aus dem Rennen zu scheiden.

Wie es jetzt weiter geht

Rechnerisch ist im Rennen noch alles möglich – es wird noch mehr als die Hälfte der Delegiertenstimmen vergeben, die letztlich über die Nominierung entscheiden. Am kommenden Dienstag stimmen vier weitere Bundesstaaten ab, in denen es gut für Biden aussieht: im Rentnerparadies Florida ebenso wie in Illinois und Ohio, die dem benachbarten Michigan nacheifern könnten, das er am Abend so klar gewann.

Für den Sonntagabend ist das erste TV-Duell zwischen den beiden Kandidaten angesetzt. Das ist die beste – und wohl schon die letzte – Chance für Bernie Sanders, den Siegeszug Bidens noch zu stoppen. Wenn es überhaupt noch zu der Debatte kommt. Das Coronavirus bremst nun auch den US-Wahlkampf.

Unter den Beobachtern in Washington gibt es kaum noch Zweifel, dass Biden der Kandidat wird. Er hat grosse Teile der Wählerbasis hinter sich geschart. Der Wahlsieger vom Dienstag muss sich nun bemühen, die leidenschaftlichen Anhänger von Sanders, insbesondere die jungen Linken und die Latinos, ebenfalls für sich zu gewinnen. Das ist keine leichte Aufgabe. In seiner Rede am Wahlabend streckte Biden ihnen demonstrativ die Hand aus: «Wir haben dasselbe Ziel», sagte er. «Gemeinsam werden wir Donald Trump besiegen.»

Das waren die unbeliebtesten US-Präsidenten

Waaas? Kennedy? Natürlich nicht! Wir beginnen mit dem Beliebtesten! John F. Kennedy, ausgerechnet er, der 1963 Opfer eines Attentats wurde, war der beliebteste US-Präsident aller Zeiten. EPA / ABBIE ROWE / NATIONAL PARK SERVICE HANDOUT
Ebenfalls sehr beliebt war der charismatische Dwight Eisenhower (rechts), hier 1960 beim Golfen. In den Beliebtheits-Polls, die Prognose-Pionier George Gallup in den 30ern erfunden hat, rangiert er auf Platz zwei. AP/AP / Paul Vathis
Auch Franklin D. Roosevelt schafft es unter die ersten drei. Der Demokrat war zwischen 1933 und 1945 bis zu seinem Tode Präsident der USA. Für seine Führung im Zweiten Weltkrieg erntet er heute noch grossen Respekt. AP/AP
Auch George H. W. Bush, George W. Bushs Vater, war während seiner Amtszeit recht beliebt. Sein Sohn sollte es in punkto Beliebtheit nicht so weit bringen wie er. AP/AP / Barry Thumma
Auf dem fünften Platz landet Lyndon B. Johnson. Der Demokrat übernahm 1963 nach dem Attentat auf Kennedy das Präsidentenamt. Er erklärte die Rassentrennung in ganz Amerika für illegal. AP/AP / John Rous
Ein prominentes Gesicht: Auch Bill Clintons Arbeit als Präsident, zwischen 1993 und 2001, wurde sehr geschätzt. Seine Lügen in der Affäre Monica Lewinsky setzten seinem Ansehen jedoch zu. AP/Invision / Andy Kropa
Ronald Reagan, 1981 während einer Pressekonferenz im Weissen Haus, bewegt sich in punkto Beliebtheit im Mittelfeld. Die Republikaner bejubelten seinen Sozialabbau, die Demokraten weniger. AP/AP / Anonymous
Auch George W. Bush war gar nicht mal so unbeliebt. Er teilt sich aber seinen Platz mit ... AP/AP / LM Otero
... Richard Nixon. Der republikanische Präsident war genau gleich beliebt bzw. unbeliebt wie Bush. Nach der Watergate-Affäre musste er von seinem Amt zurücktreten. AP/AP / Uncredited
Jetzt geht's aber markant bergab. Der Republikaner Gerald Ford, zwischen 1974 und 1977, war ziemlich unbeliebt. Nur zweieinhalb Jahre im Amt, versuchte er nach Nixons Rücktritt, das Vertrauen ins Weisse Haus wiederherzustellen.
Ford war dabei aber nicht so unbeliebt wie Barack Obama. Er landet auf dem drittletzten Platz. X00280 / MIKE THEILER
Jimmy Carter, vor allem in der Energie-, Bildungs- und Umweltpolitik engagiert, schaffte es nicht, die USA aus ihrer Wirtschafts- und Gesellschaftskrise zu führen. Er war während seiner Amtszeit der zweitunbeliebteste US-Präsident. AP/AP
Der absolut unbeliebteste Präsident während seiner Amtszeit war aber Harry S. Truman (1945–1953). Der Demokrat mauserte sich dafür später: Im 21. Jahrhundert gehört er bei Umfragen unter Amerikanern zu den beliebtesten US-Präsidenten. NARA
So, das, ähm, wars jetzt mit den unbeliebtesten US-Präsidenten. AP/AP / Pablo Martinez Monsivais

Joe Biden verabschiedet sich von John McCain

Video: watson / nico franzoni

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